US-Präsidenten Bush verurteilt Trumps Politik

Isolationismus, Nationalismus, Lügen: Darauf dürfe sich die Politik der USA nicht stützen, mahnt der frühere republikanische US-Präsident George W. Bush. Auch der Demokrat Barack Obama übt erneut scharfe Kritik an einer "Politik der Angst".

REUTERS

Dass sich ehemalige US-Präsidenten zur Tagespolitik äußern, und somit zur Regierungsarbeit ihrer Nachfolger, ist selten. George W. Bush hat nun mit dieser Gepflogenheit gebrochen - und den 45. US-Präsidenten Donald Trump indirekt scharf kritisiert. Bush prangerte in einer Rede gegenwärtige Missstände in seinem Land an und positionierte sich gegen Trump'sche Politik, gegen Isolationismus, Nationalismus und Lügen.

"Blinder Eifer scheint auf dem Vormarsch. Unsere Politik ist anfälliger denn je für Verschwörungstheorien und regelrechte Lügenmärchen", sagte Bush. Trump selbst nannte er nicht beim Namen. Die Identität der Amerikaner werde nicht von "Geografie, ethnischer Zugehörigkeit, Blut oder Boden determiniert", sagte Bush weiter. "Das bedeutet, dass blinder Eifer und weißer Nationalismus in jeder Form eine Schmähung für das Credo Amerikas sind."

"Politik, in der jeder zählt"

Trumps unmittelbarer Vorgänger Barack Obama rief bei einem Wahlkampfauftritt in New Jersey zudem die Wähler dazu auf, sich gegen die "Politik der Spaltung" zu wehren. "Ihr werdet eine Botschaft an das Land und an die Welt senden, dass wir eine Politik der Spaltung und eine Politik der Angst zurückweisen, dass wir eine Politik begrüßten, in der jeder zählt", sagte der Demokrat.

Die Reden sorgten in den USA für großes Aufsehen. Während viele Kommentatoren Bush für seine offenen Worte lobten, wurde auch scharfe Kritik laut: Bei Bushs Kriegen gegen Afghanistan und den Irak sei es mit vermeintlich hohen Werten der USA ebenso wenig weit her gewesen wie bei der immensen Stärkung der Geheimdienste in seiner Amtszeit, hieß es in sozialen Netzwerken.

Die "New York Times" zitierte einen Reporter, der Bush nach seiner Rede fragte, ob seine Rede wohl im Weißen Haus gehört werde - darauf habe Bush genickt und gesagt: "Ich denke, das wird sie." Als Trump kurz danach im Weißen Haus gefragt wurde, ob er die Rede schon gehört habe, sagte er Nein.

vks/dpa



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finchen0598 20.10.2017
1. Bush...das ich den mal "gut" finden würde...lol
Im Licht des gegenwärtigen Präsidenten erscheint sogar George W. Bush als recht passabler Präsident. Die Politik war vielleicht nicht viel besser, aber in jedem Fall sein Benehmen. der hat wenigstens nicht öffentlich andauernd irgend jemand beschimpft und nicht über offensichtliche Dinge, wie Anzahl Leute bei Amtseinführung, gelogen (das ganze Kriegsbrimborium mal ausgenommen) Und mit den Aussagen seiner rede jetzt hat er ja auch nicht unrecht....
NeverEverClever 20.10.2017
2. Lieber Herr Bush,
Sie lieferten die Vorlage zur "Politik der Angst". Ich erinnere an ihre verfehlte Poilitik: - Massenvernichtungswaffen im Irak! Lügenmärchen! - Terrorismusbekämpfung sei wichtiger als Bürgerrechte - "Trickle-Down economics" und die Politik des billigen Geldes In ihrer Präsidentschaft wurden die Probleme geschaffen, die wir heute haben oder mit deren Auswirkungen wir kämpfen müssen: Syrien-Konflikt Irak-Krieg Afghanistan Finanzkrise Wie Trump haben Sie auf die Politik des starken Mannes gesetzt, und wie bei Trump machten Sie alles nur noch schlimmer. Man kann Trump viel ankreiden, aber so schlimme Auswirkungen hatte seine Politik bisher nicht. Ihre hat Millionen von Leben und Jobs gekostet. Etwas mehr Selbstreflexion bitte!
MütterchenMüh 20.10.2017
3. ausgerechnet Bush unfassbar
Busch war doch derjenige, der wegen der hinterher nicht mehr auffindbaren Giftgaswaffen im Irak den Krieg gegen den Irak anzettelte. Wen jemand unglaubwürdig ist, dann doch wohl Busch. Bush hat nicht nur Angst verbreitet , er hat die Angst bis in die höchste Potenz (Krieg) realisiert.
bauigel 20.10.2017
4. Bezeichnend
Es ist schon bezeichnend, dass es bei DT überhaupt keine öffentliche Entrüstung mehr gibt, wenn er nachweislich gelogen hat. D. h. man hat sich schon so an die täglichen Lügen vom Präsidenten gewöhnt. Ja, das ist typische Psychologie: Alles was man anderen vorwirft trifft auf einen selbst zu: Lügner, Kriegstreiber, Bestechung, Vorteilsnahme, ...
henry.miller 20.10.2017
5.
Wenn man einen Krieg geführt hat, der hunderttausende Menschen das Leben gekostet hat und der auf Lügen und Emotionen gegründet war, sollte man besser schweigen. Trump taugt nichts, aber der hier auch nicht
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