Regime in Usbekistan Diktator Karimow nach Hirnblutung auf Intensivstation

Usbekistans 78-jähriger Despot Islam Karimow hat Gehirnblutungen erlitten. Er wird derzeit im Krankenhaus behandelt, seiner jüngeren Tochter zufolge ist sein Zustand stabil.

Islam Karimow
Getty Images/ Mikhail Svetlov

Islam Karimow


Seit Jahren tobt unter seinen Töchtern ein erbitterter Streit, nun wird die Frage, wer Islam Karimow nachfolgt, wieder besonders relevant: Der usbekische Präsident liegt nach Gehirnblutungen auf der Intensivstation. Ihr Vater sei seit Samstagmorgen im Krankenhaus, teilte seine jüngere Tochter Lola Karimowa-Tillijajewa via Instagram mit. Sein Zustand gelte aber als stabil.

Ein Vierteljahrhundert schon herrscht Karimow in Usbekistan. 1989, als sein Land noch Teil der Sowjetunion war, stieg er in dem zentralasiatischen Staat zum Ersten Sekretär der Kommunistischen Partei auf. Ein Jahr später wurde er bereits Präsident des Obersten Sowjets, 1991 erklärte er sein Land dann für unabhängig von Moskau.

Demokratisch ist Usbekistan nie geworden: Karimow lässt Wahlen manipulieren und Gegner brutal unterdrücken. Zuletzt wurde er im März 2015 mit offiziell mehr als 90 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa äußerte Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Urnengangs.

Nach Uno-Erkenntnissen wird in Karimows Kerkern noch immer "systematisch gefoltert". Im Jahr 2005 schossen seine Truppen in Andischan im Osten des Landes eine Demonstration zusammen. Mindestens 500 Menschen sollen gestorben sein, die genauen Zahlen sind nicht bekannt. Tausende Kinder werden zudem Jahr für Jahr zur Zwangsarbeit auf die riesigen Baumwollfelder geschickt. Baumwolle ist das drittwichtigste Exportgut des Landes.

Die Regierung hatte am Sonntag bereits eine knappe Mitteilung veröffentlicht, in der von dem Krankenhausaufenthalt des Despoten die Rede war. Weitere Details dazu gab es aber nicht.

Die Nachfolge Karimows ist noch nicht eindeutig geklärt. Lange galt seine ältere Tochter Gulnara, 41, Modedesignerin und Gelegenheitssängerin, als Anwärterin. Ihre jüngere Schwester ging sie vor einigen Jahren jedoch öffentlich an, woraufhin Gulnara sie der Hexerei bezichtigte. 2014 war ein Brief von Gulnara öffentlich geworden, in dem sie behauptet, von Sicherheitskräften in ihrem eigenen Haus gefangen gehalten und misshandelt zu werden.

vks/AFP/AP



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