Bluttat mit drei Toten "Motiv Terror" - Anklage gegen Tatverdächtigen von Utrecht erhoben

Gegen den Mann, der in einer Straßenbahn in Utrecht drei Menschen erschossen haben soll, wird Anklage erhoben. Am Freitag soll er einem Richter vorgeführt werden. Ermittler sprechen von einer "radikalen Überzeugung" des Verdächtigen.

Bauarbeiter gedenken in Utrecht der Opfer
REUTERS

Bauarbeiter gedenken in Utrecht der Opfer


Der mutmaßliche Todesschütze von Utrecht soll sich wegen mehrfachen Mordes mit terroristischem Motiv verantworten. Das teilte die Staatsanwaltschaft in der niederländischen Stadt mit. Er handelte den Angaben der Ermittler zufolge vermutlich allein. "Die Ermittlungen ergaben inzwischen Hinweise, dass der Verdächtige während der Schüsse keine Hilfe von anderen Personen bekommen hat", teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Der mutmaßliche Schütze, Gökmen T., war am Montagabend festgenommen worden. Der 37-Jährige soll am Montag in einer Straßenbahn in Utrecht drei Menschen erschossen und drei weitere schwer verletzt haben. Der Mann soll am Freitag erstmals dem Haftrichter vorgeführt werden.

Die Staatsanwaltschaft schließt aber auch weiterhin persönliche Probleme des Mannes als Motiv nicht aus, "in Kombination mit einer Radikalisierung". Ein psychiatrisches Gutachten solle erstellt werden. Gerüchte, dass es sich um eine Beziehungstat handle, hätten bislang nicht bestätigt werden können. Bereits zuvor hatten die Ermittler mitgeteilt, dass keinerlei persönliche Beziehung zwischen dem Täter und den Opfern festgestellt werden konnte.

Unklar ist, welche Rolle ein anderer Mann spielte, der am Dienstag festgenommen worden war. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er erst nach der Tat dem Verdächtigen geholfen haben soll.

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Die Tat ereignete sich im Viertel Kanaleneiland, einer ruhigen Wohngegend etwa einen Kilometer von der Altstadt entfernt. "Es ist verstörend, dass so etwas so nahe an unserem Zuhause geschehen kann", sagte ein Anwohner.

Der mutmaßliche Schütze hat ein langes Vorstrafenregister. Im Dezember 2013 wurde er wegen versuchten Totschlags verurteilt, vor zwei Wochen begann eine Verhandlung wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs. Darüber hinaus wurde er wegen Ladendiebstahls, Trunkenheit am Steuer, Sachbeschädigung und Beleidigung vor Gericht gestellt.

Viele Bürger Utrechts, darunter auch Bürgermeister Jan van Zanen, haben am Tatort Blumen für die Opfer niedergelegt. Durch die Schüsse kamen eine 19 Jahre alte Frau aus der Gemeinde Vianen und zwei Männer aus Utrecht im Alter von 28 und 49 Jahren ums Leben. Außerdem wurden drei Menschen schwer verletzt: eine 20 Jahre alte Frau aus Utrecht, ein 74 Jahre alter Mann aus dem Ort De Meern und eine 21 Jahre alte Frau aus Nieuwegein. Vier Menschen erlitten leichte Verletzungen, weil sie etwa in der Hektik unmittelbar nach der Tat stürzten.

pad/asa/Reuters/AP/dpa



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