Trotz Drohungen aus Pjöngjang USA und Südkorea starten Militärmanöver

Pjöngjang spricht von einem "Ausdruck der Feindseligkeit" - doch die USA und Südkorea bleiben bei ihren Plänen: Soldaten beider Länder haben mit einer großen Militärübung begonnen.

Südkoreaner und US-Soldaten im gemeinsamen Manöver (Archivbild vom April 2017)
Getty Images

Südkoreaner und US-Soldaten im gemeinsamen Manöver (Archivbild vom April 2017)


17.500 US-Soldaten marschieren in Südkorea auf - für eine Übung. Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und Seouls haben mit "Ulchi Freedom Guardian" begonnen, ein jährliches Militärmanöver. Dieses Mal aber ist es ein besonders brisantes Projekt.

Die Spannungen zwischen Südkorea und den verbündeten Amerikanern auf der einen und Pjöngjang auf der anderen Seite sind extrem. (Lesen Sie hier eine Reportage von der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea.) Die Sorge: Nordkorea könnte auf die Übung beispielsweise mit neuen Raketentests reagieren.

US-Präsident Donald Trump hatte dem kommunistischen Regime zuletzt nach zwei Interkontinentalraketentests im Juli mit "Feuer und Wut" gedroht. Die Führung in Pjöngjang drohte daraufhin, Raketen in Gewässer nahe der US-Pazifikinsel Guam zu feuern, auf der Washington einen strategisch wichtigen Militärstützpunkt unterhält. Letztlich stellte Nordkorea diese Pläne dann aber erst einmal zurück.

Im Zentrum der seit Langem geplanten elftägigen Militärübung stehen nun computergestützte Simulationen eines Kriegs auf der koreanischen Halbinsel. 3000 amerikanische Soldaten seien dazu eingeflogen worden, teilte ein Sprecher der US-Streitkräfte in Korea (USFK) mit. Die USA haben in Südkorea 28.500 Soldaten zur Abschreckung stationiert. US-Verteidigungsminister James Mattis betonte am Sonntag den defensiven Charakter der Übung: Ziel sei es, die Fähigkeit und Bereitschaft der USA sicherzustellen, "Südkorea und unsere Verbündeten zu verteidigen".

Am Sonntag kritisierte die offizielle nordkoreanische Zeitung "Rodong Sinmun" das amerikanisch-südkoreanische Manöver als "Ausdruck der Feindseligkeit". Niemand könne garantieren, "dass die Übung nicht in Kampfhandlungen" münde. Das wegen seines Atomprogramms diplomatisch isolierte Land unterstellt den USA regelmäßig, einen Angriff vorzubereiten. Washington bestreitet dies.

US-Soldaten bei der Übung im vergangenen Jahr (Archiv)
AP

US-Soldaten bei der Übung im vergangenen Jahr (Archiv)

Gabriel sieht Berlin nicht in Vermittlerrolle

Deutschland wiederum zählt zu den wenigen Ländern, die eine Botschaft in Pjöngjang haben - und damit auch gewisse Gesprächskanäle zur nordkoreanischen Führung. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) sieht jedoch keinerlei deutsche Vermittlerrolle im Atomstreit mit Pjöngjang. "Ich rate zu Zurückhaltung, was eine deutsche Rolle angeht", sagte der Vizekanzler. "Das ist ein Konflikt auf der anderen Seite der Erde. Das fände man dort ungewöhnlich, wenn wir uns als Vermittler anbieten würden."

kev/AFP/dpa



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