Freddie Gray Sechs Polizisten wegen Tod von Afroamerikaner beschuldigt

Der Tod des jungen Afroamerikaners Freddie Gray sorgte landesweit für Empörung. Nun müssen sich sechs Beamte in dem Fall verantworten. Einem von ihnen wirft die Staatsanwaltschaft Mord vor.
Klagt im Fall Freddie Gray an: Staatsanwältin Marilyn Mosby

Klagt im Fall Freddie Gray an: Staatsanwältin Marilyn Mosby

Foto: Andrew Burton/ AFP

Sechs US-Polizisten müssen sich im Fall des im Polizeigewahrsam gestorbenen Afroamerikaners Freddie Gray verantworten. Einer von ihnen werde wegen Mordes mit bedingtem Vorsatz angeklagt, teilte die Staatsanwältin Marilyn Mosby am Freitag mit. Drei weiteren Beamten werde Totschlag vorgeworfen. Gray hatte bei seiner Festnahme Mitte April so schwere Verletzungen am Rückenmark erlitten, dass er ins Koma fiel und eine Woche später starb.

Am Donnerstag hatte die Polizei der US-Ostküstenstadt ihre Untersuchungsergebnisse der Staatsanwaltschaft übergeben. Die Beamten waren wegen des Vorfalls bereits vom Dienst suspendiert.

US-Präsident Barack Obama forderte eine umfassende Aufklärung des Falls. "Es ist absolut entscheidend, dass die Wahrheit ans Licht kommt", sagte er am Freitag vor Journalisten in Washington. Mit Blick auf die eingeleiteten Strafverfahren sagte der Präsident, dass er die Vorwürfe im Detail noch nicht kenne. Allerdings müsse "der Gerechtigkeit Genüge getan" werden.

Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie Polizisten Gray zu Boden drücken, bevor sie den vor Schmerz schreienden jungen Mann zu einem Polizeitransporter schleifen. Als der Transporter bei der Polizeiwache eintraf, war Gray nicht mehr ansprechbar. Sein Rückenmark war nach Angaben der Anwälte seiner Familie am Genick zu 80 Prozent durchtrennt.

Noch ist unklar, ob es bereits während der Verhaftung oder später zu den Verletzungen kam. Der lokale Fernsehsender WJLA berichtete am Donnerstagabend unter Berufung auf Polizeikreise, offenbar sei Grays Genick gebrochen, als er gegen die Hecktür des Polizeitransporters geschleudert wurde. Vergangene Woche hatten US-Medien berichtet, dass die Polizisten Gray entgegen der Vorschriften nicht festgeschnallt hätten. Laut einem Bericht der "Washington Post" könnte sich Gray aber auch selbst verletzt haben, da er laut einem Mithäftling seinen Körper gegen die Wände des Polizeitransporters geschlagen habe.

Seit den Schüssen auf den schwarzen Teenager Michael Brown in Ferguson im vergangenen August haben eine Reihe tödlicher Polizeieinsätze gegen Afroamerikaner für Empörung gesorgt. In mehreren Städten an der US-Ostküste wie New York und Washington fanden in den vergangenen Tagen Protestkundgebungen statt.

Auch die Veranstalter von traditionellen Märschen zum 1. Mai kündigten an, das Thema aufzugreifen. Neben der Forderung nach mehr Rechten für Arbeitnehmer und Immigranten werde auch die wachsende Bewegung mit dem Slogan "Black Lives Matter" ("Schwarze Leben zählen") unterstützt.

dab/AFP/AP/dpa