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22. Mai 2018, 09:44 Uhr

Gipfel mit Nordkorea

US-Vize Mike Pence warnt Kim Jong Un

Wenige Wochen vor dem geplanten Gipfel von US-Präsident Trump und Nordkoreas Machthaber Kim drohen beide Seiten mit einem Platzen der Gespräche. US-Vize Pence warnte Pjöngjang vor dem Gedanken, Trump "vorzuführen".

In einem Interview mit dem konservativen US-Sender Fox hat sich US-Vizepräsident Mike Pence zu dem anstehenden Gipfel mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un geäußert. Auf die Frage, ob Donald Trump das für den 12. Juni in Singapur geplante Treffen noch absagen könnte, antwortete er: "Das ist gar keine Frage." Es gehe dem US-Präsidenten nicht um "Öffentlichkeitsarbeit", sagte Pence, "ihm geht es um Frieden."

Zudem warnte er die nordkoreanische Regierung: "Es wäre ein großer Fehler, wenn Kim Jong Un denkt, er könnte Donald Trump vorführen." Kim hatte vergangene Woche überraschend ein Treffen mit einer südkoreanischen Delegation abgesagt - und Washington gedroht, auch das Treffen mit Trump könne er platzen lassen. Hintergrund sind gemeinsame Militärmanöver zwischen Südkorea und den USA, die Pjöngjang als Provokation auffasst.

Im Video: USA und Südkorea proben Szenarien gegen Nordkorea

Trump hatte seinen südkoreanischen Kollegen daraufhin angerufen, um die Lage vor dem Gipfel zu besprechen. Berichten zufolge treibt den US-Präsidenten zunehmend die Sorge um, dass der Gipfel mit Kim erheblich komplizierter werde als zunächst von ihm angenommen, hieß es. Trump selbst hatte die Vermutung ins Spiel gebracht, Nordkorea könnte maßgeblich von Seiten Chinas beeinflusst werden.

Zuletzt hatte der Norden zudem deutlich gemacht, dass er mit den Verhandlungszielen der USA für das Treffen in Singapur nicht einverstanden ist. Die USA verlangen eine vollständige, überprüfbare und unumkehrbare atomare Abrüstung Nordkoreas - und dies möglichst schnell.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Person des Nationalen Sicherheitsberaters der USA, John Bolton. Dieser hatte mehrmals ein Modell wie in Libyen für Nordkorea als angemessen erachtet. 2003 hatte der frühere libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi ein geheimes Atomprogramm aufgegeben - im Gegenzug wurden Wirtschaftssanktionen gegen sein Land eingestellt.

Bolton hat in der Vergangenheit einen militärischen Erstschlag der USA gegen Nordkorea gefordert und den inzwischen verstorbenen Vater von Kim Jong Un im Jahr 2003 als "tyrannischen Diktator" bezeichnet.

Am Dienstag wird Trump über die aktuelle Situation mit Südkoreas Präsident Moon Jae in Washington persönlich sprechen. Das Treffen gilt als eine wesentliche Vorbereitung des geplanten Gipfels.

Im Video: Mein Trip nach Nordkorea

vks/Reuters

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