Trump triumphiert in fünf US-Bundesstaaten Der Rüpel ist zurück

Für Donald Trump ist die Sache klar: Nach seinem jüngsten Sieg bei den US-Vorwahlen betrachtet er sich als einzig möglichen Präsidentschaftskandidaten seiner Partei. Und attackiert Hillary Clinton auf plumpe Art.

REUTERS

Von , New York


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Der Schnellzug "Acela" verbindet Amerikas Nordostmetropolen Washington, Baltimore, Philadelphia, New York, Boston. Angeblich kann er eine Höchstgeschwindigkeit von 241 Stundenkilometern schaffen - meist erreicht er gerade mal die Hälfte, wenn überhaupt.

Auch bei den Vorwahlen in den Bundesstaaten entlang der "Acela"-Route - Delaware, Maryland, Pennsylvania, Connecticut, Rhode Island - klafften Erwartung und Wirklichkeit weit auseinander: Groß waren die Hoffungen der Herausforderer auf beiden Seiten, den Spitzenreitern Donald Trump und Hillary Clinton den Sieg hier doch noch mal streitig zu machen. Die Realität sah dann anders aus:

Der Immobilienmogul Trump schlug seine republikanischen Widersacher Ted Cruz und John Kasich 5:0. Ex-Außenministerin Clinton schaffte ein 4:1, ihr Rivale Bernie Sanders landete einen Achtungserfolg in Rhode Island. "Für mich ist das gelaufen", prahlte Trump.

Donald Trump ohne echte Konkurrenz

Er feierte zunächst im Smoking. Aus gesellschaftlichem Anlass: Mit einer Gala zelebrierte das Magazin "Time" am Vorwahl-Abend seine Liste der 100 einflussreichsten Menschen - und Trump ist einer davon. Dann zog er sich schnell um (schwarzer Anzug, blaue Krawatte), erschien im Trump Tower. Er betrachte sich nunmehr als einzig möglicher Präsidentschaftskandidat.

Dann richtete er seine Geschütze auf Hillary Clinton, in einer plötzlich wieder auffallend brutalen Rede.

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Vorwahlen am "Super Tuesday": Sieg der Favoriten

"Crooked Hillary" nannte er seine Widersacherin, also korrupt, betrügerisch. Sie führe bei den Demokraten lediglich wegen ihres Frauen-Bonus: "Ehrlich gesagt: Ich glaube, wenn Hillary Clinton ein Mann wäre, käme sie nicht mal auf fünf Prozent der Stimmen." Von wegen "neuer", präsidial-seriöser Trump. Der Weg zur Kandidatur ist ihm nun jedenfalls so gut wie nicht mehr zu verbauen.

Cruz, der übrigens auch auf der "Time"-Liste landete, verflüchtigte sich derweil lieber - in den nächsten Vorwahlstaat Indiana. Doch seine Rede dort, die baldige Siegeszüge beschwor, klang fast wahnhaft. Mit jeder Niederlage schwindet seine Glaubwürdigkeit - und noch viel mehr die des Dauerverlierers Kasich - als Alternativkandidat bei einer Parteitags-Kampfabstimmung gegen Trump.

Cruz beschwört die nächsten Vorwahlen in Indiana als Wendepunkt: Er sieht den konservativen, religiösen Staat auf seiner Seite. Auftrieb gibt ihm sein Deal mit Kasich. Danach soll dieser seine Wähler dort an ihn abtreten, um die Anti-Trump-Stimmen zu bündeln. Doch selbst in Indiana tendieren die Umfragen zu Trump.

Und schon jetzt sind zwei Drittel der Republikaner bereit, den Milliardär auch dann zu unterstützen, sollte er die Mehrheit von 1237 Delegierten doch noch verfehlen.

Tagträumer Bernie Sanders

Bernie Sanders, Clintons Mitbewerber, wirkte wie eine Karikatur, als er in West Virginia auftrat. "Wir können die harten Realitäten unseres Lebens nicht unter den Teppich kehren", rief er heiser.

Seine Konkurrentin Hillary Clinton jedenfalls hat den Sieg bereits ziemlich sicher in der Tasche. Es gibt kein Szenario mehr, in dem Sanders sie doch noch schlägt, weder im Rennen um die Delegierten noch im Rennen um die Herzen der Demokraten, so gespalten die Partei auch sein mag. Jetzt bliebe ihm nur noch, ein würdiges Ende zu finden und einen Weg, seine Wählerbasis mit der Clintons zu verschmelzen, um ihre Chancen gegen Trump nicht zu sabotieren. Doch Sanders denkt nicht ans Aufgeben: "Wir bleiben im Rennen, bis die letzte Stimme gezählt ist", sagte er am Abend.

Die nächsten Wahlen in Guam, Nebraska, West Virginia, Kentucky, Oregon, Washington State, Virgin Islands und Puerto Rico sind praktisch bedeutungslos, werden an der Führung Trumps und Clintons nichts ändern.

Erst am 7. Juni wird es dann noch mal spannend, und zwar in Kalifornien, dem bevölkerungsreichsten Staat. Aber auch dort nur, weil es der endgültige Sargnagel sein dürfte für alle Herausforderer Trumps und Clintons, die bis dahin noch durchhalten.

Suche nach der Nummer zwei

Jetzt machen sich Wahlkampfteams und Medien verstärkt auf die Suche nach Vizekandidaten. Auf beiden Seiten werden bereits eine Reihe von Aspiranten gehandelt und dem offiziellen "Vetting" unterzogen, jenem akribischen, mühsamen Background-Check, der potenzielle Stolpersteine in ihrer Vergangenheit aufdecken soll.

Am weitesten ist Clinton, schließlich war ihr Vorwahlsieg am frühesten absehbar. Unter den lancierten Bewerbern: Sherrod Brown, Senator aus dem "Swing State" Ohio; Bauminister Julián Castro, der Latino-Jungstar; Tim Kaine, Senator aus dem Wechselwählerstaat Virginia; die progressive Senatorin Elizabeth Warren.

Bei den Republikanern: New Jerseys Gouverneur Chris Christie, Senator Marco Rubio, Carly Fiorina, Ex-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice - sowie die Noch-Kandidaten Ted Cruz und John Kasich.

Die Snapchat-Wahl

Erinnern Sie sich noch an den Trump-Protestler, der ein IS-Terrorist gewesen sein soll? Das von Trump selbst in die Welt gesetzte Märchen geisterte im März durch die News - ungefähr einen Tag lang. Dass es danach sofort wieder starb, lag aber nicht nur an seiner Absurdität, sondern am immer rasanteren Nachrichtengeschäft. Siege, Pleiten, Umfragehochs, Umfragetiefs, Patzer, Fauxpas, Skandale: Nichts hält vor.

Diese atemberaubende Verkürzung der Aufmerksamkeitsspanne bei den Medien und ihren Konsumenten hat auch schon einen Namen: die "Snapchat-Wahlen". Denn kaum eine technologische Erneuerung symbolisiert die Flüchtigkeit unserer Zeit - und ihrer Politik - besser als der nicht mal fünf Jahre alte Instant-Message-Dienst, dessen Fotos binnen Sekunden wieder verschwinden.

Zusammengefasst: In den jüngsten fünf US-Vorwahlen bauen Donald Trump und Hillary Clinton ihren Vorsprung weiter aus. Der Republikaner erklärt, die Sache sei "gelaufen" - und er greift Clinton scharf an, nennt sie "korrupt". Clintons innerparteilicher Rivale Bernie Sanders denkt noch nicht ans Aufgeben. Doch für die meisten US-Medien ist der Ausgang der Vorwahlen gewiss - sie spekulieren bereits, wen sich Trump und Clinton als Vizekandidaten an die Seite holen werden.

Zum Autor
Marc Pitzke ist US-Korrespondent für SPIEGEL ONLINE in New York.

E-Mail: Marc_Pitzke@spiegel.de

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insgesamt 91 Beiträge
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robertjcole 27.04.2016
1.
Wieso wird Donald Trump immer und immer wieder als Rüpel und ähnliches bei SPON bezeichnet? Sicher ist da etwas wahres dran, von einem Nachrichtenmagazin erwarte ich aber möglichst objektive Berichterstattung und davon haben Sie sich schon in der Überschrift verabschiedet. Überlassen Sie es doch dem Leser sich ein eigenes Bild zu machen.
ohne_mich 27.04.2016
2.
Sie können unken, Welle Sie wollen: was Trump über Clinton sagt entspricht zu 100% der Wahrheit, und die Welt kann nur beten, daß Clinton nicht Präsidentin wird.
virginia 27.04.2016
3. die clintons sind korrupt
pitzke war offensichtlich anfang der 90er jahre nicht in den usa. ich sage nur: whitewater, foster suizid, der job, den die tochter bei einem fernsehsender erhielt, obwohl sie null ahnung vom geschaeft hatte, merkwuerdige unterstuetzungen durch den huehnerkoenig tyson in arkansas. die liste ist lang. alles in allem: ein durch und durch korruptes paar, das sich durch luegen immer wieder luft verschafft. aber im endeffekt werden sie verlieren. hoffentlich....
ProDe 27.04.2016
4. Wahlen sind nun mal kein Wunschkonzert
nun müssen wir wohl mit Hillary oder Trump leben. Was zeigt uns das - Politik für die Mehrheit ist nicht mehrheitsfähig - wie in Deutschland. - Trotz Internet und sozialer Netze sind die traditionellen Medien immer noch sehr effektiv bei der Meinungsbildung. Selbst Trump ist trotz seiner klaren Mehrheit nicht sicher. - Geld hat Macht - Inhalte werde immer unwichtiger. Gerade im Wahlkampf gelten Inhalte als leere Wahlversprechen - Im Konflikt "Angst" gegen "Chance" gewinnen meist die Ängste. Jetzt wo sich also Trump gegen Clinton abzeichnet kann man nur hoffen, dass uns das Schlimmste erspart bleibt. Gemäßigter aber spontaner und schwer berechenbarer Dampf-Plauderer oder korrupte aber intelligente Radikale... bei Trump kann man noch Hoffnung haben, bei Clinton bleibt Angst. Ich spreche mich gegen die Angst aus und drücke Trump die Daumen.
Mastermason 27.04.2016
5.
"Ehrlich gesagt: Ich glaube, wenn Hillary Clinton ein Mann wäre, käme sie nicht mal auf fünf Prozent der Stimmen." Womit er sicherlich Recht hat.
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