US-Wahlkampf Warum Steve Jobs Barack Obama fehlen wird

Viele Menschen trauern um den toten Apple-Gründer Jobs - allen voran US-Präsident Barack Obama. Für ihn war der Technikvisionär ein Kronzeuge des Wandels in Amerika und ein wichtiger Freund. Auch im beginnenden Wahlkampf könnte Obama den Verlust zu spüren bekommen.

Steve Jobs: Fehlende Stütze im Obama-Wahlkampf
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Steve Jobs: Fehlende Stütze im Obama-Wahlkampf

Von , Washington


US-Präsident Barack Obama und Steve Jobs, sie hatten stets eine ganz besondere Beziehung. Obama kämpft um neue Jobs, Steve Jobs stand immer auch für "jobs". Mit seinem Apple-Konzern war er eine echte Nummer eins, er war so wie Amerika sich am liebsten sieht. Für Obama war er der Beweis dafür, dass Amerikaner noch große Dinge schaffen und erschaffen.

Obama hat weniger als zwei Stunden nach Jobs' Tod eine Kondolenzbotschaft an die Weltpresse verschickt, eine unerhörte Ehre für einen privaten Unternehmer, aus jeder Zeile klang die Wehmut. Der Präsident schrieb: "Er hat unseren Blick auf die Welt verändert."

Obama hat diesen Wandel auch versprochen, nur hat er ihn bislang nicht geschafft, und Jobs sollte ihm dabei helfen, bis zum Schluss. Der ehemalige Sozialarbeiter Obama tut sich schwer mit Wirtschaftsbossen, viele halten ihn entweder für einen Sozialisten, für einen Schwächling - oder für beides.

Für Obama war Jobs auch ein Vertrauter. Sie verstanden sich gut, waren sich offenkundig menschlich nah. Es gibt ein Foto, aufgenommen im Februar dieses Jahres, da sitzt Jobs - schon sehr zerbrechlich und vom Krebs gezeichnet - neben dem Präsidenten bei einer Abendessenrunde in Kalifornien. Sie heben das Glas, man weiß nicht, worauf sie anstoßen, aber es ist ein Bild, das Nähe zeigt. Es konnte wie ein Bekenntnis verstanden werden, und so war es wohl auch gemeint, als Jobs' Bekenntnis zu "seinem" Präsidenten.

Obama als Apple-Edelfan

Jobs' Apple-Glitzerwelt war das Amerika, von dem Obama träumte, bevor er ins Weiße Haus zog - und deswegen umarmte er ihn wie kaum einen anderen Firmenboss. Im Wahlkampf hat Obama Reportern von den Songs auf seinem iPod vorgeschwärmt. Als Obamas junge Mitarbeiter 2009 ins Weiße Haus einzogen, beschwerten sie sich laut US-Medienberichten darüber, dass es dort nicht genug Apple-Computer gäbe. Der Präsident bekam von Jobs persönlich ein iPad 2 überreicht, vor dessen Weltpremiere, das war "cool", schwärmte Obama in einem TV-Interview. Er lief damit unter dem Arm herum, wie ein Edelfan, jeder sollte es sehen.

Wie sehr ihm Jobs fehlen wird, war bei der Pressekonferenz am Tag gleich nach dessen Tod zu besichtigen. Da prasselten die Fragen auf den Präsidenten ein wie in einem Gewittersturm, alles steckt fest in Amerika, die Brücken krachen ein, die Straßen haben Löcher, die Schlangen bei den Jobmessen reichen um die Ecken, das Land kommt einfach nicht aus der Rezession.

"Hören Amerikas Bürger noch auf Sie?", fragte ein Reporter.

Obama verstrickte sich in eine lange Predigt, dass Amerika endlich in seine Bildung investieren müsse, damit es wieder aufwärts gehe, in seine Infrastruktur, seine Kreativität. "Wir werden es weiter versuchen, alles klar?", rief der Präsident. Doch er klang wie jemand, der diese Predigt zum tausendsten Mal hält. Obama begann den Abgang, da brüllte ein Journalist von hinten: "Und ein paar Worte zu Steve Jobs?"

Aber Obama ging nicht darauf ein, es wirkte, als habe jemand bei einer Beerdigung der tief trauernden Verwandtschaft das Falsche zugerufen.

Steve Jobs vereint alle

Jobs' alle Grenzen überschreitender Erfolg erinnerte an die hellsten Versprechen der Obama-Präsidentschaft. Der rief einst, es gäbe nicht die "Red States" oder die "Blue States" in Amerika, keine Rechten oder Linken, nur die "United States of America". Solche Sätze gewannen Obama die Wahl, aber sie haben das Land nicht zusammengebracht.

Jobs hingegen mag die Nation früher mal in "Mac People" und "PC People" gespaltet haben. Aber iPhone, iPad oder iPod lieben alle, ob alt, ob jung, ob rechts, ob links, ob in New York oder in Ohio, ob Country-Sternchen wie Taylor Swift oder HipHop-Stars wie Jay-Z.

In den Momenten nach seinem Tod schien das Land kurz geeint, Amerikaner gingen ein wenig behutsamer miteinander um. Selbst auf Fox News durften Gäste Jobs mit Einstein vergleichen, die Moderatoren des rechten Krawall-Senders trauten sich nicht zu widersprechen. Normal müssten sie das sofort tun, schließlich war Jobs ein Obama-Freund, und die verdienen bei Fox kein Lob.

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Apple-Fans: Blumen für Steve, Trauerflor fürs Web
Amerikas Linke wiederum blendeten aus, dass Jobs vor allem ein Kapitalist war, ein lupenreiner sogar. Apple war fast so viel wert wie der verhasste Ölriese Exxon, Jobs der 110-reichste Mensch der Erde. Er ließ seine Hochglanz-Produkte billig in China fertigen.

Nahe der Wall Street campen derzeit Tausende Menschen, "Occupy Wall Street" heißt ihre Bewegung, sie wollen diese besetzen, sie schwenken Schilder: "Even God Hates Wall Street", sogar Gott hasst die Wall-Street-Banker.

Steve Jobs, der Obama der Geschäftswelt

Doch die meist jungen Demonstranten tippen ihre Botschaften oft auf Macs, sie koordinieren sich per iPhone. Und sie hassen Jobs nicht, im Gegenteil. Im TV-Sender MSNBC verlas ein Reporter den Brief eines Demonstranten, der sich aufregt, dass Jobs tot sei - während die "Wall-Street-Arschlöcher" noch lebendig seien.

Jobs ließ Konsum cool erscheinen, er war der Obama der Geschäftswelt. Aus der Zeit, als Obama noch ein Hoffnungsträger war. Aber wie lange kann so ein Gefühl anhalten, in den gespaltenen Staaten von Amerika?

Jobs ist Geschichte und schon beginnen Obamas Widersacher damit, den Präsidenten als altmodisch, altbacken zu verspotten. Mitt Romney, aussichtsreichster konservativer Präsidentschaftskandidat, spricht bei Auftritten gerne über Smart Phones, die modernen multimedialen Telefone, welche Jobs so geprägt hat, als Symbol amerikanischer Unternehmerkunst.

Dann legt Romney nach und entwirft seinen Gegenentwurf zur Smart-Phone-Welt: Barack Obama, der vermeintliche Sozialist. Der Präsident, schnarrt Romney, lebe in der Welt der ollen Pay Phones, der Münzsprecher.

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Seite 1
nahal, 10.10.2011
1. nicht ganz
Zitat von sysopViele Menschen trauern um den toten Apple-Gründer Jobs - allen voran US-Präsident Barack Obama. Für ihn*war der Technik-Visionär ein Kronzeuge des Wandels in Amerika und ein wichtiger Freund. Auch im beginnenden Wahlkampf könnte Obama den Verlust zu spüren bekommen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,790816,00.html
"Steve Jobs, der Obama der Geschäftswelt" Der Artikel klingt wie einen nostalgischen Abgesang auf Obama, eine enttäusche Liebesbeziehung, die nie eine war. Jobs war genau der Anti-Obama: Ein Gründer, der ohne staatliche Unterstützung Inovation zum Erfolg gebracht hat, der sich gegen Überregulierung durchgesetzt hat. Seine Garage hatte nicht die heute notwendigen Toilleten und Sozialräume. Er hat auch nicht die von Obama in den Sand gesetzten halben Milliarde $ der pleitegegangenen Solyndra gabraucht, um die "richtige" Geschäftsidee durchzusetzen.
wohe, 10.10.2011
2. American Dream reloaded
Zitat von nahal"Steve Jobs, der Obama der Geschäftswelt" Der Artikel klingt wie einen nostalgischen Abgesang auf Obama, eine enttäusche Liebesbeziehung, die nie eine war. Jobs war genau der Anti-Obama: Ein Gründer, der ohne staatliche Unterstützung Inovation zum Erfolg gebracht hat, der sich gegen Überregulierung durchgesetzt hat. Seine Garage hatte nicht die heute notwendigen Toilleten und Sozialräume. Er hat auch nicht die von Obama in den Sand gesetzten halben Milliarde $ der pleitegegangenen Solyndra gabraucht, um die "richtige" Geschäftsidee durchzusetzen.
Wie "recht" sie haben. Da loben wir uns doch den überzeugten Rechts-Republikaner GWB, der lächerliche 2 Billionen USD für einen mühsam verbrämten Angriffskrieg ausgab, gell? Der einen fast ausgeglichenen Staatshaushalt übernahm und nach acht Amtsjahren einen völlig verschuldeten an Obama übergab? Jedes Land sucht derzeit nach positiven Identifikationsfiguren. Da kommt ein "iGod" gerade recht. Und posthum kann man dann auch leichter über dessen Schattenseiten hinwegsehen. Und trotz all dieser Schattenseiten: Steve Jobs ist ein Paradebeispiel für den "American Dream": vom Adoptivkind unbegüterter Zieheltern zum wohl berühmtesten und in weiten Kreisen verehrtesten Unternehmer weltweit, Milliardenvermögen inbegriffen. Eine Vita voller Höhen und Tiefen. Natürlich passt das zu Obamas Motto: "Yes we can". Und verständlicherweise hatte der Buddhist und Ex-Hippie Steve Jobs wenig übrig für eine Tea-Party geprägte, rechtsaußen-Republikaner-Partei, in der fundamentalistische Christen und Kriegstreiber den Ton angeben. Damit hatte Steve Jobs nun wahrlich keine Schnittmenge.
qvoice, 10.10.2011
3. ...
Zitat von woheWie "recht" sie haben. Da loben wir uns doch den überzeugten Rechts-Republikaner GWB, der lächerliche 2 Billionen USD für einen mühsam verbrämten Angriffskrieg ausgab, gell? Der einen fast ausgeglichenen Staatshaushalt übernahm und nach acht Amtsjahren einen völlig verschuldeten an Obama übergab? Jedes Land sucht derzeit nach positiven Identifikationsfiguren. Da kommt ein "iGod" gerade recht. Und posthum kann man dann auch leichter über dessen Schattenseiten hinwegsehen. Und trotz all dieser Schattenseiten: Steve Jobs ist ein Paradebeispiel für den "American Dream": vom Adoptivkind unbegüterter Zieheltern zum wohl berühmtesten und in weiten Kreisen verehrtesten Unternehmer weltweit, Milliardenvermögen inbegriffen. Eine Vita voller Höhen und Tiefen. Natürlich passt das zu Obamas Motto: "Yes we can". Und verständlicherweise hatte der Buddhist und Ex-Hippie Steve Jobs wenig übrig für eine Tea-Party geprägte, rechtsaußen-Republikaner-Partei, in der fundamentalistische Christen und Kriegstreiber den Ton angeben. Damit hatte Steve Jobs nun wahrlich keine Schnittmenge.
Obama hat keinen der von Bush angefangenen Kriege beendet und auch Guantanamo weitergeführt. Er hat die aus Guantanamo gewonnenen Information für die Liquidierung Bin Ladens verwendet. Schon komisch - alle sind Schuld an Obamas Misere: George W. Bush, die Tea-Party, die Republikaner und natürlich die Europäer, die ja laut seiner Aussage Schuld an der Finanzkriese sind. Nur Obama macht alles richtig.
qvoice, 10.10.2011
4. ...
Zitat von woheWie "recht" sie haben. Da loben wir uns doch den überzeugten Rechts-Republikaner GWB, der lächerliche 2 Billionen USD für einen mühsam verbrämten Angriffskrieg ausgab, gell? Der einen fast ausgeglichenen Staatshaushalt übernahm und nach acht Amtsjahren einen völlig verschuldeten an Obama übergab? Jedes Land sucht derzeit nach positiven Identifikationsfiguren. Da kommt ein "iGod" gerade recht. Und posthum kann man dann auch leichter über dessen Schattenseiten hinwegsehen. Und trotz all dieser Schattenseiten: Steve Jobs ist ein Paradebeispiel für den "American Dream": vom Adoptivkind unbegüterter Zieheltern zum wohl berühmtesten und in weiten Kreisen verehrtesten Unternehmer weltweit, Milliardenvermögen inbegriffen. Eine Vita voller Höhen und Tiefen. Natürlich passt das zu Obamas Motto: "Yes we can". Und verständlicherweise hatte der Buddhist und Ex-Hippie Steve Jobs wenig übrig für eine Tea-Party geprägte, rechtsaußen-Republikaner-Partei, in der fundamentalistische Christen und Kriegstreiber den Ton angeben. Damit hatte Steve Jobs nun wahrlich keine Schnittmenge.
Zu Steve Jobs passt der Slogan, zu Obama nicht.
niepmann 10.10.2011
5. Klar!
Zitat von sysopViele Menschen trauern um den toten Apple-Gründer Jobs - allen voran US-Präsident Barack Obama. Für ihn*war der Technik-Visionär ein Kronzeuge des Wandels in Amerika und ein wichtiger Freund. Auch im beginnenden Wahlkampf könnte Obama den Verlust zu spüren bekommen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,790816,00.html
Keine Wahlkampfspende! Und den Anchor man für die Wirtschaft verloren!
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