USA Versuchter Anschlag auf Migrantenlager - Polizei erschießt Attentäter

In Tacoma hat die Polizei einen Mann erschossen: Er wollte einen Anschlag auf ein Migrantenlager verüben. Zuvor hatte US-Vizepräsident Pence von einer "Überlastung des Systems" gesprochen.

Polizeifahrzeug in der Nähe des Arrestzentrums in Tacoma, USA
Rebekah Welch/ The Seattle Times/ AP

Polizeifahrzeug in der Nähe des Arrestzentrums in Tacoma, USA


Nach einem Anschlag auf ein US-Arrestzentrum hat die Polizei den bewaffneten Angreifer erschossen. Der 69-jährige Täter habe in der im Nordwesten der USA gelegenen Stadt Tacoma ein Auto in Brand gesetzt und versucht, einen großen Propanbehälter anzuzünden, teilten die Behörden mit. Sein Ziel sei es gewesen, die Gebäude des Migrantenlagers in Brand zu setzen.

Die zum Tatort gerufenen Polizisten erschossen den Angreifer. Neben einem Gewehr hatte er nach Angaben der Polizei auch Brandfackeln bei sich.

Der Mann war bereits im vergangenen Jahr wegen Widerstands gegen einen Polizeibeamten während eines Protests vor demselben Arrestzentrum verurteilt worden.

Migrationsdebatte spaltet die USA

Migrationsfragen bestimmen in den USA seit Monaten die politische Debatte. US-Vizepräsident Mike Pence hatte nach einem Besuch eines überfüllten Arrestzentrums an der US-Grenze zu Mexiko am Freitag von einer "Krise" gesprochen. Das System sei "überlastet", sagte Pence nach seiner Besichtigung der McAllen-Grenzstation im Bundesstaat Texas, wo 384 Männer bei großer Hitze in einer Art Käfigareal untergebracht waren.

Migranten im Käfigbereich der McAllen-Grenzstation
AP/ Josh Dawsey

Migranten im Käfigbereich der McAllen-Grenzstation

In mehreren US-Städten protestierten Menschen gegen die Zustände in den Lagern für mutmaßlich illegal eingereiste Migranten aus Mittelamerika.

Nach Ansicht von Pence trügen die Demokraten im US-Kongress die Schuld, weil sie die Forderungen von US-Präsident Donald Trump zur Finanzierung von Maßnahmen an der Grenze abgelehnt hätten. Der US-Kongress müsse handeln, forderte Pence.

Unmenschliche Bedingungen in überfüllten Lagern

In dem Käfigbereich herrschte nach Angaben der mitreisenden Journalisten Gestank. Die mutmaßlich illegalen Migranten hätten demnach nicht genug Platz, um sich alle auf den Betonboden zu legen, sie verfügten zudem nicht über Feldbetten, Matratzen oder Kissen, lediglich über Polyesterdecken. Einige riefen Reportern zu, dass sie seit 40 Tagen oder länger dort festgehalten würden, hungrig seien und ihre Zähne putzen wollten. (Lesen Sie hier eine ausführliche Reportage über die Zustände in den Lagern.)

Das Unternehmen GEO Group, welches das Arrestzentrum in Tacoma im Auftrag des US-Heimatschutzministeriums betreibt, erklärte, die Berichte über Überbelegung und die Internierung von unbegleiteten Minderjährigen in anderen Arrestzentren habe ihr Personal in Gefahr gebracht.

"Die unerhörten und gegenstandslosen Vorwürfe, die gegen unsere Einrichtungen erhoben wurden, haben zu deplatzierten Aggressionen und einem gefährlichen Umfeld für unsere Angestellten geführt", teilte die Firma mit. Die Polizei dankte der Firma für ihr schnelles Handeln während des Anschlags. Dieses habe "unschuldige Leben" geschützt.

hej/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.