Schießereien in den USA Obama gesteht Frust über unveränderte US-Waffengesetze

In einem US-Kino hat ein Mann mehrere Menschen erschossen, fast gleichzeitig räumt Präsident Obama politische Versäumnisse ein: Die gescheiterte Reform der Waffengesetze sei die größte Enttäuschung seiner Amtszeit.

US-Präsident Obama: Frust - und regelmäßig weitere Schüsse
AP

US-Präsident Obama: Frust - und regelmäßig weitere Schüsse


Für US-Präsident Barack Obama gehört es zu den größten Enttäuschungen seiner Amtszeit, bei der Verschärfung der Waffengesetze nicht vorangekommen zu sein. Dies sei das Thema, das ihn seit seinem Amtsantritt 2009 am meisten frustriert habe, sagte Obama der britischen BBC. Die USA seien "dasjenige hochentwickelte Land der Erde", in dem es keine ausreichenden und auf "gesundem Menschenverstand" beruhenden Sicherheitsbestimmungen für das Tragen von Waffen gebe.

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 seien weniger als hundert Amerikaner durch Terror ums Leben gekommen, Zehntausende hingegen durch sonstige Waffengewalt, sagte Obama. Er versprach, sich in den verbleibenden 18 Monaten seiner zweiten Amtszeit weiter um Reformen zu bemühen.

Im Jahr 2013 hatte Obama schärfere Waffengesetze zu einem seiner innenpolitischen Hauptanliegen gemacht, nachdem es Ende 2012 an einer Grundschule in Newtown (Connecticut) zu einem Massaker gekommen war. Allerdings scheiterte er am Kongress sowie am Einfluss der mächtigen US-Waffenlobby. Die US-Verfassung garantiert es jedem Bürger, dass er eine Waffe tragen darf. Dies wird von Millionen Waffenbesitzern als Zeichen der Freiheit verteidigt.

Fotostrecke

6  Bilder
USA: Schüsse in Lafayette
Das Gespräch mit Obama führten die BBC-Journalisten, bevor am Donnerstagabend ein Mann in einem Kino im US-Bundesstaat Louisiana mehrere Besucher erschoss.

Die Tat erinnert an den Schützen in einem Kino in der US-Stadt Aurora: James Holmes hatte während einer "Batman"-Premiere im Juli 2012 in das Kino im Bundesstaat Colorado gefeuert. Zwölf Menschen starben, Dutzende wurden verletzt. In der vergangenen Woche wurde der Attentäter von Aurora wegen Mordes verurteilt, ihm droht die Todesstrafe.

Leslie Westbrook/The Advocate via AP

mxw/dpa/AFP



insgesamt 40 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
stefan.martens.75 24.07.2015
1. Das Kernproblem kennt jedes Land
Es heißt Verfassung bei uns Grundgesetz. In keinem Land ist die Änderung dieser Gesetze einfach gestaltet. Es Bedarf einer klaren über die gesamte Bevölkerung gehenden Mehrheit dafür. Das zweite Problem sind die menschlichen Interessen. Es ist wesentlich motivierender für etwas zu kämpfen das man verlieren könnte und an das man sich gewöhnt hat als für ein abstraktes Prinzip oder die Hoffung. Im Grunde gibt es in ganz Amerika klare Mehrheiten für eine Verschärfung des Waffengesetzes. Aber das sind Sonntagsumfragen. Wirklich dafür kämpfen und es zu einem der wichtigsten Themen der eigenen Politik zu machen dazu sind fast ausschliesslich die Waffenbesitzer bereit.
noalk 24.07.2015
2. Versäumnis?
"... räumt Präsident Obama politische Versäumnisse ein: Die gescheiterte Reform der Waffengesetze ..." --- Wo liegt das Versäumnis? Ein Versäumnis wäre gewesen, wenn er in dieser Angelegenheit untätig gewesen wäre. Das kann ihm aber niemand vorwerfen, er hat das ihm Mögliche versucht, ist aber an der menschenverachtenden Politik der NRA gescheitert, letztlich also am gegenteiligen Willen der Bevölkerungsmehrheit. Ihm das als Versäumnis anzukreiden, ist unredlich.
humpalumpa 24.07.2015
3.
Na immerhin gesteht er das offen ein. Die Waffenlobby muss schon extrem mächtig sein, dass der Präsident lieber öffentlich sein Scheitern bekundet, als zu handeln. Nach dem jüngsten Amoklauf wäre es wirklich mal Zeit für rigorose Maßnahmen. Die USA sollte ihre Polizei wirklich gesamtheitlich in jeden einzelnen Privathaushalt laufen lassen und jegliche Schusswaffen ausräumen. Anders kriegt man diese Cowboys doch nicht zum Normaldenken!
peter.braun1@gmx.ch 24.07.2015
4. Das Problem ist auch...
...dass selbst bei einigen Demokraten die Einsicht fehlt. Ohnehin ist es in den USA eine merkwürdige politische Gegebenheit, dass jemand Präsident sein kann, ohne im Parlament und dem Senat die Mehrheit zu haben... Sowas geht eigentlich nicht in einem "normalen" Parlamentarismus. Aber in den USA wird eben eine Person gewählt und nicht eine Partei, an deren Spitze der künftige Regierungschef steht.
hamlet 24.07.2015
5. Obama hat keine Schuld
Das Problem sind die Republikaner und die NRA. Deren menschenverachtende Politik blockiert die Vernunft. Mit vernünftigen Waffengesetzten gäbe es in Aurora, Newtown noch in Lafayette diese Massaker. Das Recht auf Freiheit ist auch mit Fäusten auszutragen, dafür brauch man keine Flinte.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.