US-Präsident Trumps seltsamer Deutschland-Tick

Dauer-Attacke aus dem Weißen Haus: Donald Trump hat Deutschland und Kanzlerin Merkel offenbar als neue Lieblingsgegner auserkoren. Was steckt wirklich dahinter?
Angela Merkel, Donald Trump

Angela Merkel, Donald Trump

Foto: Michael Kappeler/ dpa

Sie hat es versucht. Sie wollte nett sein. Bei ihrem letzten Besuch in Washington kamen Kanzlerin Angela Merkel und Donald Trump ins Plaudern. Es ging auch um Persönliches. Die Kanzlerin schenkte dem Präsidenten etwa eine alte Karte der Pfalz, aus dieser Gegend kamen seine Großeltern um die Jahrhundertwende in die USA.

Angela Merkel, Donald Trump

Angela Merkel, Donald Trump

Foto: BPA/ REUTERS

Auch Trump gab sich freundlich. Er nahm sich Zeit, führte Merkel durch das Weiße Haus, zeigte ihr unter anderem das Schlafzimmer von Abraham Lincoln. Diese Ehre kommt nur wenigen Gästen zuteil.

Es hat alles nichts gebracht. Das Verhältnis zwischen den USA und Deutschland ist schlecht wie lange nicht - und auch zwischen Donald Trump und Angela Merkel läuft es wahrlich nicht rund. Was hat Donald Trump nur gegen Deutschland? Gegen Angela Merkel? Was ist wirklich das Problem?

Auf den ersten Blick scheint Trumps Deutschland-Tick irrational, ja, wirr. Tatsächlich dürften bei ihm auch Emotionen im Spiel sein, hinter den Attacken steckt aber zugleich ein sehr rationales Kalkül. Bei genauerer Betrachtung sind vier Gründe für Trumps Verhalten zu erkennen.

1. Das Feindbild "Angela" funktioniert im US-Wahlkampf

Angst vor unkontrollierter Einwanderung, die Angst vor Fremden, vor wachsender Kriminalität - das sind die wichtigsten Themen für Donald Trump. Damit mobilisierte er schon im Präsidentschaftswahlkampf seine überwiegend weiße Basis. Nun stehen die Zwischenwahlen im Herbst an, Trump muss einen Wahlsieg der Demokraten fürchten und macht deshalb wieder verstärkt Stimmung gegen Migranten. Dass Deutschland unter Angela Merkel viele Flüchtlinge ins Land gelassen hat, ist auch in den USA oft ein größeres Thema. Die Kanzlerin ist für viele Rechte zum Feindbild avanciert, fast schon so wie die einstige Trump-Gegnerin Hillary Clinton. Merkels Name steht wie eine Chiffre für eine angeblich verfehlte Einwanderungspolitik. Wenn Trump nun gegen Merkel schießt und falsche Zahlen über den angeblichen Anstieg der Kriminalität in Deutschland verbreitet, dann tut er das, um eine weit verbreitete Stimmung bei seinen Anhängern anzuheizen. Merkel ist sein Gegenbild: Er braucht sie, um sich selbst als harten Kämpfer gegen Einwanderung präsentieren zu können.

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2. Deutschland ist ein prima Sündenbock für amerikanische Probleme

Populismus à la Donald Trump funktioniert nicht nur über Feindbilder, sondern auch über Sündenböcke. Die Wahrheit über die US-Autoindustrie lautet: Sie ist seit Jahren international kaum wettbewerbsfähig, die Autos sind zu schlecht gebaut, unzuverlässig. Die Modellpolitik des Managements war lange verfehlt, die Fabriken sind ineffizient, die Arbeiter oft nicht ausreichend qualifiziert, weil es keine wirkliche solide Kultur der nachhaltigen Ausbildung gibt. Diese Wahrheit ist natürlich schmerzhaft, deshalb wird sie nicht ausgesprochen. So würde Trump seine Wähler im "Rust-Belt" und deren Lebenswerk beleidigen.

Stattdessen ist es für ihn leichter zu sagen: Andere sind schuld am Elend in Detroit und rund um den Lake Erie. Deutschland zum Beispiel. Oder Südkorea, wo ebenfalls bessere Autos gebaut werden als in den USA. Wenn Trump nun erneut mit Strafzöllen von 20 Prozent auf europäische und damit auch deutsche Autos droht, dann ist das der Versuch, vor den Wahlen Härte zu demonstrieren.

Er will seinen Wählern beweisen, dass er für sie und ihre vermeintlichen Interessen kämpft wie ein Löwe. Was am Ende dabei herauskommt, ist erst einmal zweitrangig. Hauptsache, die Optik stimmt bis zu den Midtermwahlen am 6. November.

3. Deutschland und Angela Merkel sind nicht gefügig

Als Geschäftsmann, aber auch als Präsident, erwartet Donald Trump, dass sich alle seinem Willen beugen. Er will immer der absolute Chef sein, er will angehimmelt werden und das Sagen haben. Deshalb sind ihm jene Staatenlenker am liebsten, die ihm möglichst hörig sind und ihn umschmeicheln. Einige kleinere Länder haben die Schleimerei zur neuen Disziplin in den diplomatischen Beziehungen erhoben. Um Trump zu umgarnen, kaufen sie zum Beispiel amerikanische Waffen oder steigen mit ihren Delegationen in Washington im Trump Hotel ab. Oder beides. Das ist natürlich lächerlich, aber leider die neue Realität in der Trump-Welt. Wer dem Präsidenten selbstbewusst widerspricht oder sogar Widerstand leistet, ist ein Gegner. Angela Merkel und viele Europäer sind Trump schlicht zu widerspenstig.

4. Angela Merkel ist vorbelastet

Natürlich ist Donald Trump nicht entgangen, dass Angela Merkel einen engen Draht zu seinem Vorgänger Barack Obama hatte und nach dessen Ausscheiden aus dem Amt als neue "Anführerin" des Westens gefeiert wurde. Damit ist sie für Trump automatisch vorbelastet: Trump lehnt die liberale, multilaterale Weltordnung, für die Merkel und Obama stehen, grundsätzlich ab. Er versucht, Obamas politisches Erbe zu zertrümmern. Das bringt ihn automatisch in einen Gegensatz zu Angela Merkel. Zuletzt wurde das wieder beim G-7-Gipfel in Kanada deutlich.

Nun wird darüber geredet, dass Trump mit seinen Tweets und Attacken gegen Deutschland Merkels Sturz mit herbeiführen wolle. Vor allem der Tweet von der vergangenen Woche, in dem er erklärte, "die Menschen in Deutschland" würden gegen ihre "Führung" rebellieren, hat diesen Eindruck bestärkt.

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In der amerikanischen Innenpolitik verfährt Trump genau nach dieser Methode: Kongressabgeordnete, die ihm nicht gefügig sind, ihn womöglich sogar kritisieren, werden von Trump attackiert. Meistens via Twitter. Bei einer ganzen Reihe von Politikern hat das bereits funktioniert, sie wurden entweder nicht wieder von ihrer Partei nominiert oder zogen sich selbst zurück.

Wird es auch in Deutschland funktionieren?

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