USA Bush ernennt Negroponte zum Geheimdienstchef

Er wird der Herr über 15 Geheimdienste sein und ein Multi-Milliarden-Budget kontrollieren: John D. Negroponte ist ab sofort der wichtigste Mann des Präsidenten im Kampf gegen den Terror. Der Diplomat war zuletzt Botschafter im Irak.


John Negroponte: Vom Botschafter zum Chefspion
AFP

John Negroponte: Vom Botschafter zum Chefspion

Washington - Negroponte übernimmt die neu geschaffene Position völlig überraschend. Vor seiner Position in Bagdad hatte er den Botschafterposten bei der Uno in New York inne. Er genießt auch bei den oppositionellen Demokraten hohes Ansehen.

Dies sei ein besonders herausfordernde Aufgabe, sagte George W. Bush in Washington. Negroponte verstehe besonders gut die Sicherheitsinteressen der USA, weil er auch international ausreichend Erfahrung gesammelt habe.

"Wir müssen sicherstellen, dass unsere Geheimdienste wie ein einziges, vereinigtes Unternehmen arbeiten", sagte Bush: "John wird dafür sorgen, dass die, deren Pflicht es ist Amerika zu verteidigen, die Informationen haben werden, die wir benötigen, um richtige Entscheidungen zu treffen. Wir werden die Terroristen stoppen, bevor sie zuschlagen."

Negroponte selbst sagte heute im Weißen Haus, er fühle sich geehrt vom Präsidenten für den Posten nominiert worden zu sein. Er nannte seinen künftigen Job die größte Herausforderung, die er in mehr als 40 Jahren Dienst für die Regierung übernommen habe.

Bei den vielen Spekulationen um die Besetzung in Washington war der Name des 65-jährigen Negroponte nie gefallen. Der erfahrene Diplomat und Sicherheitsexperte gilt als "starker Mann", der insbesondere die zahlreichen Sonderinteressen des Pentagon und des US-Auslandsgeheimdienstes CIA in den Griff bekommen soll.

Negroponte war in den achtziger Jahren US-Botschafter in Honduras, wo er eine zentrale Rolle bei der Unterstützung der Contras gegen die sandinistische Regierung im Nachbarland Nicaragua spielte. Die Kritik daran hatte seine Bestätigung als US-Vertreter bei den Vereinten Nationen um ein halbes Jahr verzögert.

Die Schaffung des Postens war eine zentrale Empfehlung der Kommission zur Untersuchung der Anschläge vom 11. September 2001. Der neue Direktor steht allen 15 Geheimdiensten der USA vor, auch dem CIA. Bush soll er künftig täglich in einem Briefing über die Geheimdienstarbeit informieren.

Der Posten des neuen Geheimdienstchefs ist allerdings auf Grund der Kritik von CIA und Pentagon nicht so machtvoll wie ursprünglich von Bush geplant. Er soll zwar dafür sorgen, dass die Geheimdienste nicht wie bisher konkurrieren, sondern stattdessen verstärkt Informationen austauschen. Aber seine Aufgaben dienen mehr der effizienten Koordination.



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