Kandidaten für US-Wahl 2020 Trump-Herausforderer, dringend gesucht

Nach dem Erfolg bei den Midterms suchen die US-Demokraten die richtige Strategie und einen passenden Kopf, um Donald Trump bei der Wahl 2020 aus dem Weißen Haus zu vertreiben. Wer traut sich?

Von , Washington


Die Frage kommt immer, ganz bestimmt. Wenn Michelle Obama, Ex-First-Lady der USA, in diesen Tagen irgendwo im Land auftritt, um für ihr neues Buch "Becoming" zu werben, muss sie sich stets erklären: Will sie nun Präsidentin werden oder nicht?

Sie lacht dann ihr typisches Michelle-Obama-Lachen und macht Späße: "Nein, nein, nein", verkündete sie im Sender ABC. Aber: "Ich könnte meine Tochter Sasha vorschlagen. Hey Sasha, hast Du Zeit?"

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Demokraten gegen Trump: Wer traut sich, 2020 anzutreten?

Die Witze der ehemaligen First Lady passen gut zur aktuellen Stimmung in ihrer Partei, den Demokraten: Sie sind nach dem Erfolg bei den Midterm-Wahlen gegen Donald Trump in der vergangenen Woche aufgekratzt und optimistisch wie lange nicht. Die Demokraten glauben wieder an einen möglichen Sieg bei der Präsidentenwahl 2020. Nur: Eine richtige Idee, wie sie Trump aus dem Weißen Haus vertreiben können, haben sie nicht. Noch nicht.

Etliche Fragen sind ungelöst:

  • Wer ist der passende Kopf, um gegen Trump zu bestehen?
  • Wer traut sich überhaupt?
  • Sollen die Demokraten ihre Macht im Repräsentantenhaus dazu nutzen, Trump scharf zu attackieren?
  • Oder wäre es besser, konkrete Gesetzesvorhaben für die Menschen zu verfolgen?

Bei der Personalfrage halten sich die potenziellen Kandidaten bedeckt, doch natürlich werden neben Michelle Obama etliche Namen gehandelt. Hier nur eine kleine Auswahl:

Der Trump-Schreck - Ex-Vizepräsident Joe Biden

Steve Marcus/ Las Vegas Sun/ AP

Praktisch alle Umfragen zeigen, dass der Politrentner unter den Anhängern der Demokraten besonders beliebt ist. In einer aktuellen Erhebung von Politico und Morning Consult liegt er mit 26 zu 19 Punkten vor dem Alt-Linken Bernie Sanders. Biden wird zugetraut, dass er gerade in jenen Gruppen punkten könnte, die bei den Midterm-Wahlen erneut für Trump und die Republikaner stimmten: Also zum Beispiel weiße Männer in wichtigen "Swing States" wie Ohio oder Florida. Sein Nachteil: Bei der Wahl 2020 wäre Biden 77 Jahre alt. Das wäre nicht gerade ein Zeichen des Aufbruchs. Ähnliches gilt für Bernie Sanders: Er wäre sogar 79. Berater von Sanders geben deshalb zu: "Das Alter ist ein Thema."


Die Topjuristin - Kamala Harris

AP

Von vielen Politexperten wird die 54 Jahre alte Senatorin aus Kalifornien aktuell als Favoritin gehandelt. Die Topjuristin könnte besonders bei jenen Kernwählergruppen erfolgreich sein, die den Demokraten bei den Midterms zum Sieg im Repräsentantenhaus verhalfen: junge Leute, gebildete Frauen aus den Vororten, Afroamerikaner, Latinos. Außerdem kann sie auf Millionenspenden aus ihrem Heimatstaat Kalifornien setzen, wo besonders viele reiche Unterstützer der Demokraten leben. Um die Vorwahlen ihrer Partei zu gewinnen, kann das ein wichtiger Faktor sein.


Die Verlässliche - Amy Klobuchar

Wenn es so etwas wie einen Geheimtipp gibt, dann ist das vielleicht die unaufgeregte Senatorin aus Minnesota. Die Demokraten müssen für einen Sieg gegen Trump vor allem auch im Mittleren Westen des Landes punkten. Klobuchar gewann hier gerade ihren Senatssitz mit einem zweistelligen Vorsprung. Eine Kandidatin wie sie könnte in der Region Boden gut machen und gleichzeitig die wichtige Demokratenwählerschaft in den Vorstädten und an den Küsten ansprechen. Mit ihrer ruhigen Art könnte sie zudem einen angenehmen Kontrapunkt zur Windmaschine Trump setzen. Die Midterms haben gezeigt: Viele Amerikaner sehnen sich nach Ruhe und Verlässlichkeit, nach ernsthaftem Regieren.


Die Linke - Elizabeth Warren

REUTERS

Die Senatorin, die schon lange gegen die Macht der Wall Street ankämpft, würde wahrscheinlich bei Linken und weiblichen Wählern Erfolg haben. Allerdings ist fraglich, ob sie auch eher konservative, männliche Wähler erreichen würde, die eher zu Trump neigen. Dort gilt sie ähnlich wie Hillary Clinton als Feind: Sie hat sich bereits mehrfach mit Trump gerauft. Trump wirft ihr vor, sie habe ihre indianische Abstammung "erfunden", verspottet sie als "Pocahontas". Jüngst präsentierte Warren einen Abstammungstest, der belegen sollte, dass sie sehr wohl indianisches Blut hat. Dies wurde gemeinhin als Versuch gewertet, vor einer möglichen Kandidatur einen potenziellen Schwachpunkt zu neutralisieren.


Immer noch Messias - Beto O'Rourke

REUTERS

Viele Demokraten feiern Beto O'Rourke trotz seiner Niederlage in Texas gegen Ted Cruz weiterhin als Held. Schließlich ging das Rennen mit einem Abstand von nur drei Prozentpunkten sehr knapp aus - für das konservative Texas eine Sensation. In Umfragen unter Parteianhängern liegt er in der Liste der Favoriten auf Platz drei hinter Biden und Sanders. Er gilt als authentisch und unverbraucht. Dem Star werden Außenseiterchancen zugerechnet, weil er gerade unter jungen Leuten jene Leidenschaft entfachen kann, die es braucht, um eine erfolgreiche Wahlkampagne zu bestreiten.

Die Unkaputtbare - Hillary Clinton

DPA

Die ehemalige Präsidentschaftskandidatin könnte laut ihres früheren Vertrauten Mark Penn über eine erneute Kandidatur nachdenken. Angeblich lotet sie die Chancen aus. Auf die Frage eines Journalisten, ob sie 2020 erneut kandidieren wolle, antwortete Clinton neulich: "Nein." Doch dann schob sie hinterher: "Ich wäre aber gerne Präsidentin." Dass ihre Partei sie nach der traumatischen Niederlage gegen Trump erneut aufstellen würde, kann allerdings getrost bezweifelt werden.

So oder so müssen die Demokraten vor den Personalfragen für 2020 auch noch wichtige Richtungsentscheidungen treffen. Ob sie bei der Wahl überhaupt gegen Trump eine Chance haben, dürfte sehr stark davon abhängen, wie sie in den kommenden zwei Jahren mit ihrer neuen Mehrheit im Repräsentantenhaus umgehen.

Bislang geben die Parteigranden da kein allzu einheitliches Bild ab: Während die einen auf scharfe Attacken gegen Trump setzen, also die Konfrontation suchen und Untersuchungsausschüsse ankündigen, wollen andere eher sanftere Töne anstimmen, um moderate Wähler nicht zu verschrecken.

Vermutlich ist eine geschickte Balance aus beiden Vorgehensweisen am Ende die beste Strategie. Der Abgeordnete Josh Gottheimer aus New Jersey rät seinen Parteifreunden in der "New York Times" jedenfalls zur Vorsicht: "Wenn wir nun nur nach links schwenken, ein Amtsenthebungsverfahren einleiten und alles blockieren, werden wir 2020 verlieren."



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PeterPan95 14.11.2018
1. Schon wieder US-Wahlkampf...
... oder immernoch? Bitte, lieber Spiegel, orientiert Euch nicht so sehr an Übersee. Nur weil dort durchgehend Wahlkampf ist, müsst Ihr doch nicht jeden amerikanischen (Spekulations-) Gaul reiten der verfügbar ist. Schon gar nicht als Headliner und mit "Breaking News"-Push-Nachricht aufs Handy. Es gibt genug (Regierungs-) Probleme in Deutschland, da reicht es echt wenn man gezielt über die wirklich wichtigen Ereignisse aus den USA berichtet. Aber nicht jeder Tweet und nicht jede Spekulation ist eine Nachricht. Bitte. Bitte. Für mehr Qualität und weniger heiße Luft.
thorgur 14.11.2018
2. Hillary Clinton ?
Ein wesentlicher (wenn nicht sogar der wesentliche) Anteil an Trumps Sieg bei den Wahlen geht auf Ihr Konto. Wenn die Demokraten sie nochmal aufstellen kann man Ihnen wirklich nicht mehr helfen. Die Demokraten müssten jemanden finden der für "alle" US Amerkikaner wählbar ist. Viele der vorgeschlagenen Kandidaten sind aber zu weit links, als dass sie für republikanische Wähler auch nur ansatzweise wählbar sind. Der Riss in der US Gesellschaft geht zu tief und ich halte es nicht für ausgeschlossen das Trump nochmal 4 Jahre bekommt. Die Lager sind längst soweit voneinander getrennt, da braucht es einen Kandidaten oder Kandidatin, welcher das überbrücken kann. Und rationalen Argumenten zugänglich sind scheinbar auch nur noch die wenigsten.
peterpeterweise 14.11.2018
3. Wenn Hillary für die Demokraten antritt, dann gewinnt Trump wieder
Hillarys Ehrgeiz wäre die beste Unterstützung für eine zweite Amtszeit von Trump. Wenn schon im ersten Wahlkampf Rekordspenden von der Wallstreet und eine minutiös geplante Wahlkampfmaschine nicht gegenüber dem unerfahrenen und von der eigenen Partei sabotierten Politneuling Trump gereicht haben, wie will sie es dann beim zweiten Anlauf schaffen? Dann hat Trump zusätzlich noch die Apparate der republikanischen Partei hinter sich.
julian0922 14.11.2018
4. Alle ausser Hillary,
haben eine Chance gegen Trump. Wenn Hillary antritt wird Trump eine zweite Amtszeit garantiert! Sanders/O'Rourke waeren meine Favoriten, aber da es ja auch um viel viel Geld geht kann ich mir schon vorstellen das Hillary auch antreten wird. Dann wird es so ausgehen wie 2016! Hillary ist in den USA so beliebt wie ein Kropf im Hals, selbst unter Demokraten, ich waehle lieber ueberhaupt nicht als fuer die und kenne eine Menge Leute die genauso denken. Dann bekommt die Welt halt was sie verdient, einen Trump! Hillary is persoenlich dafuer verantwortlich das Trump im white House sitzt, Sanders haette die Wahl gewonnen....
BäckerGeselle42 14.11.2018
5. Tja, das wird spannend
Alle sind sich einig, dass Trump furchtbar ist. Aber um ihn wirklich loszuwerden ist die Wahl des Gegenkandidaten entscheidend. Sanders, Biden? Zu alt. Warren? Gefällt mir gut, kommt aber in den "swing votern" sicherlich als "zu" Intellektuell rüber. O'Rourke ... wenn er vor 6 Jahren in Texas Senator geworden wäre, und in der Zwischenzeit auf der großen Bühne Erfolge gefeiert hätte ... Wird auf jeden Fall spannend. Ich wünsche den Demokraten (und eigentlich uns allen), dass sie sich schnell auf einen Kandidaten/in einigen können, die sowohl große Teile der eigenen Partei hinter sich hat, als auch genügend ANDERE Bevölkerungsgruppen ansprechen kann. Denn so gern ich das auch hätte: aber mit linken Inhalten alleine kann man eine nationale Wahl in den USA eben nicht gewinnen.
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