Anzeichen für Kurswechsel USA wollen offenbar Panzer zu syrischen Ölfeldern schicken

Totalabzug der US-Truppen - mit dieser Ansage hat Donald Trump Nordsyrien ins Chaos gestürzt. Nun deutet sich die nächste Wendung an: Medienberichten zufolge sollen bald amerikanische Panzer in den ölreichen Osten des Landes rollen.
"Abrams"-Panzer der US-Armee (Archivbild): Schon bald neue Einheiten in Ostsyrien

"Abrams"-Panzer der US-Armee (Archivbild): Schon bald neue Einheiten in Ostsyrien

Foto: Petras Malukas/ AFP

Er hole die Truppen nach Hause - mit dieser Begründung hatte Donald Trump zuletzt den überraschenden Abzug aller US-Einheiten aus Nordsyrien untermauert. Nun scheint sich eine weitere massive Kursänderung in der amerikanischen Syrien-Taktik abzuzeichnen. Wie mehrere US-Medien übereinstimmend melden, plant das Pentagon, zusätzliche militärische Kräfte zum Schutz der Ölfelder in den Osten Syriens zu schicken.

Und dabei scheint es um keine unerhebliche Truppenzahl zu gehen. Das Magazin "Newsweek" berichtet unter Berufung auf einen Pentagon-Vertreter , das Verteidigungsministerium wolle bis zu 30 "Abrams"-Panzer und zusätzliche Soldaten zum Schutz der Ölfelder nach Ostsyrien schicken. Das Weiße Haus müsse den Plänen noch zustimmen. CNN meldet aber, dass der Plan "relativ zügig" umgesetzt werden soll.

Die Truppenbewegung soll verhindern, dass die von den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) kontrollierten Ölfelder wieder an die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) oder an "andere destabilisierende Akteure" fallen, sagte ein Vertreter des Pentagons am Donnerstag (Ortszeit).

Von einem Abzug kann keine Rede mehr sein

Die genaue Zahl an Soldaten ist unbekannt. Aber sollten wirklich 30 Panzer verlegt werden, brauchen diese eine erhebliche Infrastruktur vor Ort. Die Fahrzeuge müssen beschützt, betankt und gewartet werden. Zudem dürfte es unwahrscheinlich sein, dass die USA Panzer verlegen, ohne für Luftunterstützung zu sorgen. Nach Schätzungen verschiedener US-Medien könnte die Zahl der nötigen Soldaten größer sein als die rund tausend aus dem Norden abgezogenen Kräfte, zum großen Teil Spezialeinheiten. Trumps Argument von der Rückholung der US-Truppen und einem Totalabzug könnte demnach kaum noch gelten.

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Die geplante Verstärkung geschehe "in Abstimmung mit unseren SDF-Partnern", so der Pentagon-Vertreter. Die Eroberung der Ölfelder vom IS sei eine der wichtigsten Errungenschaften im Kampf gegen die Terrormiliz gewesen.

Ziel sei es, den IS, die syrische Regierung, Iran und mit ihm verbündete Milizen von den Ölfeldern fernzuhalten. Der US-Sender Fox News berichtete, die zusätzlichen Kräfte würden aus einer Einheit kommen, die bereits im Nahen Osten stationiert sei.

Der Republikaner Lindsay Graham, einer der schärfsten innerparteilichen Kritiker von Trumps jüngsten Abzugsversprechungen, erklärte nach einem Briefing mit Topmilitärs: "Da ist ein Plan in Arbeit, der unsere Kerninteressen in Syrien stützt."

Trump: USA wollen das Öl schützen

Präsident Trump hatte die US-Truppen in Syrien vor knapp drei Wochen aus der Grenzregion zur Türkei abgezogen. Daraufhin begann die Türkei eine Offensive, die sich gegen die Kurdenmiliz YPG richtete. Die YPG sind die dominierende Kraft in den SDF und waren Verbündete der USA im Kampf gegen den IS. Nach dem Abzug der YPG aus einem Teil des syrischen Grenzgebiets zur Türkei hatte Trump am Mittwoch verkündet, dass Ankara die Offensive beende.

Am Mittwoch hatte Trump noch gesagt, zunächst werde "eine kleine Anzahl" von US-Truppen bei den Ölfeldern bleiben. Die USA würden das Öl schützen, "und wir werden in der Zukunft entscheiden, was wir damit machen werden". Am Donnerstag schrieb er auf Twitter, er werde niemals erlauben, dass der IS sich wieder der Ölfelder bemächtige. In einem weiteren Tweet schrieb er: "Vielleicht ist es an der Zeit für die Kurden, sich auf den Weg in die Ölregion zu machen!"

jok/dpa
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