USA Trump will offenbar auch Soldaten aus Afghanistan abziehen

Etwa 14.000 US-Soldaten sind derzeit in Afghanistan stationiert. Berichten zufolge hat Donald Trump angeordnet, etwa die Hälfte von ihnen zurückzuholen. Damit dürfte die Kritik an seinem außenpolitischen Kurs wachsen.

US-Soldaten im Nordosten Afghanistans (2015)
AFP

US-Soldaten im Nordosten Afghanistans (2015)


Neben dem Abzug ihrer Soldaten aus Syrien will die US-Regierung Medienberichten zufolge auch die eigene Truppenstärke in Afghanistan deutlich reduzieren. Unter anderem die "New York Times" und das "Wall Street Journal" meldeten am Donnerstagabend, etwa die Hälfte der 14.000 US-Soldaten in Afghanistan solle abgezogen werden. Die Zeitungen berufen sich dabei auf namentlich nicht genannte Regierungsbeamte.

Den Angaben zufolge hat US-Präsident Donald Trump das Verteidigungsministerium bereits angewiesen, den Truppenabzug einzuleiten. Das Pentagon selbst habe sich dazu nicht äußern wollen, hieß es weiter. Auch der Fernsehsender CNN sowie die Nachrichtenagenturen AFP und Reuters berichten von entsprechenden Plänen der Trump-Regierung.

Der US-Präsident hat schon seit Langem vor, US-Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Er hatte sich jedoch wohl unter anderem von seinem Verteidigungsminister James Mattis davon überzeugen lassen, die Zahl der Soldaten dort zunächst noch aufzustocken. Den Berichten zufolge schlägt Trump nun wieder seinen ursprünglichen Kurs ein.

Verteidigungsminister Mattis tritt zurück

Mattis kündigte am Donnerstagabend seinen Rückzug aus dem Kabinett an. Als Grund nannte er Meinungsverschiedenheiten mit Trump. US-Medien zufolge soll Trumps Syrien-Entscheidung eine wesentliche Rolle bei Mattis' Schritt gespielt haben.

Am Mittwoch hatte der Präsident angekündigt, alle 2000 US-Soldaten aus Syrien nach Hause zu holen - mit der Begründung, dass die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) dort komplett besiegt sei. Dies löste im In- und Ausland Irritationen und harsche Kritik aus.

Experten halten den IS keineswegs für besiegt und einen Abzug aus Syrien für hochgefährlich. Nach Darstellung mehrerer US-Medien hatte Trump den Abzug aus Syrien gegen den ausdrücklichen Rat von Mattis wie auch von Außenminister Mike Pompeo und Sicherheitsberater John Bolton beschlossen.

aar/dpa/AFP

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demokroete 21.12.2018
1. Bürgerkrieg in Afghanistan nicht zu gewinnen
Der Bürgerkrieg in Afghanistan ist mit militärischen Mitteln nicht zu gewinnen. Außerdem fragt man sich mittlerweile, was überhaupt das Ziel dieses Militäreinsatzes ist. Angetreten waren die Amerikaner mit ihren Verbündeten, um dort al Qaida zu vernichten. Von al Qaida ist schon seit Jahren keine Rede mehr, und an deren Stelle ist ein neues Feindbild gestellt worden, die Taliban. Die Taliban sind aber, anders als al Qaida, keine Ausländer, die mit Geld und Waffen vom CIA in Afghanistan gegen die Russen kämpfen sollten. Die Taliban sind Afghanen, die von einem großen Teil der Bevölkerung unterstützt werden. Es ist also ein hoffnungsloses Unterfangen, dort mittels Waffengewalt ein westliches Regime installieren zu wollen. Folglich ist jedes weitere Verbleiben in Afghanistan reine Geld- und Zeitverschwendung. In Syrien bringt der US Abzug, und vor allem die unter Trump ausbleibende finanzielle und waffenmäßige Unterstützung der 'gemäßigten' Terroristen, das Land einen gewaltigen Schritt näher an das Ende des Bürgerkrieges. Die staatliche Integrität Syriens ist nahezu wiederhergestellt, abgesehen von den Gebieten, die sich unser NATO Partner Türkei bei dieser Gelegenheit einverleiben wird. Erdogan sorgt dafür, dass es keinen Kurdenstaat gibt, und die Kurden werden sich schon deshalb mit der syrischen Regierung arrangieren. Die Russen sorgen dafür, dass die Türkei nicht übermütig wird, und alle zusammen zerschlagen den Rest des IS. Die Chancen für einen Frieden in Syrien standen in den letzten Jahren noch nie so gut wie unter Trump. Hillary Clinton dagegen hätte den Syrienkrieg in Kürze zu einer direkten Konfrontation mit Russland eskalieren lassen.
favorit601 21.12.2018
2. Hmm
Ich denke, die Probleme dürften nicht in das Aktion, dem Rückruf der Truppen, sondern eher in der völlig fehlenden Strategie liegen. Trump simuliert mal wieder das Regieren. Es wird alles nur gemacht und nichts bedacht oder abgestimmt. Eiin klug organisierter Rückzug wäre vielleicht für alle Seiten nicht schlechter als die fatale Wirkung der jetzigen lokalen Militärpolitik. Und die Drohnen-Kills werden vermutlich bleiben. Mit mehr "Kollertetalschäden", weil ohne Kontrolle vom Boden.
oldman2016 21.12.2018
3. Donald for Friedensnobelpreis
Eine längst überfällige Entscheidung. Auch die Russen haben diesen Schritt gemacht. Für mich war es ein teurer und historischer Fehler von Präsident George W. Bush in Afghanistan nach 9/11 militärisch einzugreifen. Es wird jedem noch so hochgerüsteten Militär dieser Welt schwer fallen, einen assymetrischen Krieg zu gewinnen. Und wenn nur mit erheblichen Verlusten und gewaltigen Kosten. Ich gönne es allen us-amerikanischen Familien, wenn sie ihre Soldaten wieder zu Hause wissen. Was die Präsenz vonUS-Streitkräften in Nordkorea und in Deutschland angeht, so braucht sich keiner im Wertewesten Hoffnung machen, dass es dabei bleibt.
voyager_2000 21.12.2018
4. Kurzsichtiger Aktionismus
Je länger ich die Politik Donald Trumps beobachte, desto deutlicher wird seine Masche: Statt einer langfristigen Strategie wird ohne Rücksicht auf Verluste ein kurzfristiger (und kurzsichtiger) Deal nach dem anderen durchgezogen. Effekthascherei! Seine Gegner werden schnell daraus lernen und auf Beharrlichkeit setzen (siehe Putin). Die Partner (Kanada, Mexiko, EU) werden kurzfristig übervorteilt (neue Handelsabkommen) und daraus ihre Konsequenzen ziehen. Am Ende leidet die Einigkeit des Westens, was Machtverschiebungen zugunsten Chinas und Russlands zur Folge hat und neue Allianzen heraufbeschwört.
StefanZ. 21.12.2018
5. Man muss auch gönnen können
Donald Trump richtet so viel Schaden im Präsidentenamt an, dass es doch nur fair ist, ihm dafür zu gratulieren, dass er Soldaten aus einem Land heimholt, in das er nie eingeladen wurde und für die illegale Kriegsführung auch kein entsprechendes UN Mandat hatte. Für einen Augenblick sehen wir, dass er einmal gemäß seinem ursprünglichen Wahlkampfversprechen in Sachen militärisches Raushalten in fremden Ländern agiert. Mit diesen Aktionen (17 Jahre Afghanistan reichen ja wohl auch) könnte er locker leicht die fehlenden Milliarden für die schöne Mauer an der eigenen Südgrenze einsammeln. Allein, wer möchte wetten, die Falken in Washington werden wieder sehr kreativ dabei sein einen solchen Weg der Friedfertigkeit umzukehren.
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