Entscheidung des Pentagon USA stoppen Kampfjet-Lieferung an Ägypten

Die USA gehen auf Konfrontationskurs zum Militär in Ägypten. Das Pentagon hat die geplante Lieferung von vier F-16-Kampfflugzeugen nach Kairo gestoppt. Grund ist die instabile Lage in dem nordafrikanischen Land.

US-Kampfjet F-16: Das Pentagon stoppt die Lieferung nach Ägypten
AFP

US-Kampfjet F-16: Das Pentagon stoppt die Lieferung nach Ägypten


Washington/Kairo - Die instabile Lage in Ägypten hat Konsequenzen für das Militär in Kairo. Die USA haben die Lieferung von vier F-16-Kampjets, die für die kommenden Wochen geplant war, auf absehbare Zeit gestoppt. "Angesichts der gegenwärtigen Lage in Ägypten halten wir es nicht für angemessen, derzeit weitere F-16 zu liefern", sagte Pentagonsprecher George Little am Mittwoch in Washington.

Noch vor 14 Tagen hatte die US-Regierung bekräftigt, dass sie an der Lieferung der Flugzeuge festhalten werde. Trotz der Entscheidung blieben die USA der Verteidigungszusammenarbeit mit Ägypten verpflichtet, sagte Little. Eine eindeutige Erklärung, warum die F-16-Auslieferung gestoppt wurde, gab er nicht. Es werde noch immer geprüft, ob der Sturz Mursis als Staatsstreich bewertet werde. Die Entscheidung vom Mittwoch bedeute keine Vorfestlegung, betonte Little.

Würde das Vorgehen des Militärs offiziell als Putsch eingestuft, dann müsste automatisch die ganze US-Militärhilfe für das Land ausgesetzt werden. Pro Jahr überweist Washington 1,3 Milliarden US-Dollar an die ägyptische Armee. Diese Unterstützung sei eine "Säule der regionalen Stabilität", sagte Little. Er betonte, dass die seit den achtziger Jahren regelmäßig stattfindende Militärübung "Bright Star", an der Truppen beider Staaten teilnehmen, auch in diesem Jahr wie geplant stattfinden solle.

Ägyptens Armee ruft zu Großdemonstrationen

Bereits in der vergangenen Woche hatte die US-Regierung die Haltung des ägyptischen Militärs kritisiert und die Freilassung des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi gefordert. Dieser wird seit seiner Absetzung am 3. Juli an einem unbekannten Ort festgehalten.

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel habe Ägyptens Verteidigungsminister und Armeechef Abd al-Fattah al-Sisi am Mittwoch telefonisch über die Entscheidung informiert. Dabei hätten die beiden auch über Sisis Aufruf zu Großdemonstrationen am Freitag gesprochen, sagte Little. Details nannte er nicht.

Mit seinem Aufruf heizt der Generaloberst die Lage am Nil weiter an. De facto will sich das Militär vom Volk ein Mandat für eine erneute Ausrufung des Notstands geben lassen. Sisi begründet dies mit der anhaltenden Gewalt im Land, die nach dem Sturz von Präsident Mursi eskaliert ist.

Die Muslimbrüder sehen den Appell als Kriegserklärung des Militärs. Sie wollen weiter für die Wiedereinsetzung Mursis demonstrieren und haben für den Freitag ebenfalls zu Großkundgebungen aufgerufen.

syd/AFP/Reuters

insgesamt 12 Beiträge
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raumbefeuchter 24.07.2013
1. Unabhängiges Ägypten?
Seit wann halten denn instabile Lagen die USA von einer Waffenlieferung ab ? Es ist eher anzunehmen dass Ägypten jetzt vor hat echte Unabhängigkeit zu erlangen. Daher werden jetzt die Waffenlieferungen gestoppt.
si tacuisses 24.07.2013
2. Keine Sorge.
Zitat von raumbefeuchterSeit wann halten denn instabile Lagen die USA von einer Waffenlieferung ab ? Es ist eher anzunehmen dass Ägypten jetzt vor hat echte Unabhängigkeit zu erlangen. Daher werden jetzt die Waffenlieferungen gestoppt.
Russland wird dann eben den Ägyptern bisjen Russentechnik liefern. Vielleicht auf gegen einen Stützpunkt auf der Arab peninsula. Für Usrael sehe ich dann aber zwischen sämtlichen Stühlen ganz schwarz.
kuac 24.07.2013
3.
Ehrlich gesagt verstehe ich nicht was die USA will? Ergreift sie nun Partei für die Islamisten, so wie in Syrien? Was sagt Israel dazu? Oder, die USA will Ägypten insgesamt schwächen und destabilisieren?
krasmatthias 24.07.2013
4.
Zitat von sysopAFPDie USA gehen auf Konfrontationskurs zum Militär in Ägypten. Das Pentagon hat die geplante Lieferung von vier F-16-Kampfflugzeugen nach Kairo gestoppt. Grund ist die instabile Lage in dem nordafrikanischen Land. http://www.spiegel.de/politik/ausland/usa-stoppen-lieferung-von-4-f-16-kampfjets-nach-aegypten-a-912958.html
Die ägyptische Armee lernt am Beispiel Lybiens was es heißt, wenn die USA die Regeln bestimmen. Die $$ für den erkauften Frieden mit Israel werden weiter fließen und Russland steht für die Lieferung von millitärischer Ausrüstung schon bereit. Ägypten muß für die Unabhängigkeit von der USA kämpfen, wenn es noch kann.
alfredoneuman 24.07.2013
5.
Zitat von kuacEhrlich gesagt verstehe ich nicht was die USA will? Ergreift sie nun Partei für die Islamisten, so wie in Syrien? Was sagt Israel dazu? Oder, die USA will Ägypten insgesamt schwächen und destabilisieren?
Dass die USA sich offensichtlich in einem Dilemma wehnt, wenn ein demokratisch gewählter Präsident, auch wenn es sich nur um einen unappetitlichen Islamisten wie Mursi handelt, spricht für die politische Kultur der Amerikaner, und nicht gegen sie. Und was die USA sich von einem destabilisierten Ägypten erhoffen könnte, ist selbst als scheinbar arglos in den Raum geworfene Frage unstatthaft, weil so blödsinnig. Kurios ist auch die Frage "was sagt Israel dazu", als ob Obama täglich Netanyahu anrufen würde um ihn nach seinem "Wunsch des Tages" zu fragen. Entweder wissen Sie nicht das die beiden in herzlicher Abneigung miteinander verbunden sind, oder sie glauben nach wie vor an die Allmacht des internationalen Weltjudentums.
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