USA Die neuesten Schnitzer des George W. Bush

"Der Präsident hat zwar dazu gelernt. Aber er muss immer noch büffeln", hieß es in einem TV-Kommentar. Gleich drei Mal innerhalb von sieben Tagen gab US-Präsident George W. Bush eine Kostprobe seiner rhetorischen Fähigkeiten und Mängel.


George Bush: Immer die Lacher auf seiner Seite
AP

George Bush: Immer die Lacher auf seiner Seite

Washington - Die Uno-Sanktionen gegen Irak sind "wie ein Schweizer Käse". Die USA sorgen sich wegen des "Kakao-Anbaus" in (dem von Drogenproblemen geplagten) Kolumbien und nach dem Luftangriff auf Ziele bei Bagdad laufen die amerikanischen "Bombenschätzungsschäden": Fünf Wochen nach seiner Amtsübernahme hat US-Präsident George W. Bush weiterhin Mühe, Auftritte vor den Medien ohne größere Versprecher oder sprachliche Stilblüten zu überstehen. Zunächst in Mexiko an der Seite von Präsident Vicente Fox, dann auf einer ersten Solo- Pressekonferenz in Washington und schließlich am Freitag im Duett mit dem Briten Tony Blair: Das allgemeine Urteil nach diesen Auftritten: Bush ist ein Mann mit viel Humor und noch mehr Charme. Seine Detailkenntnis jedoch lässt immer noch zu wünschen übrig, und sprachliche Flops verstärken diesen Eindruck noch.

Die "Washington Post" schrieb nach der Pressekonferenz im Weißen Haus, Bush sei um Einzelheiten in Weltfragen herumgeschliddert, er sei vage geblieben und habe sich häufig wiederholt. Die "New York Times" bewertete Bushs Auftritt ähnlich und bemängelte ebenfalls das Fehlen von Präzision in vielen Fragen.

Offensichtlich wurde Bushs Manko vor allem, als ihn ein Journalist im Vorfeld des Blair-Besuches fragte, was er dem Gast denn zu den EU- Plänen für eine eigene militärische Einsatztruppe sagen werde. Er freue sich auf Blairs Besuch, antwortete Bush. Dann fügte er hinzu, er könne es nicht abwarten, den Briten zu sehen. Er sei dankbar, dass Blair komme. Er freue sich, mit ihm essen zu können, und er freue sich auch darauf, mit ihm über Nato-Themen zu sprechen. Und die Einsatztruppe? Bush empfahl dem Reporter, am nächsten Tag noch mal danach zu fragen - bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Blair.

Da hatte Bush denn wirklich nachgesessen und klärte die Medienvertreter darüber auf, dass er im EU-Vorhaben keine Schwächung der Nato sehe. Auch in Sachen Irak war er präziser als am Vortag. "Er lernt schnell, aber zunächst muss man immer etwas zittern", sagte ein Bush-Berater, der namentlich nicht genannt werden wollte. "Am besten ist er immer dann, wenn er über Innenpolitik spricht, vor allem über seinen Steuerplan und die Schulreform."

Blair und Bush: Zahnpasta der selben Marke
REUTERS

Blair und Bush: Zahnpasta der selben Marke

Insgesamt gehen die Medien trotz der kritisierten Mängel mit dem Präsidenten eher glimpflich um. Und das könnte am Charme liegen. Bush wirkt freundlich, er schwärmt, umgarnt und macht gern Komplimente. Bei seinen Begegnungen mit den Pressevertretern hat der Präsident die persönliche, kumpelhafte Note gewahrt, die ihn schon im Wahlkampf auszeichnete. Ruft er Fragesteller auf, greift er oft zu Spitznamen. "Pancho, bitte" heißt es etwa, und: "Wo ist Stretch? Ist er nicht hier?" Und oft bringt der Präsident mit Schlagfertigkeit die Lacher auf seine Seite. Was haben er und Tony Blair gemeinsam? Sie benutzen Zahnpasta der selben Marke. Was spricht gegen wöchentliche Pressekonferenzen? Dann gehen Bush die Krawatten aus.

Marlin Fitzwater, einst Pressesprecher der Präsidenten Ronald Reagan und George Bush Sen., ist davon überzeugt, dass die Öffentlichkeit ihren neuen "Chef" schnell schätzen lernen wird - auch wenn er sich weiter verhaspelt. "Wenn die Menschen den Eindruck erhalten, dass du ehrlich und gerade heraus bist, dann spielt die Grammatik keine Rolle", so Fitzwater in der "Washington Post".

Was er rhetorisch zu bieten hat, kann Bush erneut am Dienstagabend (Ortszeit) zeigen, wenn er erstmals vor dem Kongress spricht und dort seinen Haushaltsplan erläutert. Unweigerlich wird man ihn mit Bill Clinton vergleichen, der bei solchen Anlässen stets alle Register zog und sogar zu Zeiten der Lewinsky-Affäre noch brillierte. Überraschende Fragen muss Bush dabei nicht fürchten: Er hält eine vorgefertigte Rede und kann danach wieder gehen.

Von Gabriele Chwallek, dpa



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