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Gewaltdebatte in den USA Waffenlobby verlangt Abschiebung von CNN-Moderator

Amerika debattiert nach dem Schulmassaker von Newtown über schärfere Waffengesetze - und der Ton wird rauer. Weil CNN-Mann Piers Morgan einen Waffenlobbyisten als "unvorstellbar dummen Mann" schmähte, fordern die Anhänger des Beschimpften nun die Abschiebung des britischen TV-Moderators.
Moderator Morgan: "Sie scheren sich einen Dreck um die Zahl der Waffenmorde in Amerika"

Moderator Morgan: "Sie scheren sich einen Dreck um die Zahl der Waffenmorde in Amerika"

Foto: MARIO ANZUONI/ REUTERS

Washington - Die Debatte über schärfere Waffengesetze in den USA nimmt an Schärfe zu. Nach einer erregten TV-Diskussion über den Amoklauf von Newtown haben jetzt Tausende Anhänger der Waffenlobby eine Petition an das Weiße Haus gerichtet - und darin die Abschiebung des britischen CNN-Moderators Piers Morgan verlangt. Bis zum späten Sonntagabend erhielt die Forderung, den Starjournalisten zurück nach Großbritannien zu schicken, etwa 28.500 Unterstützer. Damit sich die Regierung damit befasst, sind 25.000 nötig.

In einem Interview am vergangenen Dienstag hatte Morgan den US-Waffenlobbyisten Larry Pratt einen "unvorstellbar dummen Mann" genannt, als dieser als Reaktion auf die Ereignisse von Newtown mehr statt weniger Waffen forderte. "Sie haben überhaupt kein schlüssiges Argument, Sie scheren sich einen Dreck um die Zahl der Waffenmorde in Amerika", sagte er zudem.

Die Unterzeichner der Petition sehen darin eine Verletzung des zweiten Zusatzartikels der US-Verfassung. Darin wird den Amerikanern das Recht auf den Besitz und das Tragen von Waffen garantiert. Gegner zweifeln das an.

Morgan selbst ist der Ansicht, dass die USA bestimmte Waffen wie halbautomatische Gewehre verbieten könnten. Der 47-Jährige reagierte mit einer trotzigen Bemerkung auf die Petition. Ironischerweise sei die Kampagne, ihn wegen eines Angriffs auf den zweiten Zusatzartikel der Verfassung abschieben zu wollen, nicht vom ersten Zusatzartikel gedeckt, twitterte Morgan - und nahm damit Bezug auf die Meinungsfreiheit.

Der Talkshow-Moderator, der im Januar 2011 beim US-Nachrichtensender CNN die Nachfolge von Larry King antrat, war jahrelang einer der führenden Boulevardjournalisten Großbritanniens: Von 1989 bis 1994 Reporter bei der "Sun", dann kurz Chefredakteur der "News of the World" und schließlich von 1995 bis 2004 Chefredakteur des "Daily Mirror".

Waffenlobby geht weiter auf Konfrontationskurs

Die Waffenlobby macht unterdessen weiter Front gegen die Pläne von Präsident Barack Obama, der nach dem Schulmassaker die Waffengesetze verschärfen will. Man werde jede Einschränkung des Rechts auf das Tragen einer Waffe bekämpfen, machten die Führer der einflussreichen National Rifle Association (NRA) am Sonntag in TV-Interviews deutlich.

Bei dem Amoklauf in der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown hatte ein 20-Jähriger am Freitag vor einer Woche 20 Kinder und sechs Erwachsene erschossen. Zuvor hatte der Täter zu Hause auch seine Mutter getötet. Nach der Bluttat erschoss er sich selbst.

Nicht die Waffen seien das Problem, sondern die Schützen, argumentierte NRA-Präsident David Keene im Sender CBS. "Ich sage nicht, dass jeder in psychischer Behandlung ein potentieller Killer ist. Ich sage nicht, dass jeder, der Videos guckt, ein potentieller Killer ist. Das stimmt nicht. Aber genauso wenig stimmt es, dass jeder, der eine Waffe besitzt, ein potentieller Killer ist."

"Paranoide Vision eines noch gewalttätigeren Amerikas"

NRA-Vize Wayne LaPierre kritisierte auch die von Obama zur Waffengewalt eingesetzte Taskforce unter Leitung von US-Vizepräsident Joe Biden. "Wenn das eine Kommission ist, die nur aus einem Haufen Leute zusammengesetzt wird, die schon in den vergangenen 20 Jahren versucht haben, den zweiten Zusatzartikel (zur Verfassung, Anm. d. Red.) zu zerstören, bin ich nicht daran interessiert, in dieser Kommission zu sitzen", sagte er dem Sender NBC.

Auch ein Verkaufsverbot der von Obama besonders kritisierten Sturmgewehre und Schnellfeuerwaffen mit großen Magazinen an Privatpersonen lehnt die NRA ab. "Es wird nicht helfen. Es hat nicht geholfen", sagte LaPierre mit Hinweis auf ein bereits zwischen 1994 und 2004 bestehendes Verbot, das unter US-Präsident George W. Bush ausgelaufen und nicht verlängert worden war. "Ich halte das für ein falsches Stück Gesetzgebung, und aus diesem Grund glaube ich nicht, dass es durchkommen wird: Es ist nur auf Lügen aufgebaut, die bereits aufgedeckt sind."

LaPierre hatte am Freitag mit seiner Forderung weltweit für Empörung gesorgt, als Konsequenz aus dem Schulmassaker in Connecticut landesweit bewaffnete Wächter in Grundschulen einzusetzen. Am Sonntag wiederholte er die Forderung. "Wenn es verrückt ist, nach der Polizei zur Sicherung der Schulen zu rufen, um unsere Kinder zu schützen, dann nennen Sie mich verrückt. Ich denke, dass die Amerikaner es verrückt finden, es nicht zu tun."

Die Kritik an LaPierres Äußerungen war heftig: Die "New York Times" nannte sie "verlogen, wahnhaft" und eine "fast verwirrte Hasstirade". Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg warf der NRA eine "paranoide Vision eines noch gewalttätigeren Amerikas" vor, in dem "jeder bewaffnet und kein Ort mehr sicher" sei.

wit/AFP/dpa