Syrien Usbekistan holt 148 Angehörige von IS-Kämpfern zurück

148 usbekische Kinder und Frauen von Kämpfern der Terrormiliz "Islamischer Staat" dürfen nach Hause reisen. Tausende weitere IS-Angehörige werden weiterhin in Syrien festgehalten, darunter auch deutsche Staatsbürger.

Qamishli im kurdischen Nordosten Syriens: Etwa 90 Kindern und mehr als 50 Frauen usbekischer Staatsbürgerschaft wird die Heimreise ermöglicht
Delil souleiman/ AFP

Qamishli im kurdischen Nordosten Syriens: Etwa 90 Kindern und mehr als 50 Frauen usbekischer Staatsbürgerschaft wird die Heimreise ermöglicht


Was passiert mit Verwandten von Kämpfern des sogenannten Islamischen Staates? Mit dieser Frage beschäftigen sich zahlreiche Länder, deren Staatsbürger sich der Terrormiliz in Syrien und dem Irak angeschlossen hatten. Nun haben syrische Kurden 148 usbekische Kinder und Frauen von Kämpfern zurück nach Usbekistan geschickt.

Die Angehörigen der IS-Kämpfer, unter ihnen etwa 90 Kinder, wurden am Mittwoch an usbekische Diplomaten übergeben, wie ein Vertreter der kurdischen Behörden sagte. Insgesamt solle mehr als 300 Usbeken aus den Lagern im Norden Syriens die Heimreise ermöglicht werden.

Nach der Ausrufung des "Kalifats" der IS-Miliz in Syrien und dem Irak 2014 hatten sich Tausende Männer und Frauen aus aller Welt der Extremistengruppe angeschlossen, darunter viele Europäer. Viele von ihnen kehrten später in ihre Heimatländer zurück, andere wurden bei Kämpfen getötet. Tausende weitere befinden sich jedoch in Haft syrischer Kurden.

Kurden wollen IS-Angehörige in Heimatländer schicken

So sind im Nordosten Syriens etwa 4000 ausländische Frauen und 8000 Kinder in Lagern interniert. Die Kurden wollen die Menschen zurück in ihre Heimatländer schicken. Einige Staaten wie Russland und Kasachstan haben einen Teil ihrer Landsleute bereits heimgeholt. Doch viele westliche Staaten diskutieren noch über den Umgang mit den IS-Angehörigen und haben bisher keine Anstalten gemacht, ihre Staatsbürger zu übernehmen.

Auch Deutschland tut sich schwer, das Problem zu lösen. In einem offenen Brief haben sich Verwandte deutscher Anhänger der Terrormiliz an das Bundesinnenministerium und Innenminister Horst Seehofer (CSU) gewandt. Sie fordern darin die Bundesregierung auf, ihre Angehörigen wieder nach Deutschland zurückzuholen.

Laut dem Schreiben handelt es sich um etwa 50 Erwachsene und 80 Kinder. Nach Informationen des SPIEGEL werden mindestens 74 deutsche IS-Anhänger in Nordsyrien festgehalten. (Lesen Sie hier eine Reportage über das Schicksal der IS-Kinder in einem Krankenhaus der kurdisch kontrollierten Stadt Hasaka in Syrien.)

Westliche Staaten zurückhaltend

Auch Deutschland und Frankreich haben in der Vergangenheit vereinzelt Kinder deutscher und französischer Mütter heimgeholt, die im Irak in Haft sind. Die Rücknahme sämtlicher Kinder ihrer Staatsbürger aus den früheren IS-Gebieten in Syrien und dem Irak lehnen die Regierungen in Paris und Berlin aber ab.

Während die Angehörigen der betroffenen Kinder ihre Unschuld betonen und auf ihre Heimholung dringen, reagieren viele Staaten zurückhaltend. Laut der Hilfsorganisation Save The Children befinden sich mehr als 3500 Kinder von Dschihadisten aus rund 30 Ländern in Internierungslagern. In vielen Fällen wurden sie im Irak oder Syrien geboren; oft ist ihre Nationalität umstritten. Viele ihrer Eltern sind tot oder wegen IS-Mitgliedschaft in Haft.

asc/AFP

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