USA Die Wahlmänner haben das Wort

Das nächste Kapitel im US-Wahlkrimi: Die 538 Wahlmänner küren in dieser Nacht offiziell den 43. Präsidenten der Vereinigten Staaten. 80 Stimmen hatte Bush am Abend bereits hinter sich. Doch bei nur drei Abweichlern würde doch noch Gore das Rennen machen.


Im Planungsstress: George W. Bush
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Im Planungsstress: George W. Bush

Washington - Die 25 Wahlmänner- und frauen des US-Bundesstaates Florida haben am Montag bereits abgestimmt. Sie votierten geschlossen für George W. Bush. Zuvor hatte er bereits in mehreren anderen Bundesstaaten wie Indiana und Tennessee die Stimmen der Wahlmänner erhalten und kam damit am Montagabend (MEZ) bereits auf über 80 Stimmen. Auf Gore entfielen zu diesem Zeitpunkt knapp 30 Stimmen. Die in den Hauptstädten der einzelnen Bundesstaaten abgegebenen Stimmen werden versiegelt und anschließend nach Washington transportiert. Dort wird das Ergebnis auf der konstituierenden Sitzung des neuen Kongresses am 6. Januar vom Senatspräsidenten, in diesem Fall Vizepräsident und Wahlverlierer Al Gore, veröffentlicht.

Bush brachte bei der Wahl vor sechs Wochen insgesamt 271 Wahlmänner hinter sich, sein demokratischer Kontrahent Gore 267. Für die Wahl zum Präsidenten sind die Stimmen von mindestens 270 Wahlmännern notwendig. Viele Mitglieder dieses Gremiums wurden seit Tagen mit E-Mails und Anrufen bedrängt und aufgefordert, nicht für Bush, sondern für Gore zu stimmen. Sollten zwei republikanische Wahlmänner für den Demokraten stimmen, würde das US-Repräsentantenhaus den nächsten Präsidenten wählen. Bei drei Abweichlern könnte Gore sogar noch Präsident werden. Dies gilt zwar als unwahrscheinlich - doch dieses Mal ist bei der Präsidentenkür absolut nichts ausgeschlossen.

Weiter Zweifel an Bushs Sieg

Jüngste Meinungsumfragen zeigen unterdessen, dass viele Amerikaner weiter daran zweifeln, dass Bush tatsächlich die Wahl in Florida gewonnen und damit den Gesamtsieg davongetragen hat. So ergab eine Gallup-Umfrage im Auftrag von CNN und "USA Today", dass 46 Prozent der Meinung sind, bei der Auszählung weiterer Stimmen in Florida hätte Gore am Ende die Nase vorn gehabt; 45 Prozent glaubten dies von Bush. 83 Prozent erklärten, sie würden Bush als neuen Präsidenten akzeptieren.



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