Allianz gegen "Islamischen Staat" USA verhängen Infosperre gegen Türkei 

Nutzt die Türkei Informationen aus dem Kampf gegen den "Islamischen Staat" für ihre Offensive in Syrien? Das Pentagon befürchtet das - und hat nach SPIEGEL-Informationen Konsequenzen gezogen.

Awacs-Aufklärungsflugzeug: Teil der Mission gegen den "Islamischen Staat"
Russ Scalf/ U.S. Air Force/ REUTERS

Awacs-Aufklärungsflugzeug: Teil der Mission gegen den "Islamischen Staat"


Die USA haben die Türkei wegen der Invasion im Norden Syriens weitgehend aus der internationalen Militärkoalition gegen den "Islamischen Staat" (IS) ausgeschlossen. Nach SPIEGEL-Informationen ordnete das Pentagon bereits am 9. Oktober an, dass die Türkei im Hauptquartier der "Counter Daesh"-Koalition im katarischen al-Udeid keinerlei Aufklärungs- oder Operationsdaten der Allianz mehr erhält. An diesem Tag hatte das türkische Militär die ersten Luftangriffe im Norden Syriens geflogen und kurdische Stellungen mit Artillerie beschossen.

Der Informationsaustausch ist das Herzstück der Koalition. Mittlerweile gehören ihr mehr als 50 Staaten an, aber nur einige nehmen an Militäroperationen gegen den IS teil.

Hintergrund der Strafmaßnahme sind Befürchtungen des Pentagon, dass Ankara die Aufklärungsergebnisse der Koalition für die Planung der eigenen Operationen gegen die Kurden im Norden Syriens benutzt. Bei der Mission gegen den IS werden täglich Daten durch Flugzeuge, Satelliten und Drohnen erstellt.

In Militärkreisen wurde der Schritt der USA als "Ohrfeige für Erdogan" bezeichnet. Faktisch hätten die USA die Türkei durch den Schritt aus der von Washington angeführten Koalition geworfen.

Die Bundeswehr, die die Region für die Koalition fast jeden Tag mit Aufklärungsjets vom Typ "Tornado" überfliegt, hat wegen des Misstrauens gegenüber der Türkei seit jeher keine Bilder vom Norden Syriens oder dem Irak an die Koalition weitergegeben. In der Bundesregierung gab es Befürchtungen, die Türkei könnte ansonsten die Informationen für andere Zwecke als den Einsatz gegen den "Islamischen Staat" auswerten.

Die Allianz zur Bekämpfung des IS wurde 2014 von den USA ins Leben gerufen und ist seitdem immer größer geworden. Die Bundeswehr beteiligt sich mit Aufklärungsjets und Tankflugzeugen an der Mission über Syrien und dem Irak.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
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mgb

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senioriii 16.10.2019
1. Ehrlos nach Kobane
Was in der Diskussion um den türkischen Einmarsch in Vergessenheit geraten ist, ist die Schlacht um Kobane. Die Stadt, die wenige Kilometer von der türkischen Grenze entfernt ist, wurde 2014 vom IS angegriffen. Es gab Bilder von türkischen Panzern, die an der Grenze aufgefahren waren, aber nichts taten, als die Kurden um ihr Leben kämpften und um das Leben anderer wie der Jesiden. Der IS hätte den Panzern im freien Gelände um Kobane nichts entgegensetzen können. Wenn die Panzer jetzt, nachdem der IS geschlagen ist und die Kurden sich gegen diesen Feind aufgerieben haben, plötzlich nach Syrien vorrücken, kann man das nur hinterlistig und feige nennen. Es ist völlig unverständlich, wie Türken auf dieses feige Verhalten stolz sein können und sich nicht in Grund und Boden schämen. Wenn man dazu noch an den Abschuss des russischen Bombers denkt, der nicht Kurden, sondern ein Turkvolk bombardiert hatte, sieht man, dass auch Rassismus im Spiel ist. Es ist wichtig, öffentlich zu machen, wie ehrlos dieses Vorgehen ist. Das wird Präsident Erdogan mehr treffen als jede Sanktion.
kuac 16.10.2019
2.
Das sind nur Symbolische Aktionen nach Trumps Rückzug. Türkei hat doch alle Infos, die sie braucht.
Ein User 16.10.2019
3. Prima...
Super, dass die USA nun auch mal darauf kommen und sensationell, dass die ständig gescholtene Regierung und ihre Bundeswehr schon deutlich früher auf den Trichter gekommen sind und dem Kasper aus Ankara zeigen was geht und was nicht. Das sollte auch klar so weitergehen. Wenn der freche Despot meint, er kann unseren Außenminister beleididen "der keine Grenzen kennt", sollte man dem kleinen Mann vom Bosporus selbige einmal aufzeigen und das noch viel deutlicher als aktuell...
jla.owl 16.10.2019
4. stoppt ihn...
völlig korrekte Entscheidung... Türkei sofort Isolieren... was soll da noch kommen, solange Erdogan dort herrscht... wenn ein Terroranschlag gegen eine kurdische Politikerin u. Nordsyrien von der Türkei als erfolgreiche Operation gesehen wird... Es ist lange klar, dass Erdogan auf einer anderen Seite steht, und das ist weder die Seite des Westens noch die Seite Russlands... Auch die Arabische-Liga wäre wohl bei eine Isolation dabei... im letzten Jahrhundert hat es die Welt versäumt, Deutschland früh genug zu isolieren... die Folgen sind bekannt...
blueeye2001 16.10.2019
5.
Dann bezieht die Türkei ihre Informationen eben über einen anderen Teilnehmer dieser Arbeitsgruppe
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