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23. Januar 2017, 22:11 Uhr

Trumps Pressesprecher

"Es ist unsere Absicht, Sie nie anzulügen"

In seinem ersten Pressebriefing im Weißen Haus musste Trumps Sprecher sich rechtfertigen - für seine merkwürdigen Aussagen vom Wochenende. Und er verkündete neue Regeln für Journalisten.

Die entscheidende Frage beim ersten offiziellen Pressebriefing im Weißen Haus von US-Präsident Donald Trump kam nach 20 Minuten: "Wie verstehen Sie Ihre Arbeit? Haben Sie die Absicht, von diesem Podium aus immer die Wahrheit zu sagen?", fragte ein Journalist den Pressesprecher Sean Spicer.

Der Anlass für die Frage war Spicers Behauptung vom Wochenende, Trumps Vereidigungsfeier am Freitag sei die "größte aller Zeiten" gewesen. Als verschiedene Journalisten dies mit Bildern von der Amtseinführung Barack Obamas widerlegten, hatte er den Medien mit Konsequenzen gedroht.

"Möchten Sie jetzt Aussagen dementieren, widerrufen, korrigieren", fragte der Journalist also weiter. Spicer räumte ein, dass er falsche Zahlen vom Organisationskomitee über die Zahl der U-Bahn-Fahrten erhalten habe.

Seine Aussage, es sei die meistgesehene Amtseinführung gewesen, aber bekräftigte der Sprecher. Gemeint seien damit allerdings alle Zuschauer, nicht nur die auf der Mall, sondern auch die vor dem Fernseher und Livestreams im Internet.

"Unsere Absicht ist es, Sie nie anzulügen. Manchmal werden wir die Fakten unterschiedlich interpretieren," sagte er. Trumps Top-Beraterin hatte am Sonntag den Begriff der "alternativen Fakten" eingeführt, um Spicer zu verteidigen.

Die Journalisten wurden bei dem ersten Pressebriefing zudem mit neuen Regeln konfrontiert. Traditionell gehen die ersten Fragen an die Nachrichtenagentur AP und die großen Fernsehsender. Spicer jedoch nahm erst das Boulevardblatt "New York Post" und das religiöse Christian Broadcasting Network dran. Danach folgten ein spanischsprachiger Sender sowie der konservative Sender Fox.

Künftig sollen laut Spicer "noch mehr unterschiedliche Medien" Zugang zum Weißen Haus erhalten - zumindest per Videokonferenz. Bereits diese Woche sollen Journalisten erstmals von außen zugeschaltet werden. So könnten auch Medien dabei sein, die "keine Ressourcen für einen Korrespondenten" in Washington hätten.

sun

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