USA Wie man einen Präsidenten wählt

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Die Vorwahlen

Zunächst mal braucht jede Partei einen Präsidentschaftskandidaten. Allerdings gibt es bei den beiden entscheidenden Parteien Amerikas, den Demokraten und den Republikanern, oft mehr als einen, der sich für fähig hält, das Präsidentenamt auszuüben. Die Kandidaten für den Kandidatenjob kämpfen also nicht nur gegen das andere politische Lager, sondern zunächst erst einmal gegen die Mitbewerber aus den eigenen Reihen. Dafür stellen sich die Bewerber in den einzelnen amerikanischen Bundesstaaten zur Wahl. Jeder Staat hat dabei seine eigenen Regeln.

Bei den Republikanern stellt sich das Problem dieses Jahr freilich nicht, den der amtierende Präsident George W. Bush kandidiert unangefochten für seine Partei. Grob lassen sich zwei Abstimmungsmodi unterscheiden: die Vorwahlen (Primaries) und die Urwahlen (Caucuses).

Inzwischen wird in den meisten Bundesstaaten durch Vorwahlen entschieden. Dabei stimmen die Parteianhänger (in manchen Staaten sind auch Anhänger der gegnerischen Partei zugelassen) zu Beginn des Wahljahres an der Urne über ihren Lieblingskandidaten ab. Allerdings nicht direkt. Es wird darüber abgestimmt, welche Delegierte ihren Bundesstaat auf dem letztendlich entscheidenden Bundesparteitag im Sommer vertreten sollen - wobei diese vorher verbindlich erklärt haben müssen, welchen Kandidaten sie dort unterstützen werden.

Bei dem sehr viel älteren und sehr viel komplizierteren Prinzip der Urwahlen handelt es sich um ein dreistufiges Verfahren. Auf Ortsvereinsebene (District) werden Delegierte für den Kreis (County) gewählt, die ihrerseits dann auf dem Landesparteitag die Wahlmänner für den großen Parteitag bestimmen.

Das Verfahren der Primaries und Caucuses zieht sich in der Regel über die ersten Monate des Wahljahres.

Die Parteitage
Die Conventions sind mehrtägige Politinszenierungen im darauffolgenden Sommer, bei denen es darum geht, den (in der Regel bereits feststehenden) Präsidentschaftskandidaten offiziell zu küren. Jeder Bundesstaat schickt seine Delegierten samt Votum und Fahne zu der Show. Die Kandidatskandidaten, die sich in den Vorwahlen als chancenlos herausgestellt haben, haben längst kundgetan, welchen Parteikollegen sie nun unterstützen und dementsprechend verhalten sich auch die Delegierten, die ursprünglich für sie stimmen sollten.

Die Parteien schicken noch mal berühmte Fürsprecher ins Rennen: Renommierte Politiker, Künstler oder auch Familienangehörige des künftigen Kandidaten. Für den Kandidaten selbst ist es einer der wichtigsten Auftritte des gesamten Wahlkampfes, denn bei den beiden großen Parteitagen schaut das ganze Land zu. Der Parteitag ist auch der Zeitpunkt, zu dem die Präsidentschaftskandidaten ihren "running-mate" benennen - den Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten.

Der Wahlkampf
Nach den Parteitagen beginnt der eigentliche Wahlkampf - der allerdings kürzer ist als die Primarys. Dabei spielt das Fernsehen eine besonders große Rolle. In TV-Spots versuchen die Kandidaten landesweit die Wähler zu erreichen. Besonders wichtig sind die inzwischen schon traditionellen Fernseh-Debatten zwischen den beiden Kontrahenten. In den Medien wird anschließend nahezu jede Geste, jeder Satz analysiert.

Ein großes Augenmerk legen die Parteien in den letzten entscheidenden Wochen vor der Wahl auf die bevölkerungsreichsten Staaten und die "swing states", Staaten mit schwankenden Mehrheiten. Da wird gereist und gewahlredet, was das Zeug hält.

Der Wahltag
Am ersten Dienstag nach dem ersten November wird landesweit gewählt - dieses Jahr am 2. November. Rund 100 Millionen Amerikaner geben ihre Stimme ab - allerdings auch diesmal nicht direkt für die Präsidentschaftsbewerber. Sie entscheiden, wie die Wahlmänner ihres Bundesstaates abstimmen werden.

Die Zahl der Wahlmänner hängt von der Bevölkerungsgröße des jeweiligen Staates ab. So schickt etwa Kalifornien 54 Leute in das so genannte Electoral College, New York 33 und Alaska nur 3 - insgesamt sind es 538 Menschen. Die Wahlmänner eines Bundesstaates wählen alle den Kandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist. So bekam etwa John F. Kennedy 1960 in Illinois die Stimmen von allen 27 Wahlmännern, obwohl er bei rund vier Millionen Wählern in dem Staat absolut nur 9000 Stimmen Vorsprung hatte. Wer die Stimmen von mindestens 270 Wahlmännern auf sich vereinigt, der ist neuer Präsident der USA.

Praktisch ist bei diesem System die Wahl am 2. November entschieden. Theoretisch aber noch lange nicht, denn erst im Dezember tritt das Wahlmännerkollegium zusammen, um in geheimer Abstimmung den 43. Präsidenten der USA zu wählen. Im Januar wird dann dieses Ergebnis bekannt gegeben.



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