US-Reaktionär Ted Cruz Richtig gefährlich

Ted Cruz könnte Donald Trump im Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur noch einholen. Im Weißen Haus wäre er mindestens so ein Problem wie der Milliardär.

Ted Cruz
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Ted Cruz

Ein Kommentar von , Washington


Längst haben wir uns daran gewöhnt: Donald Trump erzählt im US-Wahlkampf Blödsinn und die halbe Welt schreit entsetzt auf. Währenddessen gerät ein anderer Kandidat aus dem Blickfeld, Ted Cruz. Der Senator aus Texas veranstaltet nicht ganz so viel Wirbel wie Trump. Er ist politisch aber mindestens so gefährlich, für Amerika, für Europa, für Deutschland.

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Heft 14/2016
Präsident Erdogans Feldzug gegen Freiheit und Demokratie

Cruz hofft darauf, den Abstand auf Trump im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur verkürzen zu können. In Wisconsin, wo an diesem Dienstag gewählt wird, liegt er in Umfragen klar vor Trump. Zwar dürfte es für Cruz selbst bei einem Sieg in Wisconsin sehr schwierig bleiben, Trump bei der Gesamtzahl der Delegiertenstimmen zu überholen. Doch falls beide Kandidaten bis zum Parteitag im Juli nicht die erforderliche Mehrheit von 1237 Stimmen erreichen, käme es zu einer Kampfabstimmung, bei der Cruz durchaus Siegeschancen hätte.

Einwanderung, Terrorgefahr, Frauenrechte, bei etlichen Themen nimmt Cruz fast dieselben Positionen ein wie Trump. Oft ist er sogar radikaler. Während man bei Trump häufig den Eindruck hat, er vertritt viele provokante Thesen lediglich, um einem reaktionären Publikum zu gefallen, ist es bei Cruz genau umgekehrt. Er ist ein reaktionärer Ideologe, der seine Positionen gnadenlos durchhält, egal, was das Publikum von ihm hält.

Der gelernte Anwalt und Ex-Mitarbeiter von George W. Bush ist beseelt von dem Gedanken, Amerikas Rolle als Weltpolizist wiederherzustellen. Das bedeutet für ihn, US-Streitkräfte sollen künftig wie zu Ronald Reagans Zeiten immer dann sofort eingreifen, wenn amerikanische Interessen bedroht scheinen. "Was für Amerika das Beste ist, ist auch für die Welt das Beste", findet Cruz.

Diplomatie, Ausgleich, Verständigung - diese Vokabeln kommen in seinem Wortschatz nicht vor. Wie Trump will auch Cruz eine Mauer zwischen den USA und Mexiko bauen und illegale Migranten abschieben. Er kämpft gegen Abtreibung, und er setzt sich für die Interessen der Waffenlobby ein. Nach den Anschlägen von Brüssel forderte Cruz, von Muslimen bewohnte Stadtviertel sollten von der Polizei gesondert gesichert und überwacht werden - ein klarer Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung in der US-Verfassung.

Gleichzeitig will er praktisch alle liberalen Reformen rückgängig machen, die unter Präsident Barack Obama eingeführt wurden. "Obamacare", das neue Gesundheitssystem, will er abschaffen, obwohl damit erstmals viele Millionen US-Bürger Zugang zu einer Krankenversorgung erhalten. Klimaschutz hält Cruz ebenso für Unfug wie höhere Steuern für Reiche. Ginge es nach ihm, sollten alle Amerikaner künftig nur noch eine Flat Tax von zehn Prozent auf ihr Einkommen bezahlen, die Millionäre dürfte es freuen.

Bei seinen öffentlichen Auftritten wirkt Cruz freundlicher und offener als Trump. Doch letztlich ist es völlig gleich, wer von beiden am Ende Kandidat wird: Beide sind ein Albtraum. Könnte Cruz gegen Hillary Clinton bei der Hauptwahl im November bestehen? Fast alles scheint inzwischen möglich in diesem verrückten Wahlkampf, leider.

Ergebnisse der US-Vorwahlen



insgesamt 87 Beiträge
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Seite 1
fluxus08 05.04.2016
1. Trump ist ein naiver
Sprücheklopfer, der die Erfahrung gemacht hat, mit seinen lächrlichen Sprüchen Erfolg zu haben. Ted Cruz hingegen ist ein wirklich gefährlicher Fundamentalist, der sich in seiner Denke in nichts zu den islamistischen Extremisten unterscheidet.
eunegin 05.04.2016
2. schlimm und schlimmer
Bei Trump bekommt man, was man sieht. Cruz ist gefährlicher - nicht nur für die Beziehungen zu Europa, sondern auch für die USA. Ein religiös-nationalistischer Spalter. Als Doppelstaatler bin ich aber zuversichtlich, dass beide bei den Präsidentschaftswahlen keine große Chance haben. So unbeliebt Clinton und so sozialistisch Bernie auch sein mag. Da wählt man das kleinere Übel. Und als Europäer sowieso Demokraten (die im Übrigen bis auf Bernie in Deutschland in der CDU/CSU wären...).
power.piefke 05.04.2016
3. eben!
ich verstehe eh nicht, warum Trump der Untergang des Abendlandes sein soll. Er verkörpert doch den typischen Amerikaner: opportun und egoistisch. Cruz dagegen ist ein religiöser Fanatiker und damit genau das, wovor man neuerdings angst haben soll.
demophon 05.04.2016
4. Der wahre Erzkonservative: Ted Cruz
Endlich sind Sie aufgewacht, Herr Nelles! Monatelang nichts Kritisches über den wahren Ultrakonservativen Ted Cruz zu berichten und sich stattdessen wie ein abgerichteter Kampfhund an Trump festzubeißen und nicht mehr loszulassen, hat dazu geführt, bei den Lesern einen völlig falschen Eindruck der Kandidaten zu vermitteln. Auch viele US-Medien haben relativ einseitig berichtet und Cruz den Aufstieg damit ganz erheblich erleichtert, allerdings nicht ganz so einseitig wie SPON. Leider fehlt in Ihrer Aufzählung Cruz' reaktionäre Idee, ein Gesetz zur "religious liberty" zu verabschieden, zu dem er sich schriftlich verpflichtet hat. Damit soll es landesweit Unternehmern und Behörden erlaubt werden, ungestraft Menschen zu diskriminieren, wenn sie nicht deren religiösen Moralvorstellungen entsprechen. Das betrifft dann Männer oder Frauen, die z. B. fremdgehen, vorehelichen Sex haben oder Homosexuelle, alle diejenigen, deren Lebensweisen gegen die Bibel verstoßen. Es soll Geschäftsinhabern erlaubt werden, sie als Kunden nicht zu bedienen oder als Angestellte sogar zu entlassen. Mitarbeiter in staatlichen Behörden müssen sie nicht trauen oder andere Dienstleistungen verrichten, wenn der Mitarbeiter behauptet, damit wäre seine religiöse Freiheit bedroht. Dieses Gesetz sollte auch schon in Georgia eingeführt werden, durch den massiven Protest liberaler Gruppen und Großunternehmen sah sich der Gouverneur gezwungen, es zu vetoen. Donald Trump vertritt zu all den genannten Themen viel liberalere Ansichten, oft sogar sehr liberale, auch was die Frauenrechte und -gleichberechtigung betrifft. Er stellte schon vor 30 Jahren in seinen Baufirmen Frauen als Führungskräfte ein, als das in seiner Branche noch völlig ungewöhnlich war. Seit Jahrzehnten setzt er sich auch für die rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare ein und unterstütze die Forderung nach einem Partnerschaftsgesetz - er ist allerdings gegen die gleichgeschlechte Ehe - gab sogar Spenden an LGBT-Organisationen, wie z. B. seine Steuererklärung von 2012 ausweist, worüber hier auch nie berichtet wurde.
jürg gassmann 05.04.2016
5. Ein wichtiger Hinweis!
Es ist mir ein Rätsel warum die "Stoppt Trump" Leute den Teufel mit dem Beelzebub austreiben wollen. Trump glaubt man die Ideologie nicht. Cruz hingegen ist, wir richtig vermerkt, ein disziplinierter Ideologe. Das muss Angst machen.
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