Medienberichte USA zogen offenbar Topspion aus Russland ab

Ein US-Geheimdienst hat Berichten zufolge vor zwei Jahren einen Topinformanten aus russischen Regierungskreisen abgezogen. Mögliche Gründe: eine drohende Enttarnung - und Donald Trumps Umgang mit heiklen Informationen.

Donald Trump (l.) und Russlands Außenminister Sergej Lawrow (am 10. Mai 2017) im Weißen Haus: Heikle Details ausgeplaudert
Russian Foreign Ministry/AP/DPA

Donald Trump (l.) und Russlands Außenminister Sergej Lawrow (am 10. Mai 2017) im Weißen Haus: Heikle Details ausgeplaudert


Als sich Donald Trump im Mai 2017 im Oval Office mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow traf, wurde dieser Termin sehr genau beobachtet. Noch aufmerksamer wurde registriert, dass der US-Präsident wenige Tage später einräumte, geheime Informationen an den Gast aus Russland weitergegeben zu haben. Dazu habe er jedes Recht, polterte Trump damals auf Twitter.

In den US-Geheimdiensten lösten diese Vorgänge laut einem Bericht des Senders CNN hektische Betriebsamkeit aus. Die bange Frage: Was könnte der Präsident noch alles weitererzählen? Laut CNN-Quellen, die nach Angaben des Senders direkt mit den Entscheidungen befasst waren, beschloss man kurz nach dem Lawrow-Termin, einen Top-US-Spion aus Russland abzuziehen.

Auch die "New York Times" ("NYT") berichtet umfangreich über den Fall. Allerdings stellt die Zeitung den Grund für den Abzug etwas anders dar. Demnach hätte die CIA bereits Ende 2016, also vor dem Lawrow-Treffen, erwogen, ihre Quelle außer Landes zu bringen. Grund waren demnach immer mehr Spekulationen der US-Medien, warum die Geheimdienste derart detailreich über die russische Einflussnahme auf die US-Wahlen 2016 Bescheid wussten. Solche Details, so der Schluss, könnten nur Quellen liefern, die sehr nah am Kreml sind. Mit Blick auf diese Berichte wuchs bei den Entscheidern der Geheimdienste offenbar die Sorge, dass die Quelle enttarnt werden könnte.

Sowohl CNN als auch "NYT" berichten, dass sich der Spion auf einem relativ hohen Level im russischen Regierungsapparat befunden habe - wenn auch nicht im engsten Kreis des Präsidenten. Laut "NYT" lieferte die Person über Jahrzehnte Informationen, die mit ihrer fortschreitenden politischen Karriere immer wertvoller geworden seien.

Schließlich wollten die Verantwortlichen in den USA aber offenbar nicht mehr für die Sicherheit der Quelle garantieren. In einer geheimen Mission sei er oder sie außer Landes gebracht worden. Offenbar hatte der Informant eine Ausreise zunächst abgelehnt - aus familiären Gründen. So schreibt es die "NYT". Bei den Diensten habe dies die Sorge geweckt, dass man es hier möglicherweise mit einem Doppelagenten zu tun habe. Letztlich sei die Person aber doch ausgereist. Identität und derzeitiger Aufenthaltsort des Spions werden demnach weiter geheim gehalten. Der Präsident sei über den Abzugsplan informiert gewesen, so CNN.

"So jemanden zu verlieren, ist eine große Sache"

CNN beruft sich in seiner Enthüllung auf fünf namentlich nicht genannte Quellen, die in der Trump-Regierung, dem US-Kongress und den Geheimdiensten tätig sein oder gewesen sein sollen. Das Weiße Haus und die CIA haben der Darstellung des US-Senders widersprochen. Die "New York Times" nennt ebenfalls keine Namen, erwähnt aber als Quelle umfangreiche Gespräche mit aktiven oder ehemaligen hochrangigen Regierungsvertretern.

Für die Geheimdienste dürfte der Verlust der Quelle einen erheblichen Rückschritt bedeutet haben. Diese Einschätzung vertritt auch John Sipher, der 28 Jahre lang auf hohem Level in der CIA gearbeitet hat.

Auf Twitter schreibt er: "Eine Quelle an einer Schlüsselposition anzuwerben, ist extrem schwierig. So was kann nur einmal in einer Generation passieren, wenn überhaupt. Ihn oder sie zu schützen, bedeutet eine große Herausforderung. Und so jemanden zu verlieren, ist eine große Sache."

jok



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panameño 10.09.2019
1. Man muss eigentlich nur die NYT lesen
Man muss eigentlich nur die NYT lesen, dass alle Profis in den US-Administrationen, egal welcher Ausrichtung, seit Jahren im Panik-Modus sind. Putin dürfte jede Nacht Schwierigkeiten haben, vor lauter Lachen Schlaf zu finden.
seinistes 10.09.2019
2. Die Reaktion vom US Präsidenten
Sehr einfach wie der US Präsident darauf reagieren wird: Er wird behaupten, dass alles "Fake News" ist und ehrlich gesagt, denke ich nicht, dass der Geheimdienst sich bei so einer Angelegenheit dann bemühen wird, um zu beweisen, dass seine geheime Handlung doch stattgefunden hat...
jujo 10.09.2019
3. ....
Die Verantwortlichen in den Geheimdiensten täten gut daran, solange der irrlichternde Trump im Amt ist, entsprechende "Filter" einzubauen um ihre Arbeit und vor allem ihre Leute an der "Front" nicht zu gefährden.
KingTut 10.09.2019
4. Asset
Es ist ganz gleichgültig, ob der Abzug des Top-Spions durch Trumps Redseligkeit gegenüber seinen russischen Gästen oder wegen der Spekulationen der US-Medien im Zuge der erwiesenen Wahlbeeinflussung 2016 geschah. Tatsache ist, dass Trump jede nur denkbare Gelegenheit nutzt, sich für Putin einzusetzen. Es ist nicht normal, dass ein amtierender US-Präsident diesen gegen die klaren Erkenntnisse seiner eigenen Geheimdienste und des FBI in Schutz nimmt. Es ist nicht normal, dass er sich mit Putin unter vier Augen trifft und nicht mal engste Mitarbeiter (die ja die Politik des Präsidenten umsetzen sollen) über den Inhalt informiert werden. Auf breiter Front betreibt dieser Präsident Politik im Sinne Putins, indem er die westlichen Positionen kontinuierlich schwächt. Dazu gehören auch die Zugeständnisse gegenüber Russland bezüglich der nach der Krim-Annexion verhängten Sanktionen. Alle vier Säulen der westlichen Antwort auf diesen völkerrechtswidrigen Akt bringt Trump ins Wanken, wie die bekannte Journalistin Rachel Maddow in MSNBC letzte Woche nachgewiesen hat. Das wären (1) Aufhebung von Sanktionen gegen russische Staatsbürger, die unter Obama verhängt wurden (2) Einfrieren von zugesagten Hilfen für die Ukraine i.H.v. 1 Mrd. Dollar (3) Mögliche Revidierung des Ausschlusses Russlands von der G8 und (4) Aushebelung der European Reassurance Initiative; dabei handelt es sich um dutzende Verteidigungsinitiativen in ganz Westeuropa als Antwort auf die Krim-Annexion und die Destabilisierung der Ost-Ukraine. Die eingesparten Gelder sollen jetzt in die Mauer zu Mexiko investiert werden (die eigentlich die Mexikaner bezahlen sollten!). Nach alledem habe ich die Frage, wessen Asset der amtierende US-Präsident ist, für mich klar beantwortet.
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