Truppenabzug angekündigt Erst zögerlich, dann überhastet - Chronik des US-Einsatzes in Syrien

Die Strategie der USA im Syrienkrieg erlebte viele Wendungen: Obama drohte, handelte aber nicht. Nachfolger Trump ließ Vergeltungsangriffe fliegen und kündigt nun den Rückzug seiner Truppen an. Die Übersicht.

Aleppo 2013
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Aleppo 2013

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Barack Obama zögerte einst zu lange, Donald Trump handelt nun überhastet - so lässt sich die Syrien-Politik der US-Präsidenten seit 2011 zusammenfassen.

Schon wenige Monate nach Beginn der Demonstrationen gegen Diktator Baschar al-Assad im Frühjahr 2011 sagte Obama, der Machthaber in Damaskus habe jede Legitimation verloren und müsse abtreten. Der US-Präsident solidarisierte sich öffentlich mit der Protestbewegung in Syrien, blieb jedoch tatenlos, als das Assad-Regime Tausende Demonstranten niederschoss oder inhaftierte.

Im August 2012 zog Obama öffentlich eine rote Linie: Den Einsatz von Chemiewaffen werde die US-Armee militärisch beantworteten, kündigte der US-Präsident an. Als das syrische Regime fast genau ein Jahr später Giftgas einsetzte und Hunderte Zivilisten tötete und damit die rote Linie überschritt, machte Obama einen Rückzieher. Assad sagte zu, sein Chemiewaffenarsenal, dessen Existenz er kategorisch bestritten hatte, unter internationaler Aufsicht auszugeben. Daraufhin verzichteten die USA auf Militärschläge gegen Syrien. Heute wissen wir: Assad hat mitnichten alle Chemiewaffenbestände offengelegt.

Erst als die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) große Teile Syriens und des Irak überrannte, entschloss sich Obama zum militärischen Eingreifen. Das kam Damaskus nicht ungelegen: Während die USA die Dschihadisten bombardierte, konnten sich die syrischen Regierungstruppen auf ihren Kampf gegen die Aufständischen in anderen Landesteilen konzentrieren.

Dabei setzten Assads Truppen wiederholt Giftgas ein. Nachdem beim Sarinangriff auf die Ortschaft Chan Scheichun im April 2017 Dutzende Zivilisten starben, entschloss sich der nun amtierende Präsident Donald Trump zu den ersten US-Luftschlägen gegen Stellungen des syrischen Militärs. Dasselbe wiederholte sich im April 2018 nach dem Giftgasangriff in Duma bei Damaskus.

Das seit 2015 von den USA unterstützte Militärbündnis Syrische Demokratische Kräfte (SDF) hat den IS inzwischen weitgehend zurückgedrängt. Rund 2000 US-Soldaten sind derzeit im Nordosten Syriens stationiert, sie trainieren und beraten die mehrheitlich kurdischen SDF-Kämpfer. Aber der IS ist noch längst nicht besiegt, Stabilität in den zurückeroberten Gebieten noch lange nicht eingekehrt.

Wenige Stunden nachdem er den Sieg über den IS verkündete, hat das auch Trump selbst indirekt eingeräumt. Es ist ihm egal. Der US-Präsident twitterte: "Es ist Zeit für die anderen, endlich zu kämpfen."

Chronik des US-Einsatzes gegen den Terror in Syrien
Chronik des US-Einsatzes in Syrien
März 2011
Nachdem Demonstranten in Tunesien und Ägypten die dort herrschenden Diktatoren zum Rücktritt gezwungen haben, gehen auch in Syrien Zehntausende Menschen gegen Staatschef Baschar al-Assad auf die Straßen. Das Regime reagiert mit Gewalt. Aus desertierten Soldaten bildet sich im Laufe des Jahres die sogenannte Freie Syrische Armee, die den bewaffneten Kampf gegen Assad aufnimmt.
Juni 2011
US-Präsident Barack Obama fordert Assad auf, sein Amt aufzugeben. Es ist die Linie, die auch Europa vertritt. Für Assad sei die Zeit gekommen, "sich zurückzuziehen", erklärt Obama. Bereits zuvor hatte der US-Präsident Sanktionen gegen Personen und Unternehmen erlassen. Dschihadisten der Terrororganisation "Islamischer Staat im Irak", einem Ableger von al-Qaida nutzen das Chaos des beginnenden Bürgerkriegs, um sich in Syrien einzunisten. Parallel dazu entlässt das Regime Tausende militante Islamisten aus den Gefängnissen. Beide Entwicklungen legen die Saat für das Erstarken von Terrormilizen, aus denen später der "Islamische Staat" (IS) hervorgeht.
August 2012
US-Präsident Obama warnt das syrische Regime vor dem Einsatz chemischer Waffen gegen die Opposition in Syrien. "Ich habe bis jetzt kein militärisches Eingreifen angeordnet, aber für uns ist eine rote Linie überschritten, wenn eine ganze Menge chemischer Waffen bewegt oder eingesetzt wird." Die USA stocken derweil ihre finanzielle Hilfe im humanitären Bereich auf 130 Millionen Dollar auf.
März 2013
Die USA beginnen mit der Ausbildung von kleinen Rebellengruppen. Sie sollen zum einen das Erstarken islamistischer Milizen verhindern, zum anderen dafür sorgen, dass nach dem erwarteten Sturz des Assad-Regimes in Syrien Chaos ausbricht. Die Rebellen erhalten jedoch keine Flugabwehrraketen, die Luftangriffe der Regierungstruppen abwehren könnten.
August 2013
Bei einem Giftgasangriff nahe Damaskus sterben mehrere hundert Menschen. Die USA bereiten sich auf eine militärische Antwort vor. Obama holt sich dafür die Zustimmung des Kongresses ein. Nach russischer Vermittlung vernichtet die syrische Regierung ihre Chemiewaffen und verhindert so ein militärisches Eingreifen der USA. In dieser Zeit erobert der "Islamische Staat im Irak und in Syrien" (Isis) die Stadt Rakka. Später ändern die Dschihadisten ihren Namen in die verkürzte Form "Islamischer Staat".
Sommer 2014
US-Präsident Obama beschließt, den IS in Nordsyrien zu bombardieren. Der hatte in Teilen Syriens und im Irak ein Kalifat ausgerufen. Die Luftschläge der internationalen Koalition finden unter Führung Washingtons statt. Die USA greifen damit erstmals offen in den syrischen Bürgerkrieg ein.
September 2015
Russland greift an der Seite des syrischen Machthabers Assad in den Krieg ein. Vor allem die russische Luftwaffe hilft fortan Assad, verlorene Gebiete zurückzuerobern. Syrien zerfällt in mehrere Machtbereiche: Im Nordosten herrschte der syrische Ableger der Arbeiterpartei PKK, im Nordwesten syrische Rebellen, im Osten der IS, im westlichen Zentrum und an der Küste das syrische Regime und die libanesische Hisbollah, im Süden syrische Rebellen sowie syrische Drusen, eine weitere religiöse Minderheit.
Oktober 2015
Die USA forcieren ihre Unterstützung für bestimmte Gruppen in Syrien - besonders die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die das Rückgrat des Milizenbündnisses "Syrische Demokratische Kräfte" (SDF) bilden. Sie sollen jedoch nicht gegen das Regime kämpfen, sondern nur gegen den IS.
Februar 2016
Die USA, Russland und Regionalmächte handeln am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz eine Waffenruhe aus, die vor allem im nordsyrischen Aleppo immer wieder gebrochen wird.
März 2017
US-Marines werden in die Nähe der IS-Hochburg Rakka entsandt, um die Rückeroberung der Stadt zu unterstützen. In den nächsten Wochen stationieren die USA insgesamt rund 2000 Soldaten im Land.
April 2017
Nach einer Giftgasattacke im nordsyrischen Chan Scheichun greifen die USA einen Luftwaffenstützpunkt der syrischen Armee mit Raketen an und verhängen Sanktionen gegen Regierungsmitarbeiter. Einige Tage zuvor hatte die die neue US-Gesandte bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, erklärt, dass die US-Regierung unter Donald Trump keine Priorität mehr darin sehe, Assad aus dem Amt zu entfernen. In den Folgewochen lässt Trump syrische Kurden der YPG-Einheiten weiter im Kampf gegen den IS weiter bewaffnen.
Oktober 2017
Die Terrormiliz IS verliert ihre inoffizielle Hauptstadt Rakka. Die SDF, ein von den USA unterstützer Milizenverbund, der von kurdischen Kämpfern angeführt wird, vertreibt die Islamisten aus ihrem Kerngebiet, in dem sie vier Jahre lang herrschten. In den folgenden Wochen verliert die Terrormiliz die Kontrolle in allen ihren nordsyrischen Städten.
April 2018
Die USA, Großbritannien und Frankreich greifen mit Kampfflugzeugen verschiedene Ziele in Syrien an. Es ist eine Vergeltungsmaßnahme für den Einsatz von Chemiewaffen auf Rebellen in der Stadt Duma, bei dem zahlreiche Menschen ums Leben kamen.
Dezember 2018
"Wir haben gegen den IS gewonnen", behauptet Trump. Er kündigt den Rückzug der US-Armee an. Auch die Luftangriffe sollen beendet werden. Klar ist aber: Der IS ist geschwächt, aber nicht besiegt. Die Terrormiliz hat im Irak und in Syrien zwar 99 Prozent ihres Territoriums verloren. Ihren letzten Rückzugsraum im Euphrattal verteidigt sie aber immer noch. Mehrere Tausend Dschihadisten sollen sich dort aufhalten.


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