Waffenschau in Washington USA präsentieren Beweise für Irans Einmischung im Jemen

In einer aufwendigen Pressekonferenz haben die USA mutmaßlich iranische Waffenteile aus dem Jemen-Krieg präsentiert. Zum Einsatz des verbündeten Saudi-Arabien in dem Bürgerkrieg dagegen kein Wort.

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Die USA werfen Iran die Bewaffnung von militanten Gruppen und damit die Verletzung von Uno-Resolutionen vor, und haben hierfür in einem Lagerraum in der US-Hauptstadt Washington eine aufwendige Pressekonferenz inszeniert.

Nikki Haley, US-Botschafterin bei der Uno, zeigt dort mutmaßliche Beweisstücke, die belegen sollen, dass in Iran gebaute Waffensysteme oder Bauteile für Waffen aus Iran an Huthi-Rebellen im Jemen geliefert wurden.

Unwahrscheinlich ist das nicht, wenn auch nur die halbe Wahrheit: Im Jemen tobt seit 2014 ein Stellvertreterkrieg zwischen den von Iran gestützten schiitischen Huthi-Rebellen und der vom US-Verbündeten Saudi-Arabien unterstützten Regierung des Jemen. Dabei sind Tausende Zivilisten und Kämpfer auf beiden Seiten gestorben.

Die humanitäre Lage im Land ist durch den Krieg mit die dramatischste weltweit. Neben den Luftangriffen der saudi-arabisch geführten Zehnerkoalition leidet die Bevölkerung wegen Blockaden der Zugangswege für Hilfsgüter besonders unter Hunger und Krankheiten.

Iran spricht von "Unterstellungen"

Haley verurteilte in der Pressekonferenz einen Angriff der Huthi-Rebellen auf einen zivilen Flughafen in Saudi-Arabien, bei dem eine Rakete iranischer Bauart verwendet worden sein soll. Das Geschoss war laut saudi-arabischer Armee auf dem Weg nach Riad abgeschossen worden, Menschen kamen nicht zu Schaden. Hinter Haleys Rednerpult war eine Metallröhre aufgebaut, die zu besagter Rakete gehören soll. Außerdem präsentierte sie elektronische Bauteile und Teile eines unbemannten Flugkörpers.

Weiteres US-Beweismittel, das aus Iran stammen soll
AP

Weiteres US-Beweismittel, das aus Iran stammen soll

Auf die jüngsten Bombardements Saudi-Arabiens gegen die Rebellen der jemenitischen Hauptstadt Sanaa am Dienstag und Mittwoch mit mindestens 15 Toten und Dutzenden Verletzten ging Haley hingegen nicht weiter ein. Vor einer Woche hatte US-Außenminister Rex Tillerson die saudi-arabischen Verbündeten noch ersucht, auch mit Bezug auf den Jemen "etwas gemäßigter und etwas umsichtiger" vorzugehen.

Irans Uno-Botschafter Gholamali Choschru wies die Vorwürfe der Waffenlieferungen an die jemenitischen Rebellen zurück. "Iran hat Jemen nie Raketen zur Verfügung gestellt", sagte Choschru. Es handle sich um "Unterstellungen". Die vermeintlichen Beweise Haleys seien gefälscht und zeigten erneut die provokante Politik der USA gegenüber Iran, so Choschru. "Das Ziel solcher Vorwürfe ist, die Verbrechen Saudi-Arabiens im Jemen zu vertuschen", sagte der Botschafter laut der iranischen Nachrichtenagentur Irna.

Saudi-Arabien und seine Verbündeten am Golf begrüßten die harte Haltung der USA zu Iran, teilte das Königreich laut der nationalen Nachrichtenagentur SPA mit.

cht/dpa/Reuters

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