Abstimmung im Kongress US-Senat erkennt Völkermord an Armeniern an

1,5 Millionen Armenier sollen im Ersten Weltkrieg im Osmanischen Reich getötet worden sein - die Türkei spricht von wesentlich weniger Opfern. Nun hat auch der US-Senat die Massaker als Völkermord anerkannt.
Der US-Senat stuft die Verbrechen des Osmanischen Reichs an die Armenier als Völkermord ein

Der US-Senat stuft die Verbrechen des Osmanischen Reichs an die Armenier als Völkermord ein

Foto: Jon Elswick/DPA

Trotz Protesten der Türkei hat der US-Kongress die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges als Völkermord anerkannt. Nach dem Repräsentantenhaus verabschiedete auch der Senat einstimmig eine entsprechende Resolution. Darin heißt es, dass die USA den Völkermord an den Armeniern anerkennen und die Tötung von geschätzten 1,5 Millionen Armeniern durch das Osmanische Reich verurteilen.

Der demokratische Senator Bob Menendez hatte die Resolution in die Kammer eingebracht. Er teilte nach der Verabschiedung auf Twitter mit, der Senat habe sich erhoben, "um die Geschichte zu bestätigen". Was damals geschah, sei "ganz sicher" Völkermord gewesen. "Es gibt kein anderes Wort dafür. Es gibt keinen Euphemismus." Der demokratische Kongressabgeordnete Adam Schiff forderte US-Präsident Donald Trump auf, sich dem Kongress in der Sache anzuschließen.

Erdogan weist Beschluss zurück

Die Resolution des Senats ist rechtlich nicht bindend, hat aber große Symbolkraft und Gewicht für die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei. Im Jahr 2016 hatte der Deutsche Bundestag die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich ebenfalls als Völkermord eingestuft - das belastete die deutsch-türkischen Beziehungen schwer. Auch die Verabschiedung der Resolution durch das Repräsentantenhaus Ende Oktober hatte bereits zu neuen Spannungen zwischen den USA und der Türkei geführt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte den Beschluss im Repräsentantenhaus als "wertlos" zurückgewiesen. "Ich wende mich an die amerikanische Öffentlichkeit und den Rest der Welt: Dieser Beschluss hat keinen Wert, wir erkennen ihn nicht an", hatte Erdogan gesagt.

Während des Ersten Weltkriegs waren Armenier systematisch verfolgt und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden. Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1,5 Millionen Opfern. Die Türkei gesteht als Nachfolger des Osmanischen Reichs den Tod von 300.000 bis 500.000 Armeniern während des Ersten Weltkrieges ein und bedauert die Massaker. Eine Einstufung als Völkermord weist die Regierung jedoch strikt zurück.

hba/dpa
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