Griechenland Varoufakis berichtet von Überfall durch "Anarchisten"

Es sollte ein ruhiges Abendessen werden - und entwickelte sich zu einer brenzligen Situation für Griechenlands Finanzminister. Gianis Varoufakis wurde nach eigenen Angaben von Vermummten in Athen angegriffen. Dann schritt seine Frau ein.

Minister Varoufakis (Archivbild): Angriff in der Nacht
AFP

Minister Varoufakis (Archivbild): Angriff in der Nacht


Schon auf dem jüngsten Treffen mit den Euro-Finanzministern musste sich Gianis Varoufakis einiges anhören. Als "Spieler, Zeitverschwender und Amateur" soll er von seinen Amtskollegen tituliert worden sein. Doch zumindest von tätlichen Angriffen war in Riga nicht die Rede. Das sah in der vergangenen Nacht in Athen ein wenig anders aus. Offenbar wurde der griechische Finanzminister von einer Gruppe vermummter Männer angegriffen.

Von der Polizei gibt es eine Bestätigung des Vorfalls, aber keine weiteren Angaben. Varoufakis schildert das Geschehen in einer Stellungnahme dagegen ausführlich.

Demnach war er mit seiner Frau Danae Stratou und einem Freund im Athener Stadtteil Exarcheia zum Essen verabredet. Nach dem Dinner, kurz nach Mitternacht, habe eine "Gruppe von Anarchisten" das Restaurant betreten und begonnen, den Minister zu beschimpfen. Zudem hätten die Angreifer "Glasobjekte geworfen", so Varoufakis, allerdings ohne Treffer zu landen. Die Attacke verbanden die Männer demnach mit der unmissverständlichen Aufforderung, Varoufakis möge "ihren Bereich sofort verlassen".

Was folgt, klingt ein wenig nach Fernsehfilm, soll sich nach Angaben des Ministers aber tatsächlich zugetragen haben. Demnach stellte sich Gattin Danae schützend vor ihren Mann, just als zwei der Männer näher kamen. Danach hätten die Vermummten abgelassen, aber vor dem Restaurant Stellung bezogen.

Am Motorrad des Ministers kam es dann zu einem weiteren Wortwechsel. Nach eigenen Angaben sprach Varoufakis rund 15 Minuten "auf intensive Weise" mit der Gruppe, bis sich die Lage schließlich beruhigte. Bei dem Vorfall habe es keine Verletzten gegeben.

Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE erklärte der Finanzminister, die Männer hätten als Grund für die Attacke angegeben, "als Teil des Machtsystems" sei er nicht willkommen. Trotz der brenzligen Situation sei er froh, dass er ohne Polizeischutz unterwegs gewesen sei: "Hätte ich Polizei dabei gehabt, wäre die Situation eskaliert."

Der Stadtteil Exarcheia ist für seine sehr aktive linke Szene bekannt und war bereits Schauplatz zahlreicher Demonstrationen.

jok/Mitarbeit: Giorgos Christides

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