Uno-Sicherheitsrat USA und Russland werfen sich gegenseitig Wettrüsten vor

Scharfe Worte im Uno-Sicherheitsrat: Moskau beschuldigte die USA, einen neuen Rüstungswettlauf anzuheizen. Der US-Vertreter hatte seinerseits Fragen zu dem mysteriösen Waffentest im russischen Norden.

US-Waffentest (Archivbild): Eine neue Eskalation könnte bevorstehen
Ian Dudley/Handout/ REUTERS

US-Waffentest (Archivbild): Eine neue Eskalation könnte bevorstehen


Am Sonntag hat das US-Militär von der kalifornischen San-Nicolas-Insel aus einen Marschflugkörper getestet - nun sorgt der Vorgang für hitzige Debatten bei den Vereinten Nationen. Die USA und Russland haben sich im Uno-Sicherheitsrat gegenseitig vorgeworfen, ein neues Wettrüsten voranzutreiben.

Der stellvertretende russische Uno-Botschafter Dmitri Poljanski sagte am Donnerstag im Sicherheitsrat in New York, der Test der US-Mittelstreckenrakete zeige, dass die USA "bereit für einen neuen Rüstungswettlauf" seien. Russland dagegen setze auf einen "ernsthaften Dialog" zur Rüstungskontrolle, behauptete er.

Der US-Diplomat Jonathan Cohen entgegnete, Russland und China würden von den USA Zurückhaltung bei der Rüstung erwarten, während sie selbst "unvermindert und unverfroren" Aufrüstung betrieben. Der US-Waffentest vom vergangenen Sonntag sei "weder provokativ, noch destabilisierend".

US-Waffentest am vergangenen Sonntag: Wenig Begeisterung in Russland
AFP/Scott HOWE

US-Waffentest am vergangenen Sonntag: Wenig Begeisterung in Russland

Russland hatte die Sitzung des Uno-Sicherheitsrats nach dem Test einer US-Mittelstreckenrakete gefordert. Die USA hatten rund zwei Wochen nach dem Ende des INF-Abrüstungsvertrags nach Pentagon-Angaben eine landgestützte und konventionelle Rakete von mehr als 500 Kilometern Reichweite abgefeuert. Der Raketentest wäre unter den Vorgaben des INF-Vertrags noch verboten gewesen.

Die Beendigung des Abkommens durch die USA und Russland am 2. August hat weltweit die Ängste vor einem neuen und gefährlichen Rüstungswettlauf geschürt. Das 1987 zwischen den Vereinigten Staaten und der damaligen Sowjetunion geschlossene Abkommen verbot landgestützte Raketen und Marschflugkörper mit einer Reichweite zwischen 500 und 5500 Kilometern, die Atomsprengköpfe tragen können.

USA sprechen mysteriösen Vorfall in Russland an

Im Uno-Sicherheitsrat kam US-Diplomat Cohen auch auf den mutmaßlichen atomaren Unfall auf einem russischen Testgelände vor zwei Wochen zu sprechen. "Was genau ist am 8. August in Russland passiert? Was hat die Explosion verursacht, was für ein System war es, und welchem Zweck dient dieses System?"

Der Unfall mit fünf Toten hatte sich auf einer Plattform im Meer auf dem Testgelände Nyonoska ereignet, das rund 30 Kilometer von der Stadt Sewerodwinsk entfernt ist. Russland hat nur wenige Angaben zu der Explosion gemacht. Experten sehen das Unglück im Zusammenhang mit der Entwicklung einer atombetriebenen Rakete.

Im Raum steht der Vorwurf, Russland habe eine Rakete des Typs SSC-X-9 "Skyfall" ausprobiert, davon spricht auch US-Präsident Donald Trump. Dabei handelt es sich um ein von Präsident Wladimir Putin als Wunderwaffe gepriesenen atomar betriebenen Marschflugkörper.

Was geschah auf der russischen Militärbasis wirklich?

Eine weitere Entwicklung lässt neue Fragen aufkommen: Nach der Explosion von Njonoksa haben die Stationen der CTBTO (Organisation des Vertrages über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen) auf russischem Boden keinerlei Ergebnisse aufgezeichnet.

Die Stationen, die sich am nächsten am Verbreitungsgebiet der möglichen radioaktiven Wolke befinden, stoppten zum fraglichen Zeitpunkt die Übermittlung von Daten an das CTBTO-Hauptquartier in Wien.

Ein Sprecher der CTBTO bestätigt auf Anfrage des SPIEGEL den Ausfall der beiden Stationen in Dubna und Kirow am 10. August. Drei Tag später stellten außerdem zwei weitere, östlich gelegene Stationen die Datenübermittlung ein. Von russischer Seite gibt es keine Erklärung für den Stop der Übertragung zu diesem kritischen Zeitpunkt.

jok/AFP

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