Brief an irakisches Militär US-Verteidigungsminister dementiert geplanten Truppenabzug

Per Brief kündigte ein US-General Berichten zufolge die Verschiebung von Truppen im Irak an. Nun reagierte Verteidigungsminister Esper: Es handele sich um einen Entwurf - der versehentlich an die Öffentlichkeit gelangte.
Fallschirmjäger der US-Armee (Archivbild)

Fallschirmjäger der US-Armee (Archivbild)

Foto: ZUMA Wire/DPA

Die USA haben offenbar noch keine Entscheidung zu einer Truppenverschiebung oder einem Abzug im Irak getroffen. "Ich weiß nicht, was das für ein Brief ist. Wir versuchen herauszufinden, woher er kommt", kommentierte US-Verteidigungsminister Mark Esper Berichte über ein entsprechendes Schreiben. Eine Entscheidung, den Irak zu verlassen, gebe es noch nicht.

In dem Brief, der unter anderem in sozialen Medien kursierte, steht demnach, die USA würden ihre Soldaten im Irak verschieben und damit auf eine Resolution des irakischen Parlaments reagieren. "Wir respektieren Ihre souveräne Entscheidung", heißt es in dem Schreiben, das an die irakische Armeeführung gerichtet ist. Unterschrieben ist der Brief von US-General William Seely, Leiter des US-Militäreinsatzes im Irak.

US-Generalstabschef Mark Milley erklärte später, es handle sich bei dem Brief um den schlecht formulierten und nicht unterschriebenen Entwurf eines Schreibens, das auf erhöhte Truppenbewegungen habe hinweisen sollen. "Schlecht formuliert, lässt auf Abzug schließen. Das ist nicht, was geschieht", sagte Milley. Auch er betonte, es sei kein Abzug geplant. Das Schreiben sei versehentlich an die Öffentlichkeit gelangt.

Die Journalistin Deborah Haynes vom britischen Sender Sky News veröffentlichte auf Twitter ein Foto von dem Schreiben.

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In dem Brief heißt es, die US-Armee werde ihre Kräfte in den kommenden Tagen und Wochen neu positionieren, um ihre "Bewegung aus dem Irak" vorzubereiten. Ein Vertreter der irakischen Armee hatte laut der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, das Schreiben sei authentisch.

In dem Dokument heißt es auch, der Abzug könnte mit verstärkten Helikopterflügen in und um die grüne Zone in Bagdad einhergehen. Augenzeugen berichteten demnach, dass unmittelbar nach Bekanntwerden des Schreibens mehrere Helikopter über die irakische Hauptstadt flogen.

Das irakische Parlament hatte nach dem US-Drohnenangriff auf den iranischen Topgeneral Qasem Soleimani im Irak den Abzug der US-Truppen gefordert. US-Präsident Donald Trump hatte dies energisch zurückgewiesen und dem Irak "sehr große" Sanktionen angedroht, sollte Bagdad die US-Truppen des Landes verweisen.

Derzeit sind rund 5000 US-Soldaten im Irak stationiert - auf der Basis des 2014 von der irakischen Regierung erteilten Mandats zur Bekämpfung des "Islamischen Staats" (IS). Dieses Mandat räumt den USA weitreichende Befugnisse ein. Viele der kurdischen und sunnitischen Iraker begrüßen die Präsenz der US-Soldaten im Kampf gegen die Dschihadisten des IS. Sie sehen in ihnen auch ein Gegengewicht zu den von Iran unterstützten schiitischen Milizen (Lesen Sie hier mehr zu den fragilen Machtverhältnissen im Irak).

Die USA haben ihren Einsatz im Irak gegen die Dschihadisten bereits bis auf Weiteres ausgesetzt. Aufgrund der erhöhten Gefahr für die US-Soldaten nach der Ermordung Soleimanis konzentrierten sich diese nun darauf, sich selbst zu schützen, anstatt ihren Kampf gegen den IS fortzusetzen, hieß es in einer Stellungnahme des US-Militärs. Die Bundeswehr hat ihre Ausbildungsmission der irakischen Sicherheitskräfte ebenfalls vorübergehend ausgesetzt.

fek/Reuters/AFP