Nach Ukraineaffäre Trump bittet China um Ermittlungen gegen Biden

"Ungefähr genauso schlimm wie das, was in der Ukraine passiert ist": US-Präsident Donald Trump weitet seine Vorwürfe gegen den Demokraten Joe Biden und dessen Sohn aus. Die Regierung in Peking solle sich der Sache annehmen.

Präsident Donald Trump: Öffentliche Verdächtigungen ohne Belege
Andrew Harnik/AP

Präsident Donald Trump: Öffentliche Verdächtigungen ohne Belege


Dieses Mal war der Übermittler an die Öffentlichkeit kein Whistleblower, sondern der US-Präsident selbst: Vor Reportern in Washington forderte Donald Trump die Regierung in Peking dazu auf, Ermittlungen gegen den Demokraten Joe Biden und dessen Sohn Hunter aufzunehmen. "China sollte eine Untersuchung der Bidens beginnen", sagte Trump.

Der US-Präsident schloss nicht aus, dass er auch im direkten Kontakt mit Chinas Staatschef Xi Jinping um Ermittlungen gegen die Bidens ersuchen könnte. Über eine solche Anfrage könnte seine Regierung "sicherlich nachzudenken beginnen". Die Aktivitäten der Bidens in China seien "ungefähr genauso schlimm wie das, was in der Ukraine passiert ist".

Trump verdächtigt die Bidens ohne Belege, in Korruptionsvorgänge in der Ukraine wie in China verwickelt gewesen zu sein. Niemand habe "irgendeinen Zweifel daran, dass sie betrügerisch waren", behauptete er.

Aktienfonds Tage nach Biden-Besuch in China gegründet

Biden war in seinem früheren Amt als Vizepräsident im Jahr 2013 von seinen Sohn Hunter bei einer China-Reise begleitet worden. Hunter Biden war damals damit beschäftigt, einen chinesischen Aktienfonds zu gründen. Am Rande des offiziellen Besuchs seines Vaters traf er sich mit einem chinesischen Banker. Der Fonds wurde dann zehn Tage nach dem Besuch der Bidens in China gegründet.

Nach Trumps Darstellung soll Hunter Biden die Reise seines Vaters dafür genutzt haben, 1,5 Milliarden Dollar in China für den Fonds zu besorgen. Ein Sprecher von Hunter Biden sagte dem Sender NBC News, dass dieser erst Jahre nach der China-Reise selber in den Aktienfonds investiert habe. Erst 2017 - nach dem Ausscheiden seines Vaters aus dem Amt des Vizepräsidenten - habe er daran Anteile in Höhe von 420.000 Dollar erworben.

Es gibt keinerlei Belege dafür, dass die Bidens in China in illegale Aktivitäten verwickelt gewesen sein könnten. Das Gleiche gilt für ihre Aktivitäten in der Ukraine. Trumps Verdacht gründet sich offenbar auf Gerüchte, Joe Biden habe als Vizepräsident die Absetzung eines früheren ukrainischen Generalstaatsanwalts betrieben, um seinen Sohn Hunter vor Korruptionsermittlungen zu schützen.

Erneute Forderung an Selenskyj

Trump sieht sich inzwischen mit einem drohenden Amtsenthebungsverfahren konfrontiert, weil er in einem Telefonat mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj auf Ermittlungen gegen die Bidens gedrängt hatte. Am Donnerstag forderte er in seinem Gespräch mit Reportern Selenskyj erneut auf, gegen die Bidens ermitteln zu lassen.

Im Video: Impeachment - wie geht das?

Die Demokraten lasten Trump an, sich unter Missbrauch seines Amts Material für den Wahlkampf beschaffen zu wollen. Biden führt die Umfragen zu den Anwärtern bei den Demokraten auf die Kandidatur gegen Trump im kommenden Jahr an.

Wegen der Ukraine-Affäre haben die Demokraten in dem von ihnen beherrschten Repräsentantenhaus eine Untersuchung eingeleitet. Sie ist die Vorstufe zu einem möglichen Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten. Dieses würde dann aber im Senat stattfinden, wo Trumps Republikaner in der Mehrheit sind.

vks/AFP

insgesamt 169 Beiträge
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Seite 1
spon-43n-i2si 03.10.2019
1.
Nun ist er vollends übergeschnappt.
aggro_aggro 03.10.2019
2. Verschwörungstheorien
Das grundlegende Problem ist, dass Trump zwielichtige Blogs und Youtube-Videos als Quellen nutzt. Den mächtigsten Geheimdienst der Welt hingegen hält er für Fake News. Er liest nachts um drei bei Breitbart einen Kommentar von einem unbekannten Leser unter einem schon sehr zweifelhaften Artikel, glaubt daran und erwartet, dass ermittelt wird, weil er das sagt. Gerechtigkeit! Ich glaube auch, das Trump tatsächlich an den Kinderpornoring glaubt, den Obama und Clinton aus der Pizzaria geführt haben. Stand ja im Internet. Morgen fordert er die italienische Regierung auf in Pizzakreisen zu ermitteln.
leserandreas 03.10.2019
3. Superlative
Wen hat dieser Präsident nicht schon alles durch den Wolf gedreht und mit Verrats- und Hochverratsvorwürfen überzogen. Aber den weltpolitisch wichtigsten Gegenspieler der USA, China, zu bitten, für ein innenpolitisches Spektakel Munition zu liefern, halte ich tatsächlich für den maximalen Verrat am Vertrauen in die politischen Prozesse des eigenen Landes, den USA. Jede Person ohne ein so wichtiges Amt würde wirklich wegen ernsthafter Persönlichkeitsstörungen längst in eine geschlossene Verwahrung gebracht...
gammoncrack 03.10.2019
4. Trump wird Xi Jinping
ganz sicher im Gegenzug eine teilweise Rücknahme der Strafsteuern anbieten. "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert."
Tomcat2 03.10.2019
5. Wenn das wahr ist...
... sollte man Trump vielleicht aus einem anderen Grund aus dem Amt entfernen, weil er offenbar nicht mehr in der Lage ist die Realitäten zu begreifen, 25th Amendment. Selbst wenn es so wäre, dass Bidens Sohn (noch nicht mal er selbst) in eine Korruptionsaffäre verwickelt ist, so gibt alleine der Versuch Trumps diverse Staaten um Beweise quasi zu erpressen genügend Sprengstoff für ein Impeachment. Hier jetzt auch noch China reinzuziehen, nach all den Strafzöllen, kann nur noch als Zeichen geistiger Umnachtung gesehen werden. Aber vielleicht erlässt er ja auch die Zölle, wenn sie ihm dann "the smoking gun" präsentieren. Was wäre denn auch dabei... Nachdem lange nichts wirklich passiert ist, könnte es jetzt auf einmal sehr schnell gehen.
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