USA Barack Obama erwägt Kandidatur für das Weiße Haus

Er ist der einzige afro-amerikanische Senator der USA und könnte schon bald ein Hoffnungsträger der Demokraten für das Weiße Haus sein: Barack Obama liebäugelt mit einer Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen - Parteistrategen sind begeistert.


Washington - Auf die Frage eines Moderators im US-Fernsehsender NBC, ob er eine Kandidatur erwäge, sagte Obama: "Ja". Er denke durchaus darüber nach, für die Wahl 2008 zu kandidieren. Er habe sich aber noch nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit dem Thema gewidmet, fügte der 45-jährige Demokrat hinzu.

Ganz gleich, wie weit Obamas Pläne gediehen sind: Demokratische Parteistrategen haben seine Äußerungen ausgesprochen positiv aufgenommen. Wenn er antrete, würde er umgehend zu einem der wichtigsten Herausforderer avancieren, lautete ihre Einschätzung laut einem Bericht der "Washington Post". Er würde zu einem ernsthaften Konkurrenten von Hillary Clinton, der auch Ambitionen zugeschrieben werden.

Die Analyse der demokratischen Parteistrategen: Wenn die Wähler 2008 einen Wechsel wollen, kann Obama besser einen neuen Weg verkörpern als viele andere mögliche Kandidaten.

"Wenn er und Clinton kandidieren, dürfte nicht mehr viel Platz für andere Kandidaten sein", sagte dem Bericht zufolge Steve Elmendorf, ein früherer Berater von Richard Gephardt, dem Ex-Fraktionschef der Demokraten im Repräsentantenhaus.

Obama hatte monatelang beteuert, kein Interesse am Amt des Präsidenten zu haben. Allerdings habe er in den vergangenen Monaten gewisse "Reaktionen" bekommen, sagte er. Zunächst wolle er sich auf den Wahlkampf für die anstehende Kongresswahl konzentrieren, und wenn er seine Meinung irgendwann ändere, werde er dies kundtun.

Der 45-Jährige, der vor zwei Jahren erstmals zum Senator gewählt wurde, sagte im Fernsehen, er glaube nicht, dass er zu jung oder unerfahren für das Amt des Präsidenten sei. "Ich bin mir nicht sicher, ob irgendjemand bereit ist, Präsident zu werden, bevor er es dann wird." Am Ende vertraue er auf "das Urteil der amerikanischen Bevölkerung".

Obama ist seit seinem Auftritt beim Parteitag im Juli 2004 ein Star bei den Demokraten. Damals begeisterte er seine Parteifreunde mit einer Rede, in der er sich als Mann präsentierte, der zusammenführen und versöhnen will, nicht spalten. "Es gibt nicht ein schwarzes und ein weißes Amerika und ein Amerika der Latinos und ein asiatisches Amerika. Es gibt die Vereinigten Staaten von Amerika!", rief er den mehr als 4500 Delegierten zu. Es gebe "Patrioten, die für den Krieg im Irak waren, und Patrioten, die dagegen waren", sagte Obama bei seinem Auftritt, mit dem er auch in der Bevölkerung bekannt wurde. Millionen Fernsehzuschauer verfolgten damals die Berichterstattung über den Parteitag.

Schon damals wurde Obama als möglicher erster schwarzer Präsident der USA gehandelt. Der Senator des US-Bundesstaats Illinois ist der Sohn eines Kenianers und einer Weißen aus Kansas. "Mein Name kommt aus Kenia, mein Akzent aus Kansas", sagte Obama im Wahlkampf 2004 über seinen Lebensweg.

hen/AFP



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