USA und Jerusalem Trumps Botschaft mit der Botschaft

Donald Trump macht Ernst: Inmitten einer aufgeheizten Stimmung zieht die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. Was bedeutet der Schritt?
Neues Straßenschild weist auf US-Botschaft hin

Neues Straßenschild weist auf US-Botschaft hin

Foto: ABIR SULTAN/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Die Wegweiser zur "US Embassy" sind schon montiert, an den Straßenlaternen hängen Bauarbeiter israelische und amerikanische Flaggen auf. Und rund um das sandfarbene Gebäude des US-Konsulats stehen weitläufig Sicherheitsleute.

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Mehr sichtbare Veränderungen gibt es nicht.

Dabei ist das, was in Arnona, einer ruhigen Wohngegend in Westjerusalem bevorsteht, ein politischer Paukenschlag - und je nach Standpunkt Provokation, längst überfällig oder gefährlicher Alleingang: Nicht einmal ein halbes Jahr, nachdem US-Präsident Donald Trump Jerusalem entgegen internationaler Absprachen und dem Rat eigener Berater als Hauptstadt Israels anerkannte, eröffnen die USA am Montag hier ihre Botschaft.

Eine große US-Delegation - allerdings ohne Trump - reist an. Und um dem Spektakel noch mehr Pathos zu verleihen, haben sich die Amerikaner Israels 70. Jahrestag am 14. Mai für die Eröffnung ausgesucht. Der US-Präsident Donald wird per Videoschaltung eine Rede halten. Dies teilte ein US-Regierungsmitarbeiter am Freitag mit.

Maximale Symbolik. Dabei ist der neue Standort der Botschaft im Gebäude des US-Generalkonsulats in Jerusalem nur provisorisch, die Verlegung in Wahrheit nur ein Mini-Umzug. Der Großteil der US-Diplomaten bleibt in Tel Aviv. Nur Botschafter David Friedman und wenige Mitarbeiter beziehen ihre Büros in Jerusalem, sollen aber noch zwischen Tel Aviv und Jerusalem pendeln. Bis ein eigenes Gebäude fertig sei, werde es Jahre dauern, sagte eine US-Sprecherin.

Die Botschaft hinter der Botschaft aber bleibt davon unbenommen: Die USA verschaffen mit der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels im Streit um die Heilige Stadt einen deutlichen Vorteil.

Jerusalem

Entsprechend euphorisch nimmt die israelische Regierung das Geburtstagsgeschenk an. Vor dem neuen Botschaftsstandort wird ein Platz nach Trump benannt. Der Umzug sei eine "historische, wichtige und dramatische" Entscheidung, sagte Verteidigungsminister Avigdor Lieberman. Fragt man Passanten im Westen Jerusalems, bekommt man immer wieder zu hören: Der Schritt Amerikas sei der einzig logische und richtige. "Es gibt keinen Zweifel daran, dass Jerusalem Israels Hauptstadt ist", sagt ein Mann.

Die Begeisterung auf israelischer Seite ist umso größer, weil Trumps Vorstoß eine Art Dominoeffekt ausgelöst hat. Mehrere andere Länder wollen dem Beispiel Amerikas folgen und ihre Botschaften ebenfalls nach Jerusalem verlegen.

Spannungen könnten eskalieren

Die Freude der einen steht in scharfem Kontrast zur Reaktion der Palästinenser. Die untereinander zerstrittenen Führungen - die radikalislamische Hamas und die gemässigtere Fatah - hatten Trumps Jerusalem-Vorstoß, gleichermaßen verdammt. Palästinenserpräsident Abbas, der zuletzt mit antisemitischen Ausfällen in die Schlagzeilen geriet, hatte nach Trumps Ankündigung erklärt, er werde künftig die Amerikaner nicht mehr als Vermittler bei möglichen Friedensverhandlungen akzeptieren.

Ein solcher Vermittler wäre aktuell nötiger denn je: Zwar ist nach Trumps Entscheidung im Dezember die große Gewaltwelle, die manche befürchtet hatten, ausgeblieben. Trotzdem kommen die US-Vertreter, die zur Botschaftseinweihung anreisen, in ein Land, in dem aktuell wieder größte Spannungen herrschen. Spannungen, die nur einen Tag nach der Eröffnung weiter eskalieren könnten.

Arbeiten am vorübergehenden Botschaftsstandort in Jerusalem

Arbeiten am vorübergehenden Botschaftsstandort in Jerusalem

Foto: THOMAS COEX/ AFP

Denn die seit sechs Wochen andauernden Massenproteste im Gazastreifen steuern am 15. Mai , dem "Nakba"-Tag, an dem Palästinenser der Flucht und Vertreibung Hunderttausender rund um die Staatsgründung Israels gedenken, auf ihren Höhepunkt zu. Und schon jetzt ist die Bilanz der Demonstrationen blutig: Israelische Soldaten haben Dutzende Palästinenser, die sich trotz entsprechender Warnungen von Gaza aus - zum Teil bewaffnet - den israelischen Grenzanlagen näherten, erschossen.

"Ansehen der USA hat Tiefpunkt erreicht"

In Gaza ist die Lage ohnehin explosiv. Ob die Botschaftsfrage ein weiterer Faktor ist, der mehr Menschen auf die Straße treibt oder zu mehr Gewalt führt - am Ende wird das kaum nachzuweisen sein.

Die bedeutsamere Frage ist: Hat die Eröffnung Potenzial, gewaltsame Proteste auch in das Westjordanland und Jerusalem zu tragen? Er rechne nicht mit größeren Gewaltausbrüchen wegen der US-Botschaft, sagt Marc Frings, Leiter des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ramallah.

In Jerusalem sei die Situation ohnehin speziell. Die dort lebenden Palästinenser fühlten sich seit Langem vernachlässigt, sowohl von der dortigen israelischen Verwaltung als auch von der eigenen Führung. "Deshalb galt Trumps Jerusalem-Entscheidung nur als Bestätigung einer ohnehin schon fatalen Entwicklung", sagt Frings. "Neu ist maximal, dass das Ansehen der USA einen weiteren Tiefpunkt unter den Palästinensern erfahren hat: Mir sagen nun Palästinenser, dass die USA offen an die Seite der israelischen Besatzung getreten ist."

Tatsächlich äußern Palästinenser in Ost-Jerusalem Resignation statt Wut. "Ob nun die Botschaft in Jerusalem oder in Tel Aviv ist, ändert doch auch nichts mehr. Wir Palästinenser sind ohnehin nur der Spielball der anderen", sagt ein älterer Mann, Inhaber eines kleinen Lebensmittelladens.

Wie kann es vor dem Hintergrund dieser Stimmung weitergehen mit Nahost und den USA in Nahost?

Wenn es nach Trump geht, dann wieder mit großen Gesten. Vertrauensverlust bei den Palästinensern hin oder her. Es gibt Gerüchte, wonach der US-Präsident schon bald nach der Botschaftseröffnung mit dem von ihm so oft beschworenen Vorschlag für einen ultimativen Friedensdeal  herausrücken könnte.