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15. Oktober 2016, 20:59 Uhr

US-Wahlkampf

Trump will Drogentest vor TV-Debatte

Für Donald Trump wird es eng im Rennen um das Weiße Haus. Die Folge: Immer wilder schlägt der Republikaner um sich. Jetzt deutet er an, Rivalin Clinton habe vor dem jüngsten TV-Duell Drogen genommen.

Sexuelle Übergriffe, Jahre ohne Steuerzahlungen - die Vorwürfe gegen Donald Trump werden immer heftiger. Der US-Präsidentschaftskandidat schlittert von einem Skandal in den nächsten, in den Umfragen verliert er, Spender wenden sich ab. Es wird eng für Trump.

Doch der Republikaner reagiert in üblicher Manier: Statt Reue und Einsicht zu zeigen, irgendwelche Anzeichen präsidialer Seriosität, geht er zum Gegenangriff über. Immer und immer wieder schlägt er um sich - und trifft dabei natürlich unter die Gürtellinie.

Jüngstes Beispiel: Eine weitere Attacke gegen Hillary Clinton. Seine demokratische Kontrahentin hatte ihn in den beiden bisherigen TV-Debatten den Umfragen zufolge klar besiegt. Trump neuestes Manöver: Er deutet an, Clinton habe bei dem zweiten Duell am 9. Oktober unter Drogeneinfluss gestanden.

"Ich weiß nicht, was mit ihr vorgeht", sagte Trump bei einem Auftritt in Portsmouth im US-Bundesstaat New Hampshire. Am Anfang der Debatte sei Clinton total "aufgedreht" gewesen, dann sei ihr die Puste völlig ausgegangen. "Warum machen wir nicht einen Drogentest?", fragte der republikanische Präsidentschaftskandidat.

Attacke gegen Medien und Frauen

Zugleich ging Trump auf die Medien los. Er warf ihnen in seiner Rede vor, mit "falschen Anschuldigungen und unverhohlenen Lügen" die Wahlen zu "manipulieren", um Clintons Sieg sicherzustellen.

Angesichts immer neuer Vorwürfe von Frauen, er habe sie sexuell belästigt, macht sich der Milliardär über die mutmaßlichen Opfer lustig. "Glaubt mir, sie wäre nicht meine erste Wahl, das kann ich euch sagen", sagte er etwa in North Carolina über die 74-jährige Jessica Leeds, die Trump vorwirft, sie vor mehr als 35 Jahren während eines Flugs betatscht zu haben. Bei seinen Anhängern erntete Trump damit Gelächter.

In einer ersten Reaktion auf Trumps neuerliche Anschuldigungen warf Clintons Wahlkampfmanager Trump vor, das Vertrauen in die Rechtmäßigkeit der Wahl am 8. November zerstören zu wollen. "Wahlkampagnen müssen hart ausgefochten und Wahlsiege hart erkämpft werden, aber die Basis des amerikanischen Wahlsystems ist, dass es frei, fair und für alle offen ist", erklärte er.

Mittlerweile wenden sich auch immer mehr von Trumps eigenen Parteifreunden von ihrem Kandidaten ab. Zuletzt griff das Team des Milliardärs den Chef der Republikaner im Bundesstaat Ohio, Matt Borges, an. Dieser hält zu Gouverneur John Kasich, einer von Trumps parteiinternen Rivalen, der kürzlich erklärt hatte, den Präsidentschaftsbewerber möglicherweise nicht zu wählen. Bei Trumps Leuten kommt das nicht gut an. Borges spreche nicht für den Kandidaten, teilte das Wahlkampfteam nun mit. Er gehöre nicht mehr zum Trump-Lager.

Im Video: Wie Trump über seine Kritiker lästert

kev/AFP/dpa

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