Atomstreit USA wollen offenbar mit Irans Führung verhandeln

Viele Beobachter haben sich von Irans neuem Präsidenten Rohani neue Impulse in den festgefahrenen Atomverhandlungen erhofft. Nun will Washington laut "Wall Street Journal" direkt mit der Führung in Teheran verhandeln.
Zeigt sich offen für Gespräche: Hassan Rohani

Zeigt sich offen für Gespräche: Hassan Rohani

Foto: Abedin Taherkenareh/ dpa

Washington - Neue Hoffnung im festgefahrenen Streit über das iranische Atomprogramm: Die USA wollen offenbar in den kommenden Wochen direkt mit der iranischen Führung verhandeln. Der im Juni gewählte iranische Präsident Hassan Rohani hatte zuvor mehrfach signalisiert, dass er zu Gesprächen bereit sei, berichtete das "Wall Street Journal"  unter Berufung auf hochrangige Vertreter der US-Regierung. "Wir sind offen für direkte Gespräche und wollen dem auch Nachdruck verleihen, wo wir können", wird ein Regierungsvertreter zitiert.

Demnach treffen sich die Regierungsvertreter der USA in der kommenden Woche vorab mit Repräsentanten der vier weiteren permanenten Mitglieder des UN-Sicherheitsrates plus Deutschland, um die Vorgehensweise abzustimmen. Die erneuten Gespräche wollen die USA laut "Wall Street Journal" auch dazu nutzen, die Linie des neuen iranischen Präsidenten abzutasten.

Zuletzt waren die Atomgespräche mit Iran in eine Sackgasse geraten. Erst vor wenigen Wochen hatte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) Führung in Teheran scharf kritisiert. "Um ehrlich zu sein, wir drehen uns jetzt schon seit einiger Zeit im Kreis", sagte IAEA-Chef Yukiya Amano. Immer wieder - zuletzt am 15. Mai - hatten IAEA-Unterhändler von Teheran Zugang zu Dokumenten, Atomanlagen und beteiligten Mitarbeitern verlangt.

Rohani setzt auf Dialog

Iran beharrt darauf, dass sein Kernforschungsprogramm allein zivilen Zwecken diene und gegensätzliche Behauptungen ausländischer Geheimdienste falsch seien. Der Westen fürchtet, dass Teheran unter dem Deckmantel angeblich friedlicher Nutzung am Bau einer Atombombe arbeitet. Weil Iran nicht ausreichend mit den IAEA-Kontrolleuren zusammenarbeitet, kann die Uno-Behörde das auch nicht mehr ausschließen.

Von Rohani waren nun schon im Vorfeld neue Impulse für den festgefahrenen Atomstreit erwartet worden. Der 64-Jährige war 2003 bis 2005 Irans Chefunterhändler und stimmte einem Anreicherungsstopp zu. Rohani hält daran fest, dass Iran ein Recht auf ein ziviles Atomprogramm habe. Allerdings will er auf Dialog setzen. Der Geistliche hofft darauf, eine Lockerung der harschen Wirtschaftssanktionen herauszuhandeln, die der iranischen Bevölkerung zu schaffen machen.

Zwar liegt die Entscheidung über Irans Atomprogramm bei Ajatollah Ali Chamenei, dem wichtigsten Mann in der Islamischen Republik. Doch der Präsident hat erheblichen Einfluss darauf, in welcher Atmosphäre und welchem Ton die Verhandlungen mit der internationalen Gemeinschaft stattfinden.

vks/dpa
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