Bürgerkrieg in Syrien USA und Türkei beraten Flugverbotszone

Unterstützung für die Rebellen: Die USA und die Türkei erwägen die Einführung einer Flugverbotszone, um die Luftangriffe des Assad-Regimes auf die Opposition zu stoppen. US-Außenministerin Clinton will die Option prüfen. Es sei jedoch noch eine "grundlegende Analyse" nötig.

Syrischer Kampfflieger beim Abfeuern einer Rakete in der Nähe von Aleppo, 8. August
REUTERS

Syrischer Kampfflieger beim Abfeuern einer Rakete in der Nähe von Aleppo, 8. August


Die USA und die Türkei denken zur Unterstützung der Rebellen über die Einrichtung einer Flugverbotszone über Syrien nach. Das sei eine der möglichen Optionen, wegen denen die Zusammenarbeit mit der Türkei vertieft werden solle, sagte US-Außenministerin Hillary Clinton nach Gesprächen mit ihrem türkischen Amtskollegen Ahmet Davutoglu in Istanbul. Eine von der Nato durchgesetzte Flugverbotszone hatte im vorigen Jahr den libyschen Rebellen geholfen. Ein solcher Schritt würde aber ein offenes Eingreifen von Streitkräften bedeuten, das der Westen in Syrien bisher vermieden hat. Zudem könnte dies Spannungen mit Russland und China hervorrufen, die Uno-Sanktionen gegen Assad verhindert haben.

"Unsere Nachrichtendienste und unser Militär haben eine große Verantwortung und spielen eine wichtige Rolle, deshalb werden wir eine Arbeitsgruppe einsetzen, die sie genau dabei unterstützt", sagte Clinton über die Zusammenarbeit der USA mit der Türkei. Nach einer möglichen Flugverbotszone gefragt, sagte Clinton, sie und ihr türkischer Kollege Davutoglu seien sich darüber einig, dass diese Option einer "grundlegenden Analyse" bedürfe. Man spreche zwar über alle Handlungsmöglichkeiten, aber "man kann keine vernünftigen Entscheidungen ohne intensive Analyse und konkrete Planung treffen". Trotz dieser einschränkenden Worte ist Clintons Einlassung der bisher deutlichste Schritt der USA hin zur Einrichtung einer Flugverbotszone seit Beginn des Konflikts in Syrien.

Hollande weiterhin für politische Lösung

Der französische Präsident François Hollande bekräftigte unterdessen die Absicht seiner Regierung, weiterhin eine politische Lösung für den Syrien-Konflikt zu suchen. Frankreich habe Mediziner nach Jordanien geschickt, um die Not der dortigen Flüchtlinge zu lindern. "Wir übernehmen unsere humanitäre Verantwortung, unterstützen die syrische Opposition und helfen bei der Herbeiführung einer politischen Veränderung in Syrien", sagte Hollande am Rande einer Trauerfeier für einen in Afghanistan getöteten französischen Soldaten am Samstag. Hollandes Vorgänger Sarkozy hatte am Mittwoch eine internationale Militärintervention in Syrien gefordert.

Nach Kämpfen zwischen syrischen und jordanischen Truppen wächst die Furcht vor einem Übergreifen des Bürgerkriegs auf Nachbarländer. Soldaten beider Staaten lieferten sich in der Nacht zum Samstag ein Gefecht im Grenzgebiet. Es war der schwerste Kampf zwischen den Ländern seit Beginn des Aufstands gegen den syrischen Staatschef Baschar al-Assad im vergangenen Jahr. In der Millionenstadt Aleppo wurde unterdessen weiter gekämpft. Auch in der Hauptstadt Damaskus kam es wieder zu Schießereien.

Die Auseinandersetzungen in der Region Tel Shebab-Turra begannen nach Angaben aus der syrischen Opposition am späten Freitagabend, als syrische Truppen auf Flüchtlinge schossen, die die Grenze nach Jordanien überqueren wollten. Dabei seien auch gepanzerte Fahrzeuge eingesetzt worden. Von jordanischer Seite wurde das Gefecht bestätigt. Zwar haben jordanische Soldaten schon auf syrische Truppen gefeuert, um den Beschuss von Flüchtlingen zu stoppen. Doch war dies der bislang schwerste Zwischenfall an der Grenze seit Beginn des Konfliktes, der sich zu einem Bürgerkrieg ausgeweitet hat.

Rebellen in Aleppo klagen über Munitionsmangel

In Aleppo setzten Regierungstruppen den Vormarsch gegen die Rebellen fort, die ihnen an Zahl und Feuerkraft unterlegen sind. Anführer der Aufständischen klagten über einen Mangel an Waffen und Munition. Die Lager von Waffenhändlern seien so gut wie ausverkauft, die Preise für Munition seien in den vergangenen zwei Tagen um 70 Prozent gestiegen. Auch in Damaskus flammten die Kämpfe auf, wie Bewohner und das Staatsfernsehen berichteten. In der Nähe der Zentralbank habe es eine heftige Explosion gegeben.

Die Außenminister arabischer Staaten werden einer Meldung des amtlichen ägyptischen Fernsehens zufolge am Sonntag über den Syrien-Konflikt beraten. Bei dem Treffen im saudi-arabischen Dschidda werde auch über den künftigen Syrien-Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga gesprochen, hieß es. Für das Amt ist Diplomaten zufolge der frühere algerische Außenminister Lakhdar Brahimi im Gespräch. Brahimi appellierte an die internationale Gemeinschaft, ihre Differenzen so schnell wie möglich zu überwinden. "Millionen Syrier rufen nach Frieden."

Volksmudschahidin wollen verschleppte Iraner identifiziert haben

Die iranische Oppositionsgruppe "Iranische Volksmudschahidin" hat nach eigenen Angaben einige der Anfang August von syrischen Rebellen verschleppten Iraner identifiziert. Die iranische Regierung hatte sie als Pilger bezeichnet, die syrische Opposition bezeichnete sie als Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden. Diese Sicht wird nun von der Gruppe bestätigt. Diese "Volksmudschahidin" wollen Kommandeure und hochrangige Offiziere der iranischen Revolutionsgarden unter den 48 Verschleppten erkannt haben. SPIEGEL ONLINE liegt eine Liste mit neun Namen, dem Rang und den Herkunftsorten der Männer vor. Überprüfbar sind diese Angaben nicht.

Die "Iranischen Volksmudschahidin" behaupten, über Informationen aus Iran zu verfügen, nach denen die 48 Männer aus dem ganzen Land für einen verdeckten Einsatz in Syrien zusammengezogen worden seien. Sie seien angewiesen worden, sich als Pilger auszugeben und unbewaffnet nach Syrien eingereist. Erst dort seien sie mit Waffen ausgestattet worden.

14 der Verschleppten seien Kommandeure der iranischen Revolutionsgarden aus der Provinz West-Aserbaidschan, darunter der Kommandeur des dortigen Corps der Revolutionsgarden, der stellvertretende Sicherheitschef, der Kommandeur des Heeres sowie einige Aufklärer, dazu einige Bataillonskommandeure, Regionalkommandeure und ein Mullah.

Nach ebenfalls nicht überprüfbaren Angaben der Gruppe "Iranische Volksmudschahidin" habe Iran bereits am 4. August offiziell erklärt, wegen der unsicheren Lage keine Pilger nach Syrien reisen zu lassen - was die später verbreitete offizielle Version, es handele sich bei den Verschleppten um Pilger, zusätzlich erschüttern würde.

kuz/Reuters



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Seite 1
simon23 11.08.2012
1.
Zitat von sysopREUTERSUnterstützung für die Rebellen: Die USA und die Türkei erwägen die Einführung einer Flugverbotszone, um die Luftangriffe des Assad-Regimes auf die Opposition zu stoppen. US-Außenministerin Clinton will die Option prüfen. Es sei jedoch noch eine "grundlegenden Analyse" nötig. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,849556,00.html
Das sollten sie sich ohne UN-Beschluss gut überlegen. Das wäre nämlich dann ein Angriffskrieg. Letztendlich könnten sie es nur durchziehen, wenn sie vorher einen Angriff auf NATO-Boden "getürkt" haben. Von selber wird dieser nämlich nicht kommen. Ansonsten stehen ihnen die Russen im Weg. Will man das wirklich? Es ist kein Wunder, das solche Berichte kommen, wenn die Rebellen in die Defensive geraten. Aber Frau Clinton läuft Gefahr kopflos zu werden.
bloub 11.08.2012
2.
Zitat von sysopREUTERSUnterstützung für die Rebellen: Die USA und die Türkei erwägen die Einführung einer Flugverbotszone, um die Luftangriffe des Assad-Regimes auf die Opposition zu stoppen. US-Außenministerin Clinton will die Option prüfen. Es sei jedoch noch eine "grundlegenden Analyse" nötig. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,849556,00.html
offenbar sind die "rebellen" militärisch geschlagen, das nur noch lufteinsätze von aussen helfen, siehe libyen.
bayrischcreme 11.08.2012
3.
Zitat von sysopREUTERSUnterstützung für die Rebellen: Die USA und die Türkei erwägen die Einführung einer Flugverbotszone, um die Luftangriffe des Assad-Regimes auf die Opposition zu stoppen. US-Außenministerin Clinton will die Option prüfen. Es sei jedoch noch eine "grundlegenden Analyse" nötig. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,849556,00.html
Offenbar siehts nicht allzu gut aus für die Rebellen.
leser008 11.08.2012
4. Flugabwehr
Ohne UN Beschluss einfach so ein Land angreifen ? Und wenn sich die Syrer dann wehren; haben wir dann den NATO Bündnisfall ? Muss ich dann wieder einrücken ? Spass beiseite; die Syrische Flugabwehr ist hervorragend und würde sofort einige von den Friedensfliegern runterholen. Kennen die Türken doch schon.
Namal 11.08.2012
5.
Was will Clinton nochmal prüfen? Die russische Aussage, dass man es nicht zulassen wird?
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