Freilassung der letzten Inhaftierten USA schließen Gefangenenlager in Afghanistan

Die USA lösen ihre Gefängnisse in Afghanistan auf - so sieht es das Sicherheitsabkommen vor. Die letzten drei Inhaftierten wurden nun den afghanischen Behörden übergeben. Darunter ist auch eines der ersten Folteropfer der CIA.

Gefängnis in Bagram: Die USA übergeben ihre Haftanstalten an Afghanistan
REUTERS

Gefängnis in Bagram: Die USA übergeben ihre Haftanstalten an Afghanistan


Kabul/Washington - Redha al-Najar war einer der ersten Terrorverdächtigen, an dem der US-Geheimdienst CIA seine Foltermethoden ausprobierte. Der frühere Leibwächter von Osama bin Laden wurde im Mai 2002 gefangen und in die berüchtigte "Detention Site Cobalt" in Afghanistan gebracht, besser bekannt als "Salzloch".

Dort wurde er in völliger Dunkelheit eingesperrt. Er musste in seiner Zelle frieren und einmal 22 Stunden am Stück mit erhobenen Händen stehen. Stundenlang wurde er mit lauter Musik beschallt und geschlagen, seine Notdurft musste er in eine Windel verrichten. Laut dem Bericht des US-Senats gab es kaum eine grausame Technik, die nicht an ihm getestet wurde.

Nun haben die USA den "gebrochenen Mann", wie er im Bericht des US-Senats bezeichnet wird, den Afghanen übergeben. Al-Najar gehört zu den letzten Inhaftierten des umstrittene Gefangenenlagers Bagram nahe der Hauptstadt Kabul. Das Gefängnis, in dem zu Hochzeiten Hunderte Männer inhaftiert waren, wurde offiziell schon im März 2013 in afghanische Hände übergeben, doch die Verantwortung für Dutzende Häftlinge, die weder US-Bürger noch Afghanen waren, hatte die USA behalten.

Afghanistans Präsident fordert Aufklärung

Der Tunesier wurde zwölf Jahre lang ohne Anklage festgehalten. Seine Anwältin Tina Foster will bis vor den Obersten Gerichtshof der USA, um seine Folterer zur Rechenschaft zu ziehen - doch nun muss sie sich erst mal vor einem afghanischen Gericht um seine Freilassung bemühen. "Das ist ein weiteres Ausweichmanöver", so Foster. "Jetzt können sie sagen: Das ist nicht unser Problem."

Mit Inkrafttreten des Sicherheitsabkommens zwischen den USA und Afghanistan am 1. Januar 2015 sollen alle Haftanstalten im Land der Kontrolle der afghanischen Behörden unterstehen. Der Nato-geführte Kampfeinsatz in Afghanistan endet Ende des Jahres. Von kommendem Jahr an soll eine deutlich kleinere Militärmission die afghanischen Sicherheitskräfte mit Ausbildern und Beratern unterstützen, an dieser Nachfolge-Mission beteiligt sich auch die Bundeswehr.

Afghanistans Präsident Aschraf Ghani fordert unterdessen Aufklärung über die Zahl der afghanischen Opfer in den US-Gefängnissen: "Wir wollen genau wissen, wie viele Menschen gefoltert wurden." Laut dem Senatsbericht waren auch Afghanen unter den Folteropfern der CIA. Nicht alle würden in dem Bericht namentlich genannt, sagte Ghani.

vet/AFP/AP/Reuters

insgesamt 4 Beiträge
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herbst 11.12.2014
1.
Nach all dem wird es schwer für die USA, auch von Menschen wie mir, die Land und Leute sehr mögen, als ein zivilisierter Staat gesehen zu werden. Wie auch wir Verantwortung für das teils unverantwortbare aussenpolitische Tun unserer Politiker tragen, können sich auch die Bürger der Vereinigten Staaten nicht unauffällig pfeifend vom Schauplatz verziehen.
ugt 11.12.2014
2. Das passt...
Die CIA hat diese Leute erst ungerechtfertigt eingesperrt, ihnen den Rechtsbestand untersagt, gefoltert und jetzt werden sie zur Entsorgung ( Hinrichtung ) den Afghanen übergeben. Die Amerikaner ( alle ) zucken mit den Schultern und sagen "not my fault". Und wie Es die US Regierung gesagt hat, Straftaten gegen nicht Amerikaner werden nicht verfolgt. Und so eine Nation spricht von Menschenrechten, Demokratie und Freiheit?
Ulrich Berger 11.12.2014
3. Ich lese ueberall
nur von Folter und Folteropfern. Allerdings kann man doch wohl davon ausgehen, dass der Eine oder Andere einfach zu weich fuer diese amerikanische Welt war und starb - was man dann wohl Mord nennt? Ausserdem sitzen immer noch 136 Menschen in Guantanamo, zumindest ein Teil davon unschuldig, was ist mit denen?
Daueronline 11.12.2014
4. Das ist doch nur die Spitze des Eisberges
Die Veröffentlichung der Foltermethoden wie die im Bericht genannten wurden doch vorher von der CIA abgesegnet. Viel interessanter ist doch, welche Methoden nicht veröffentlicht wurden. Ich denke mal, dass beispielsweise die Elektroschocks, die in den jetzigem Bericht bemerkenswerter Weise nicht auftauchen, die man vor Jahren schon auf den geleakten Fotos von Abu-Ghuraib sehen konnte auch nur ein Teil sind. Das schlimmst wird nach und nach rauskommen. Und das ärgerliche ist die Gewissheit, dass wahrscheinlich jeder Staat wenn es drauf ankommt sich eine feuchten Kericht um irgendwelche Konventionen schert... Das Volk ist dumm.
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