Roland Nelles

US-Reaktionär Ted Cruz Richtig gefährlich

Ted Cruz könnte Donald Trump im Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur noch einholen. Im Weißen Haus wäre er mindestens so ein Problem wie der Milliardär.
Ted Cruz

Ted Cruz

Foto: BRIAN FRANK/ REUTERS

Längst haben wir uns daran gewöhnt: Donald Trump erzählt im US-Wahlkampf Blödsinn und die halbe Welt schreit entsetzt auf. Währenddessen gerät ein anderer Kandidat aus dem Blickfeld, Ted Cruz. Der Senator aus Texas veranstaltet nicht ganz so viel Wirbel wie Trump. Er ist politisch aber mindestens so gefährlich, für Amerika, für Europa, für Deutschland.

Cruz hofft darauf, den Abstand auf Trump im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur verkürzen zu können. In Wisconsin, wo an diesem Dienstag gewählt wird, liegt er in Umfragen klar vor Trump. Zwar dürfte es für Cruz selbst bei einem Sieg in Wisconsin sehr schwierig bleiben, Trump bei der Gesamtzahl der Delegiertenstimmen zu überholen. Doch falls beide Kandidaten bis zum Parteitag im Juli nicht die erforderliche Mehrheit von 1237 Stimmen erreichen, käme es zu einer Kampfabstimmung, bei der Cruz durchaus Siegeschancen hätte.

Einwanderung, Terrorgefahr, Frauenrechte, bei etlichen Themen nimmt Cruz fast dieselben Positionen ein wie Trump. Oft ist er sogar radikaler. Während man bei Trump häufig den Eindruck hat, er vertritt viele provokante Thesen lediglich, um einem reaktionären Publikum zu gefallen, ist es bei Cruz genau umgekehrt. Er ist ein reaktionärer Ideologe, der seine Positionen gnadenlos durchhält, egal, was das Publikum von ihm hält.

Der gelernte Anwalt und Ex-Mitarbeiter von George W. Bush ist beseelt von dem Gedanken, Amerikas Rolle als Weltpolizist wiederherzustellen. Das bedeutet für ihn, US-Streitkräfte sollen künftig wie zu Ronald Reagans Zeiten immer dann sofort eingreifen, wenn amerikanische Interessen bedroht scheinen. "Was für Amerika das Beste ist, ist auch für die Welt das Beste", findet Cruz.

Diplomatie, Ausgleich, Verständigung - diese Vokabeln kommen in seinem Wortschatz nicht vor. Wie Trump will auch Cruz eine Mauer zwischen den USA und Mexiko bauen und illegale Migranten abschieben. Er kämpft gegen Abtreibung, und er setzt sich für die Interessen der Waffenlobby ein. Nach den Anschlägen von Brüssel forderte Cruz, von Muslimen bewohnte Stadtviertel sollten von der Polizei gesondert gesichert und überwacht werden - ein klarer Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung in der US-Verfassung.

Gleichzeitig will er praktisch alle liberalen Reformen rückgängig machen, die unter Präsident Barack Obama eingeführt wurden. "Obamacare", das neue Gesundheitssystem, will er abschaffen, obwohl damit erstmals viele Millionen US-Bürger Zugang zu einer Krankenversorgung erhalten. Klimaschutz hält Cruz ebenso für Unfug wie höhere Steuern für Reiche. Ginge es nach ihm, sollten alle Amerikaner künftig nur noch eine Flat Tax von zehn Prozent auf ihr Einkommen bezahlen, die Millionäre dürfte es freuen.

Bei seinen öffentlichen Auftritten wirkt Cruz freundlicher und offener als Trump. Doch letztlich ist es völlig gleich, wer von beiden am Ende Kandidat wird: Beide sind ein Albtraum. Könnte Cruz gegen Hillary Clinton bei der Hauptwahl im November bestehen? Fast alles scheint inzwischen möglich in diesem verrückten Wahlkampf, leider.

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