USA Bushs Wahlkampf der Superlative

George W. Bush plant einen Wahlkampf der Rekorde: Der US-Präsident will bis zu 275 Millionen Dollar für seine Kampagne ausgeben, doppelt so viel wie im Jahr 2000. Zugleich plant das Bush-Team die späteste Kandidatenkür in der Geschichte der Republikanischen Partei - damit der offizielle Wahlkampf kurz vor dem 11. September beginnen kann.

Washington - Im Kampf um die Macht will George W. Bush offenbar nichts dem Zufall überlassen. Den Präsidentschaftswahlkampf 2004 will er sich bis zu 275 Millionen Dollar kosten lassen, obwohl er der unumstrittene Kandidat der Republikaner ist und die "Grand Old Party" traditionell ohnehin einen gewaltigen Spenden-Vorteil gegenüber der Demokratischen Partei besitzt.

Es ist nicht der einzige Rekord, den Bush in seinem Wahlkampf brechen will. Sein Beraterteam, berichtet die "Washington Post", will die Kampagne mit Bushs Bewerbungsrede am 2. September in New York beginnen lassen. Es wäre der späteste Wahlkampf-Start in der 147-jährigen Geschichte der Republikanischen Partei. Bushs Berater machten gegenüber der Zeitung keinen Hehl aus dem Kalkül hinter dem Termin: Durch den verzögerten Start würden der Wahlkampf-Beginn und die Feierlichkeiten zum dritten Jahrestag der Terror-Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon von der Öffentlichkeit als eine Einheit wahrgenommen.

Die terminliche Nähe, sagten Republikaner mit guten Verbindungen zum Weißen Haus, unterstreiche die Nähe des Präsidenten zu Themen der nationalen Sicherheit, die im Mittelpunkt des Wahlkampfs stehen werde. Allerdings dürfte auch zumindest ein schlichteres Argument hinter dem Spätstart stehen: Er bringt dem Kandidaten eine Menge Geld ein.

Mehr Wahlkampfgelder durch Spätstart

In den USA sieht das Gesetz Höchstgrenzen für die Parteienfinanzierung im Wahlkampf vor: Kandidaten, die auf öffentliche Fördermittel zurückgreifen - und das werden sowohl Bush als auch der Herausforderer der Demokraten tun - dürfen insgesamt rund 75 Millionen Dollar ausgeben. Allerdings gilt das Limit nur für die Zeit zwischen dem Nominierungsparteitag und dem Tag der Wahl.

Wer mehr ausgeben will, startet seinen Wahlkampf zumindest offiziell einfach später - zumindest dann, wenn man wie George W. Bush innerhalb der eigenen Partei keinen ernsthaften Konkurrenten zu fürchten hat und die offizielle Nominierung deshalb zur Formalie gerät. Bushs Kampagne wird nach Informationen der "Washington Post" freilich viel früher beginnen: Schon im Frühjahr 2004 wird der Präsident demnach mit ersten Fernsehspots auf Stimmenfang gehen.

Der Kandidat der Demokraten, so das Kalkül des Bush-Teams, wird zu diesem Zeitpunkt vor allem damit beschäftigt sein, sich im Vorwahlkampf, den "Primaries", gegen seine innerparteilichen Konkurrenten durchzusetzen. Wenn die Demokraten schließlich Ende Juli ihren Spitzenkandidaten nominieren, wird dieser nach den Hoffnungen der Republikaner schon einen Großteil seiner finanziellen Mittel ausgeschöpft haben und der 200-Millionen-Dollar-Offensive der Bush-Wahlkämpfer nichts mehr entgegensetzen können. Diese gewaltige Spendensumme wollen die Republikaner nach eigenen Angaben bis zur offiziellen Nominierung Bushs aufgebracht haben.

Risikoreiche Verbindung mit Trauerfeiern

Allerdings ist der bedeutungsschwangere Starttermin der Bush-Kampagne nicht ohne Risiko. Laut "Washington Post" geht unter den Beratern des Präsidenten die Angst um, in den Ruch der Instrumentalisierung der Terror-Anschläge zu kommen. Verstärkt werden derartige Bedenken durch die Tatsache, dass Bush zwischen den politischen Kundgebungen im Madison Square Garden und den Trauerfeiern am Ground Zero hin- und herpendeln wird.

Dennoch werden die Republikaner im Wahlkampf voll auf die nationale Sicherheit und den Kampf gegen den internationalen Terrorismus setzen - und wohl auch versucht sein, die Angst vor Anschlägen notfalls künstlich aufrecht zu erhalten. Denn das Trauma von 1992 sitzt tief: Damals verlor George Bush, der Vater des amtierenden Präsidenten, sein Amt an Bill Clinton. Zwar war er erfolgreich gegen den Irak zu Felde gezogen, hatte dabei aber die Probleme im eigenen Land aus den Augen verloren.

"Al-Qaida ist noch immer da draußen"

Sollte die Terror-Gefahr sinken, so die Befürchtungen im Lager Bush Juniors, könnte die lahmende US-Wirtschaft wieder stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit wandern, und mit ihr die bestenfalls mäßige innen- und wirtschaftspolitische Bilanz seiner Regierung.

Schon denken Bushs Berater darüber nach, den Präsidenten von den Niederungen des Tagesgeschäfts zu entrücken. "Wir sind nicht mehr im Jahr 1999", sagte einer der Berater der "Washington Post". "Die Menschen sehen eindeutig, dass wir uns im Kampf gegen eine neuartige Bedrohung befinden. Die nationale Sicherheit wird ein sehr, sehr starkes Thema bleiben. Al-Qaida ist immer noch da draußen."

Markus Becker