Streit über iranisches Atomprogramm USA verhängen Sanktionen gegen iranischen Außenminister Sarif

Die USA haben den iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif mit Sanktionen belegt. Der reagierte gelassen - und bedankte sich auf Twitter sogar für die Maßnahme.

Iranischer Außenminister Sarif (Archiv): "Danke, dass sie mich als so eine große Bedrohung ihrer Agenda wahrnehmen"
DPA

Iranischer Außenminister Sarif (Archiv): "Danke, dass sie mich als so eine große Bedrohung ihrer Agenda wahrnehmen"


Mit direkten Sanktionen wollen die USA den iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif unter Druck setzen. Sarif habe die "rücksichtslose Agenda" des geistlichen und staatlichen Oberhauptes Ajatollah Ali Chamenei umgesetzt, hieß es von der US-Regierung. Er befindet sich demnach nun auf der Sanktionsliste.

Sarif sei "das internationale Gesicht dieses Regimes, der die Propaganda und die Desinformationskampagnen zur Unterstützung von Teherans Nuklearprogramm, ballistischen Raketen und Terrornetzwerken anführt", begründete Washington den Schritt.

Das Büro des Verteidigungsministers sei eine Verlängerung des Büros des Obersten Anführers, so die US-Regierung. Man werde die Strategie des maximalen Drucks gegen Iran fortsetzen. Die Tür für Gespräche über das umstrittene Atomprogramm Irans sei aber weiterhin offen.

Sarif bezeichnet Maßnahmen als "wirkungslos"

Auch in das Hauptquartier der Vereinten Nationen könne Sarif wie gewohnt reisen. Die USA würden sich weiter an ihre Verpflichtungen unter den entsprechenden Uno-Vereinbarungen halten.

Die neuen Sanktionen gegen den als moderat geltenden Außenminister dürften die Spannungen zwischen den beiden Ländern weiter verschärfen. Sarif zeigte sich indes wenig getroffen durch die Maßnahmen - und bezeichnete die Sanktionen als "wirkungslos".

Er und seine Familie hätten keinerlei Besitz außerhalb des Irans, erklärte der Minister am Mittwoch via Twitter. "Danke, dass sie mich als so eine große Bedrohung ihrer Agenda wahrnehmen." Sarif mutmaßte, der Grund für die Sanktionen sei, dass er der wichtigste Sprecher Irans wäre.

Sarif gilt als einer der Architekten des Atomdeals. Der in Teheran geborene 59-Jährige hat in San Francisco studiert, besitzt einen Doktortitel in Politologie von der Universität Denver und spricht perfekt Englisch. Von 2002 bis 2007 war er Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York.

Seit dem Ausstieg der USA aus dem internationalen Atomabkommen mit Iran haben die Spannungen in der Golfregion massiv zugenommen. Seit Anfang Mai gab es eine Reihe von Zwischenfällen mit Schiffen, für die Washington die iranischen Revolutionsgarden verantwortlich macht.

Großbritannien hatte Anfang Juli schließlich einen iranischen Supertanker in Gibraltar festgesetzt - wegen der Vermutung, dass Schiff könne iranisches Öl nach Syrien bringen und damit gegen Sanktionen der USA und der EU verstoßen.

Iran hatte die Vorwürfe bestritten, setzte im Gegenzug jedoch am 20. Juli in der Straße von Hormus, der Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman, den britischen Tanker "Stena Impero" fest.

Die Bundesregierung hatte eine deutsche Beteiligung an einer US-geführten Marinemission zur Sicherung der Seewege in der Region abgelehnt. Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) sagte, er selbst stehe einer Marinemission unter Führung der Amerikaner "sehr skeptisch" gegenüber.

fek/dpa



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