SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

07. Oktober 2012, 14:11 Uhr

Wettrüsten mit Kim-Regime

Südkorea verdoppelt Reichweite seiner Raketen

Es soll ein Schritt zur Abschreckung Nordkoreas sein - aber auch Ziele in China liegen künftig im Radius der Waffen: Südkorea will die Reichweite seiner Militärraketen gravierend erhöhen - von 300 auf 800 Kilometer. Die Schutzmacht USA hat den Plänen schon zugestimmt.

Seoul - Südkorea und die USA haben sich auf eine deutliche Erhöhung der Reichweite des südkoreanischen Raketensystems verständigt. Diese werde von derzeit 300 Kilometer auf 800 Kilometer ausgedehnt, sagte der südkoreanische Nationale Sicherheitsberater Chun Yung Woo.

Damit könnten die ballistischen Raketen des Landes künftig das gesamte Gebiet Nordkoreas erreichen. Auch Gebiete Chinas und Japans lägen dann innerhalb des Radius. "Das Hauptziel des Abkommens ist es, Nordkorea von einer bewaffneten Provokation abzuhalten", sagte ein Sprecher des Präsidialamts in Seoul.

Die USA haben 28.500 Soldaten in Südkorea stationiert und garantieren einen "Abwehrschirm" im Falle eines atomaren Angriffs. Seoul hatte sich 2001 bereit erklärt, die Reichweite seiner Raketen einzuschränken, um die Spannungen auf der Halbinsel einzudämmen. Die Entscheidung, den Radius nun zu erweitern, ziele darauf ab, eine "umfassendere Antwort auf Bedrohungen im Zusammenhang mit Raketen" aus Nordkorea sicherzustellen, sagte Sicherheitsberater Chun.

Nord- und Südkorea befinden sich seit dem Ende des Korea-Kriegs im Jahr 1953 weiterhin offiziell im Kriegszustand. Die Regierung in Seoul geht davon aus, dass Pjöngjang über tausend Raketen verschiedener Typen verfügt, von denen zahlreiche gegen den Süden gerichtet sind. Zudem hatte Nordkorea im Oktober 2006 und im Mai 2009 Atomwaffentests vorgenommen.

Das kommunistische Land reagierte bislang nicht auf die Ankündigung aus Südkorea. Zwischen beiden Staaten kommt es immer wieder zu Spannungen. Erst am Samstag ereignete sich an der Grenze ein Zwischenfall: Ein nordkoreanischer Soldat flüchtete in den Süden. Zuvor soll er zwei Vorgesetzte erschossen haben. Im September hatte es einen Streit über Fischerboote gegeben.

wit/dpa/AFP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung