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04. Juni 2013, 15:37 Uhr

Jagd auf Extremisten

USA bieten Kopfgeld für afrikanische Islamisten

Die USA wollen den Einfluss extremistischer Gruppen in Afrika zurückdrängen. Nun hat das Außenministerium in Washington 23 Millionen Dollar an Prämien für die Ergreifung von mehreren Terrorchefs ausgesetzt. Unter ihnen ist auch "der Einäugige".

Washington/Hamburg - Die USA machen Jagd auf militante Islamisten in Afrika. Das Außenministerium in Washington hat auf fünf führende Extremisten ein Kopfgeld von insgesamt 23 Millionen Dollar ausgesetzt. Es ist das erste Mal, dass das State Department sein 1984 ins Leben gerufenes Programm "Belohnung für Gerechtigkeit" für die Jagd nach afrikanischen Extremisten nutzt.

Die Profile der Gesuchten sollen nun in mehreren afrikanischen Staaten plakatiert werden. Mit einem Kopfgeld von sieben Millionen Dollar ist Abubakar Shekau der neue US-Staatsfeind Nummer eins in der Region. Er gilt als Chef der islamistischen Sekte Boko Haram und hatte in der vergangenen Woche Islamisten in Afghanistan, Pakistan und im Irak aufgerufen, sich am Kampf für einen islamischen Gottesstaat in Nigeria zu beteiligen. Seit Jahren destabilisiert die Gruppe den mehrheitlich muslimischen Norden des Vielvölkerstaats. Die nigerianische Armee reagiert auf Anschläge der Gruppierung oft mit blutigen Gegenoffensiven.

Weitere fünf Millionen Dollar bietet das US-Außenministerium für den Anführer des Qaida-Netzwerks im Islamischen Maghreb (AQIM), Yahya Abou al-Hammam, dessen Bewegung zuweilen mit Boko Haram kooperiert. Für Hinweise auf das führende AQIM-Mitglied Malik Abou Abdelkarim bieten die USA drei Millionen Dollar.

Die Sahelzone ist kaum kontrollierbar

Weitere fünf Millionen Dollar setzen die USA auf Mokhtar Belmokhtar aus. Der einäugige Chef der algerischen Islamistengruppe "Die mit Blut unterzeichnen" soll hinter dem im Januar verübten Angriff auf das Gasfeld Ain Amenas in Algerien mit 37 getöteten Ausländern stecken. Zudem soll Belmokhtar einen Autobombenanschlag im Niger organisiert haben, bei dem Ende Mai mindestens 20 Menschen getötet worden waren.

Der Chef der Islamistengruppe "Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika" (MUJAO), Oumar Ould Hamaha, ist den USA drei Millionen Dollar Kopfgeld wert. Die Gruppe gehörte im vergangenen Jahr einem Bündnis von Islamisten und Tuareg an, die das Machtvakuum im Wüstenstaat Mali nutzten, um den Norden des Landes zu erobern. Die Islamisten wurden nach dem Eingreifen des französischen Militärs zurückgedrängt.

Mit ihrer Kopfgeldliste reagieren die USA auf das wachsende Problem islamistischer Gruppierungen, die in den kaum kontrollierbaren Weiten der Sahelzone aktiv sind. Nach dem Sturz des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi vor zwei Jahren war die Region zusätzlich mit Waffen überschwemmt worden. Die Aktivitäten von Islamisten, rebellierenden Tuareg und kriminellen Organisationen bedrohen nach Ansicht westlicher Regierungen die gesamte Region.

syd/AFP

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