Grundsatzrede zur US-Wirtschaft Obama will Mittelschicht stärken

"It's the economy, stupid" - Diesen Leitspruch von Bill Clinton nimmt sich nun auch Barack Obama zu Herzen. Der US-Präsident hat in einer Grundsatzrede zum Kampf gegen soziale Ungleichheit aufgerufen - und die Republikaner wegen ihrer Blockadehaltung angegriffen.

US-Präsident Obama in Gatesburg: "Der Stillstand ist schlimmer geworden"
REUTERS

US-Präsident Obama in Gatesburg: "Der Stillstand ist schlimmer geworden"


Washington - US-Präsident Barack Obama will die Wirtschaft stärker in den Fokus der amerikanischen Innenpolitik rücken. In einer Grundsatzrede vor Studenten in Gatesburg (Illinois) kritisierte er, dass Washington die Wirtschaftslage aus den Augen verloren habe.

Der Kampf gegen schlechte Wirtschaftstrends sei die wichtigste Aufgabe der Hauptstadtpolitiker. Stattdessen seien die vergangenen Monate von "lustlosen Diskussionen" und "angeblichen Skandalen" bestimmt worden, kritisierte Obama.

Der Präsident griff die Haltung der Republikaner scharf an, die strikt an ihren Plänen zur Ausgabenkürzung festhalten und sich gegen Obamas Gesundheitsreform stemmen. "Die Republikaner im Kongress müssen ihre kurzsichtige Politik aufgeben und mit mir daran arbeiten, einen gemeinsamen Nenner zu finden", forderte Obama. "In den vergangenen sechs Monaten ist dieser Stillstand schlimmer geworden", beklagte er. Wenn beide Seiten zu mutigen Schritten entschlossen seien, könne es der US-Wirtschaft aber schon in einem Jahr deutlich besser gehen.

Obama kündigt weitere Investitionen an

In seiner Rede am Knox College prangerte Obama die wachsende soziale Ungleichheit in den Vereinigten Staaten an. "Das ist nicht nur moralisch falsch, das ist schlechtes Wirtschaften", sagte er an dem Ort, an dem er 2005 als Senator seiner erste große Rede zur Wirtschaftspolitik hielt.

Obama kündigte an, die Mittelschicht stärken zu wollen. Eine gesunde Mittelklasse sei unerlässlich für eine moderne Volkswirtschaft. Wenn die Menschen der Mittelschicht weniger Geld haben, bedeute dies auch weniger Konsum und weniger Umsatz für Unternehmer. "In Washington muss es höchste Priorität haben, diesen Trend umzukehren", rief Obama unter Beifall der Studenten.

Konkrete Wirtschaftsprojekte für seine zweite Amtszeit nannte der Präsident nicht. Er kündigte jedoch weitere Infrastruktur-Investitionen in Verkehr, Bildung und im Kommunikationssektor. Dadurch würde die Wirtschaft gestärkt und die Mittelschicht unterstützt.

In den vergangenen Monaten hat die US-Wirtschaft Zeichen der Erholung gezeigt. Das Vertrauen der Verbraucher ist ebenso gestiegen wie die Aktienkurse. Die Arbeitslosenrate ist auf 7,6 Prozent gefallen. Dennoch wächst die Wirtschaft in diesem Jahr voraussichtlich nur um 1,7 Prozent.

Die Republikaner kritisierten die Rede und warfen Obama Ideenlosigkeit vor. John Boehner, republikanischer Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, sagte: "Die Amerikaner fragen sich nicht: 'Wo sind die Reden?' Sie fragen sich: 'Wo sind die Jobs?'"

syd/dpa/Reuters/AP



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women_1900 24.07.2013
1.
Wenns ehrlich ist, dann kommt das auch in 10-20 Jahren zu uns. Wir machen ja alles mit Zeitverzögerung den Amis nach. Erst den Mittelstand vernichten, dann für ganz viel Geld wieder aufbauen. Vielleicht haben wir Glück und Frau Merkel mit ihrem Schäuble liest das und versucht zu denken.
dergulag 24.07.2013
2. Gruss aus Amerika
Zitat von women_1900Wenns ehrlich ist, dann kommt das auch in 10-20 Jahren zu uns. Wir machen ja alles mit Zeitverzögerung den Amis nach. Erst den Mittelstand vernichten, dann für ganz viel Geld wieder aufbauen. Vielleicht haben wir Glück und Frau Merkel mit ihrem Schäuble liest das und versucht zu denken.
Aber Sie habens ganz genau erkannt und beschrieben. So ist es nicht nur in Amerika, so wird Europa, sie rennen bereits ineinander um das Amerikanische Plantagen Modell vorzustellen.
xehris 24.07.2013
3. Arbeitslosenrate massiv gefälscht
Experten schätzen, dass die wirkliche Arbeitslosenrate bei über 20 % liegt, also nicht viel besser ist als vor der wirtschaftlichen Depression. Obama blendet ähnlich wie Merkel die Öffentlichkeit mit falschen Zahlen über den Arbeitsmarkt. In Wirklichkeit leben Teile der Mittelschicht, die keinen Job mehr finden, obdachlos in Zeltstädten. Wenn Obama sie wenigstens aus den Zelten holen würde, wäre schon viel erreicht.
privat78 24.07.2013
4. optional
Ich finde Obamas und Merkels Politik gut. Wenn Sie so weiter machen, haben sie das System endgültig ruiniert, und dann können wir ein neues aufbauen. Das wird dann wieder genauso bescheiden. Die einzige Möglichkeit den Mist zu beenden, ist keine Kinder mehr in die Welt zu setzen. Dann verschwindet die Gattung Mensch, die ihren intellektuellen Höhepunkt schon hinter sich hat, vom Planeten.
rabenkrähe 25.07.2013
5. jaja
Zitat von sysopREUTERS"It's the economy, stupid" - Diesen Leitspruch von Bill Clinton nimmt sich nun auch Barack Obama zu Herzen. Der US-Präsident hat in einer Grundsatzrede zum Kampf gegen soziale Ungleichheit aufgerufen - und die Republikaner wegen ihrer Blockadehaltung angegriffen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/usa-barack-obama-kuendigt-in-rede-kampf-gegen-soziale-ungleichheit-an-a-912965.html
......... Wieder diese schönen und ach so richtigen Obama-Worte, wie einst, als er die Schließung von Guantanamo ankündigte, die USA wieder zu einem demokratischen Vorbild formen und den Spekulanten auf den Finanzmärkten ein Bein stellen wollte. Und was geschah wirklich? Das genaue Gegenteil!
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