US-Wahlkampf Werbespot der Republikaner erzürnt Demokraten

Terror, Bomben, Angst: Im Rennen um den US-Kongress werben die Republikaner mit einem umstrittenen Spot um Wählerstimmen. Hauptdarsteller des Films ist Qaida-Chef Bin Laden. Die Demokraten sind empört - dabei gewann einer der ihren mit einem ähnlichen Spot einst die Präsidentschaft.


Washington - Im Spot "These Are The Stakes" ("Dies steht auf dem Spiel") tauchen nur zwei bekannte Personen auf: der Chef des Terrornetzwerks al-Qaida, Osama Bin Laden, und seinen Stellvertreter Aiman al-Sawahiri. Zitate der beiden sind eingeblendet, aber niemand spricht. Die einzigen Geräusche, die zu hören sind, sind das immer lauter werdende Ticken einer Uhr und am Ende des Films lautes Herzklopfen. Über Bilder, die offenbar aus Ausbildungslagern von Terroristen stammen, sind die Zitate der Terroristen gelegt. Am Schluss jeder Szene verblassen die Buchstaben, nur eine Schlüsselformulierung bleibt zu lesen.

Spot auf der Website der Republikaner: "Dies steht auf dem Spiel"

Spot auf der Website der Republikaner: "Dies steht auf dem Spiel"

In einer Szene ist Bin Laden zu sehen mit dem Zitat: "Mit Gottes Zustimmung rufen wir jeden Gläubigen dazu auf, Gottes Willen zu befolgen und die Amerikaner zu töten." Während der Anfang des Satzes verschwindet, ist zum Schluss der Sequenz "Amerikaner zu töten" auf dem Bildschirm zu sehen. Anschließend wird das Zitat "Das, was jetzt noch kommt, wird noch schlimmer sein" eingeblendet, gefolgt von einer Explosion. Am Ende des einminütigen Spots erscheint vor schwarzem Hintergrund der Schriftzug: "Dies steht auf dem Spiel. Gehen Sie zur Wahl am 7. November". Der Film soll ab kommender Woche im US-Kabelfernsehen laufen und ist bereits jetzt auf der Homepage der US-Republikaner zu sehen.

Belastet durch die Foley-Sex-E-Mail-Affäre und die katastrophale Lage im Irak liegen die Republikaner in den jüngsten Umfragen weit abgeschlagen hinter den Demokraten. In einer am Donnerstag veröffentlichten Erhebung im Auftrag des "Wall Street Journal" und des Senders NBC gaben 52 Prozent an, den Demokraten zuzuneigen, während sich nur 37 Prozent für die Republikaner aussprachen.

Die Republikaner hoffen nun auf die von ihnen traditionell besetzten Themen nationale Sicherheit und den Kampf gegen Terrorismus. Doch auch auf diesen Gebieten wurden sie von den Demokraten mittlerweile ein- oder gar überholt.

Vertreter der Demokratischen Partei bezeichneten denn auch den neuen Wahlwerbespot als verzweifelten Versuch der Republikaner, ihre Wählerschaft zu mobilisieren. "Einmal mehr zeigen die Republikaner, dass sie wirklich alles tun und sagen werden, egal, ob es wahr ist oder nicht", sagte eine Parteisprecherin der Demokraten, Karen Finney. "Offensichtlich haben die Republikaner so große Angst vor ihren unterirdischen Umfragewerten, dass sie nicht einmal ein einziges Beispiel bringen können, was sie für die Sicherheit Amerikas getan haben." Mit Panikmache solle von den Fehlern der Regierung abgelenkt werden.

Mit einem ähnlichen Spot hat Lyndon B. Johnson einst die Präsidentschaft errungen - mitten im Kalten Krieg. 1964 warb der Demokrat mit einem Spot um die Wählergunst, den CNN-Politikexperte Bill Schneider als den "berühmtesten politischen Werbespot der US-Geschichte" bezeichnet. In dem Spot "Daisy" ("Gänseblümchen") ist ein Mädchen zu sehen, dass Blütenblätter von einer Blüte pflückt und dabei bis Zehn zählt. Dann ist mit einer tiefen Stimme ein Countdown zu hören. Bei Null explodiert eine Atombombe. Im Anschluss spricht Johnson selbst. "Heute steht es auf dem Spiel, ob Gottes Kinder leben werden oder in die Dunkelheit gehen. Wir müssen uns entweder lieben", sagt er, "oder sterben." Am Ende des Spot sagt eine Stimme: "Es steht zu viel auf dem Spiel, als dass Sie bei der Wahl zu Hause bleiben könnten."

ffr/Reuters/AFP



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