USA-Russland-Treffen Rice und Putin reden Krise klein

Die Kontrahenten geloben Besserung: Künftig wollen die USA und Russland wieder sanftere Töne anschlagen, versprachen Wladimir Putin und Condoleezza Rice in Moskau. Zuletzt war die Stimmung so mies, dass der russische Präsident nicht mal gemeinsam mit der US-Außenministerin aufs Foto wollte.


Moskau - Seit Montag weilt die amerikanische Außenministerin in Moskau. Ziel der Mission: Deeskalation. Heute nun traf sie sich mit dem russischen Präsidenten. An dem Gespräch in Putins Residenz Nowo-Ogarjowo bei Moskau nahm auch Außenminister Sergej Lawrow teil, wie Putins Sprecher Alexej Gromow mitteilte. Anschließend hieß es, Condoleezza Rice und Wladimir Putin seien sich einig gewesen, dass die zuletzt hitzige Rhetorik wieder gedämpft werden solle. Mit diesen Worten zitierte die Nachrichtenagentur Itar-Tass Lawrow.

Putin und Rice vor zwei Jahren: Seit damals hat sich die Beziehung dramatisch verschlechtert
AP

Putin und Rice vor zwei Jahren: Seit damals hat sich die Beziehung dramatisch verschlechtert

Die Beziehungen zwischen den USA und Russland sind so schlecht wie seit Jahren nicht mehr. Wie gespannt das Verhältnis ist, zeigt der Umstand, dass auf Wunsch des Kremls ein geplanter gemeinsamer Fototermin Putins mit Rice abgesagt wurde.

Bei ihrer Ankunft in Moskau am Montag hatte sich Rice zur diplomatischen Lösung der Konflikte im amerikanisch-russischen Verhältnis bekannt. Washington wolle die bestehenden Probleme anpacken, versicherte die Ministerin. Die Beziehungen seien derzeit nicht einfach, es gebe aber keinen neuen Kalten Krieg. Sie unterstrich, dass beide Staaten bei einigen Themen zusammenarbeiteten, etwa im Nahen Osten, den Atomprogrammen Irans und Nordkoreas sowie bei den Bemühungen um die Nichtweiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen.

Zu den Streitthemen gehören das von den Vereinigten Staaten geplante Raketenabwehrsystem in Osteuropa, der künftige Status der serbischen Provinz Kosovo und die amerikanischen Bedenken, der Kreml fahre demokratische Errungenschaften zurück. Zum Zustand Russlands erklärte Rice, das Land befinde sich in einem historischen Wandlungsprozess. "Die Dinge werden sich nicht über Nacht ändern, aber ehrlich gesagt sähen wir es lieber, wenn sie sich schneller veränderten als sie es tun, und zwar zum Besseren." Moskau wiederum betrachtet die Kritik an ihrem Umgang mit der Opposition als Einmischung in innere Angelegenheiten.

Zuletzt waren die Töne immer schärfer geworden. Beide Seiten haben das diplomatische Vokabular gänzlich missachtet: Der Kreml warf Washington militärisches Machtstreben gegen russische Interessen vor. Rice hatte vor ihrer Moskau-Reise Verstöße gegen die Menschenrechte in Russland angeprangert.

Am Nachmittag traf sich Putin auch mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Dabei versicherte der russische Präsident, es gebe trotz Meinungsverschiedenheiten keine Interessenkonflikte seines Landes mit der Europäischen Union. "Es gibt unterschiedliche Ansichten, wie Probleme auszuräumen sind, aber beide Seiten sind um eine Lösung bemüht."

Steinmeier traf sich als Vertreter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft mit Putin, um den EU-Russland-Gipfel am Freitag im südrussischen Samara vorzubereiten. Daran nimmt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel als amtierende EU-Ratsvorsitzende teil. Das Verhältnis zwischen der EU und ihrem größten östlichen Nachbarn wird derzeit durch eine Reihe von Problemen belastet: Dazu zählt unter anderem ein russisches Importverbot für polnisches Fleisch. Wegen des Streits liegen die Verhandlungen für ein neues Partnerschaftsabkommen der EU mit Russland auf Eis. Steinmeier hatte bereits vor seiner Reise nach Russland erklärt, es sei unwahrscheinlich, dass es auf dem Gipfel einen Durchbruch in dieser Sache geben werde.

ler/Reuters/AP/dpa



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Seite 1
nachthai, 29.03.2007
1. Was Europa macht
Zitat von sysopIm Streit um das geplante US-Raketenabwehrsystem gibt es erstmals Anzeichen von Entspannung zwischen den USA und Rußland. Dennoch bleibt die Frage: Braucht Europa wirklich einen solchen Schutzschild?
Wesentliche europäische Staaten scheinen der Meinung zu sein bedroht zu werden. Massnahmen werden eingeleitet: - Groß Britanien modernisiert seine Nuklearwaffen, - Frankreich modernisiert seine Nuklearwaffen, - Polen bindet sich stärker an die USA, - Tschechien bindet sich stärker an die USA und in Deutschland wird auf einem Niveau debattiert, dass man meinen kann, es gäbe keine Bedrohung. Ich fühle mich zu schlecht informiert, als das ich mir eine objektive Meinung bilden könnte!
Raknarak, 29.03.2007
2. Falsch gestellte Frage
Es geht nicht darum ob Eurpopa ein Raketenschutzschild benötigt, es geht darum ob die USA ihren Raketenschutzschild in Europa erweitern dürfen! Europa benötigt jedenfalls kein unausgereiften Raketenschutzschild der noch nie unter realen Bedingungen getestet wurde!
CCCP, 29.03.2007
3. Schutzschild
Zitat von sysopIm Streit um das geplante US-Raketenabwehrsystem gibt es erstmals Anzeichen von Entspannung zwischen den USA und Rußland. Dennoch bleibt die Frage: Braucht Europa wirklich einen solchen Schutzschild?
Europa braucht nicht nur ein eigenes EU-Raketenabwehrsystem, sondern auch eine Mauer (analog China), um eigene Expansion zu stoppen.
Azrael, 29.03.2007
4.
Zitat von nachthaiWesentliche europäische Staaten scheinen der Meinung zu sein bedroht zu werden. Massnahmen werden eingeleitet: - Groß Britanien modernisiert seine Nuklearwaffen, - Frankreich modernisiert seine Nuklearwaffen, - Polen bindet sich stärker an die USA, - Tschechien bindet sich stärker an die USA und in Deutschland wird auf einem Niveau debattiert, dass man meinen kann, es gäbe keine Bedrohung. Ich fühle mich zu schlecht informiert, als das ich mir eine objektive Meinung bilden könnte!
Da sich jeder ausmalen kann das gegen-Gegenmassnahmen viel einfacher und billiuger zu haben sind als eine effiziente Raketenabwehr ist das ganze ein Witz. Jeder Schild hat außerdem nur begrenzte Abwehrkapazitäten. Die einfachste Lösung ist mehr Raketen zu haben als ein Schild abwehren kan, und damit sind wir mal wieder beim Wettrüsten.
Magister, 29.03.2007
5. Fragliche Waffen....
Zitat von nachthaiWesentliche europäische Staaten scheinen der Meinung zu sein bedroht zu werden. Massnahmen werden eingeleitet: - Groß Britanien modernisiert seine Nuklearwaffen, - Frankreich modernisiert seine Nuklearwaffen, - Polen bindet sich stärker an die USA, - Tschechien bindet sich stärker an die USA und in Deutschland wird auf einem Niveau debattiert, dass man meinen kann, es gäbe keine Bedrohung. Ich fühle mich zu schlecht informiert, als das ich mir eine objektive Meinung bilden könnte!
1.Aber wohin würde ein "Raketen-Schild", wenn es denn je durchführbar wäre führen ? 2.Ich denke zu einem neuen Wett -und Aufrüsten, zu einer neuen Überschwemmung Europas mit Waffen, deren Sinn und Zweck fraglich ist. 3.Braucht Europa wirklich diese Waffen ? Ist eine Zukunft ohne Raketen nicht vorstellbar ?
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