Nach Iran-Deal USA könnten israelischen Spion nach 30 Jahren freilassen

Seit fast 30 Jahren sitzt der israelische Spion Jonathan Pollard in US-Haft - jetzt könnte er bald freikommen. Womöglich gibt es einen Zusammenhang mit dem jüngsten Iran-Deal.
Pollard auf einem Foto von 1991: Möglicherweise Begnadigung im November

Pollard auf einem Foto von 1991: Möglicherweise Begnadigung im November

Foto: HANDOUT/ Reuters

Das Atom-Abkommen mit Iran belastet die Beziehungen zwischen den USA und Israel schwer. Und genau jetzt zeigt sich die US-Regierung dazu bereit, einen seit sehr langer Zeit inhaftierten Spion Israels freizulassen. Übereinstimmenden Berichten in US-Medien zufolge bestätigte das US-Justizministerium, der 1987 zu lebenslanger Haft verurteilte israelische Spion Jonathan Pollard habe im November unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf eine Begnadigung.

Israel hat sich seit Jahrzehnten vergeblich um eine Freilassung des heute 60-Jährigen bemüht. Diese käme jetzt zu einem Zeitpunkt erhöhter Belastungen im Verhältnis zwischen beiden Staaten. Israel ist der schärfste Kritiker der kürzlich von den fünf Uno-Vetomächten plus Deutschland ausgehandelten Atom-Vereinbarung mit Iran: Es sieht seine Sicherheit dadurch noch stärker gefährdet als bisher.

Das Weiße Haus betonte jedoch, Pollards Zukunft habe nichts mit dem Iran-Deal zu tun. Sein Status werde "entsprechend den Standardprozeduren" des zuständigen US-Begnadigungsausschusses gefällt, zitierte die "Washington Post"  eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates.

Zuvor hatte auch das "Wall Street Journal" unter Berufung auf US-Regierungsbeamte berichtet , die US-Regierung bereite Pollards Freilassung vor - und einige dieser Beamten hätten die Hoffnung geäußert, dass ein solcher Schritt die belasteten Beziehungen zu Israel "glätten" werde.

Die Beziehungen zwischen den USA und Israel werden durch die Affäre um Pollard bis heute belastet. Der in den USA geborene Spion hatte beim Geheimdienst der US-Kriegsmarine als zivil angestellter Analyst Zugang zu hochbrisanten Unterlagen.

Von Mai 1984 bis zu seiner Verhaftung im November 1985 übergab er dem israelischen Mossad Tausende Dokumente mit US-Spionagematerial aus dem arabischen Raum. Er bekannte sich später schuldig und wurde 1987 zu lebenslanger Haft verurteilt. In Israel, dessen Staatsbürgerschaft Pollard 1996 erhielt, genießt er den Status eines Nationalhelden.

Für viele Israelis ist Pollard ein Held: Sie fordern seit Jahren seine Freilassung

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Foto: SEBASTIAN SCHEINER/ ASSOCIATED PRESS

Im Frühjahr 2014, als schon einmal eine Freilassung Pollards im Gespräch war (um den Nahost-Friedensprozess voranzutreiben), hatte Thomas Brooks, Ex-Chef des Marine-Geheimdiensts der USA noch gesagt, das Ausmaß von Pollards Geheimnisverrat sei nur von Edward Snowden überboten worden.

Der "Washington Post" zufolge erklärte das Justizministerium, das Urteil aus dem Jahr 1987 beinhalte eine Regelung, nach der Pollard zur Freilassung nach 30 Jahren berechtigt sei. Um ihm das zu verwehren, müsste die Regierung nachweisen, dass er im Gefängnis gegen Vorschriften verstoßen habe oder die Wahrscheinlichkeit bestehe, dass er erneut kriminell handeln werde.

Der Zeitung zufolge signalisierte das Justizministerium jedoch, die US-Regierung werde einer Freilassung nicht im Wege stehen. Demnach erklärte es, dass Pollard "vermutlich" dazu berechtigt sei.

nck/dpa/AFP
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