USA Bush verliert die Herzen der jungen Amerikaner

Die Unterstützung für den Irak-Krieg fällt auf ein neues Tief, wichtige republikanische Senatoren kehren Bush den Rücken - doch besonders dramatisch: Nur noch 28 Prozent der jungen Amerikaner halten zu ihrem Präsidenten. Nach 9/11 waren es noch 80 Prozent.


Hamburg/Washington - Die Zustimmung zum Irak-Krieg ist einer CNN-Umfrage zufolge weiter gesunken: Demnach sagen 69 Prozent der Befragten, die Dinge liefen schlecht im Irak. Und genau zwei Drittel aller Amerikaner sind der Studie nach gegen den Krieg. Auch unter republikanischen Anhängern steigt der Widerstand gegen die Militär-Operationen. 38 Prozent dieser Befragten äußern sich entsprechend negativ.

US-Präsident Bush: Wenig Grund zu lächeln
AP

US-Präsident Bush: Wenig Grund zu lächeln

Ähnlich verhält es sich mit Top-Vertretern der Partei von US-Präsident George W. Bush - auch dort wächst die Kritik am Irak-Krieg. Mit George Voinovich sprach sich nun ein weiterer Senator für einen Truppenabzug aus. Die irakische Regierung und die Nachbarstaaten müssten mehr Verantwortung für die Stabilisierung des Landes übernehmen, schrieb Voinovic in einem Brief an den Präsidenten.

Voinovic, Mitglied des Außenpolitischen Ausschusses im Senat, veröffentlichte sein Schreiben einen Tag nach ähnlichen Äußerungen eines noch prominenteren Republikaners. Am Montag hatte bereits Senator Richard Lugar den Irak-Kurs des US-Präsidenten kritisiert. Lugar gilt als einer der wichtigsten Außenpolitiker der USA, im Außen-Ausschuss des Senats ist er Sprecher der Republikaner. Bushs Strategie sei fehlgeschlagen, sagte Lugar. "Wir schulden dem Präsidenten kein blindes Verständnis", zitierte ihn die "Washington Post". Als nicht weniger unangenehm für Bush darf das Lob von Senator John W. Warner für Lugars Worte verstanden werden. Warner, ebenfalls einer der führenden Republikaner im Senat, nannte die Kritik seines Parteifreunds "einen wichtigen und ernsthaften Beitrag" zur Irak-Debatte. Auch der Vorsitzende der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, hatte sich zuletzt ungehalten über den Irak-Kurs von Präsident Bush geäußert.

Mit den jüngsten Äußerungen ist die Chance für die Demokraten gestiegen, die notwendige Mehrheit für ein Gesetz zusammenzubringen, das Bush zu einem verbindlichen Zeitplan für den Abzug zwingen soll. Im Irak sind zur Zeit 157.000 US-Soldaten stationiert. Im September soll die Armee-Führung einen über die militärische und politische Lage im Irak vorlegen.

Zustimmung zu Bush unter jungen Amerikanern gesunken

Die Zustimmung für Bush und seine konservative Partei sinkt jedenfalls in allen Bevölkerungsgruppen: Einer Umfrage von "New York Times" und den Fernsehsendern "CBS" und "MTV" zufolge, hat sich die deutliche Mehrheit der jungen Amerikaner abgewandt und ist eher links orientiert. Mehr als die Hälfte der 659 Befragten zwischen 17 und 29 Jahren sagten demnach, sie würden 2008 für einen demokratischen Präsidentschafts-Kandidaten stimmen. Bush kommt in dieser Gruppe nur noch auf einen Zustimmungswert von 28 Prozent. Auch das generelle Bild der Republikaner unter den Jugendlichen ist deutlich negativer als das der Demokraten. Der Präsident kann bei der Wahl in einem Jahr nicht mehr antreten, um seine Nachfolge bewerben sich unter anderem Senator John McCain und Rudy Giuliani, Ex-Bürgermeister von New York.

Der Vertrauensverlust von Bush und seiner Partei ist laut "New York Times" deshalb besonders fatal, weil nach den Anschlägen vom 11. September 2001 noch 80 Prozent junger Amerikaner zu ihrem Präsidenten hielten. Selbst bei den Präsidentschaftswahlen 2004 kam er noch auf einen Zustimmungswert von 40 Prozent. Der Trend weg von den Republikaner setze sich damit fort, schreibt die Zeitung.

Die Zuversicht, den Krieg im Irak zu gewinnen, ist dennoch höher unter den Befragten als in der gesamten Bevölkerung. Entsprechend optimistisch geben sich der Studie zufolge 51 Prozent der Jüngeren im Vergleich zu 45 Prozent unter allen Amerikaner.

flo/AP/Reuters

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