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15. November 2001, 10:34 Uhr

USA versprechen Kopfgeld

25 Millionen Dollar für Bin Laden

Spezialeinheiten der US-Armee durchkämmen Afghanistan auf der Suche nach dem Terroristenführer Bin Laden, Pakistan will ihn nicht einreisen lassen. Das Volk soll bei der Fahndung helfen: Propagandasendungen und Flugblätter versprechen ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar.

Spezialeinheiten wollen sich jetzt an die Fersen von Osama Bin Laden heften
AP

Spezialeinheiten wollen sich jetzt an die Fersen von Osama Bin Laden heften

Kabul/Washington/London - Mehr als 100 Kommandoeinheiten der Special Forces befinden sich zurzeit im Süden Afghanistans. Sie seien mit Spezialfahrzeugen unterwegs und führten verdeckte Operationen gegen die Taliban und das Bin-Laden-Netzwerk al-Qaida durch, berichtet die New York Times am Donnerstag.

Die Special Forces hätten Straßensperren aufgebaut, um Taliban- und al-Qaida Führer aufzuspüren und abzufangen. Anders als im Norden sollen die Kommandogruppen bei ihrer schwierigen Mission diesmal aber nicht mit einheimischen Taliban-Gegnern zusammenarbeiten. Zusätzlich hat das Pentagon drei Kampfhubschrauber nach Usbekistan entsandt. Auch sie sollen bei der Suche nach Bin Laden und der Führungsriege der al-Qaida behilflich sein.

Pakistan will offenbar eine Flucht des Terroristenführers bin Laden und das Einsickern von Taliban über die Grenze verhindern. Die Posten im Südwesten des Landes, der an die Provinz Kandahar grenzt, seien verstärkt worden, teilten die Behörden am Donnerstag mit.

Auf die Frage, wer am Eindringen nach Afghanistan gehindert werden solle, sagte ein Beamter: "Es könnte sogar Osama bin Laden sein." Außerdem bewege sich eine Welle von Taliban-Kämpfern auf Pakistan zu.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte in einem Interview mit der Zeitung, möglicherweise hätte Bin Laden Zugang zu einem Hubschrauber. Vermutlich versuche er mit dem Helikopter aus einem der Täler Afghanistans abzuheben, um irgendwo in ein auf ihn wartendes Flugzeug zu steigen, das ihm die Flucht ermöglichen soll. Die USA vermuten, dass sich die Taliban-Führung und Bin Laden bislang in Höhlen, unterirdischen Bunkern oder auf unwegsamem Gelände verstecken könnten. Nach Erkenntnissen des pakistanischen Geheimdienstes haben inzwischen viele Anführer ihre Familien über die Grenze nach Pakistan geschickt.

Am Mittwoch hatte Rumsfeld die Suche nach dem Terroristenführer als äußerst schwierig bezeichnet. Es sei, so Rumsfeld, die "Suche nach der Nadel im Heuhaufen". Dennoch ließ er keinen Zweifel daran, dass das Aufspüren Bin Ladens und der Taliban-Anführer absolute Priorität für die US-Regierung habe.

Bei der Suche nach Bin Laden und dem Taliban-Führer Mohammed Omar, der sich nach Berichten der Nachrichtenagentur AIP wohlbehalten in Kandahar aufhalten soll, setzt das Pentagon aber nicht nur auf die eigenen Spezialeinheiten, sondern vor allem auf die Mithilfe der Bevölkerung.

Radiosendungen und Flugblätter

Inzwischen hat die Regierung in Washington eine Belohnung in der stattlichen Höhe von 25 Millionen Dollar für Bin Laden ausgelobt, meldet die "Washington Post".

Mit Hilfe der Airforce EC-130E "Commando Solo" werden Radio-Sendungen verbreitet, in denen die Bevölkerung über die Belohnung informiert wird. Zudem werden Flugblätter über dem Land abgeworfen.

US-Präsident Bush machte derweil deutlich: "Unser Militär und unsere Bodentruppen sind auf der Jagd, um das Ziel zu erreichen, und sie werden so lange dort bleiben, bis sie es geschafft haben."

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