Euro-Krise Linker Banker wird griechischer Finanzminister

Er wird eine zentrale Rolle im Kampf Griechenlands gegen die drohende Pleite spielen: Vassilis Rapanos wird neuer Finanzminister des hoch verschuldeten Landes. Er gilt als einer der erfahrensten Finanzexperten Griechenlands.

Vassilis Rapanos: Neuer griechischer Finanzminister
REUTERS

Vassilis Rapanos: Neuer griechischer Finanzminister


Athen - Das neue griechische Kabinett unter dem Konservativen Antonis Samaras steht. Das wegen der Pleitegefahr des Landes wichtige Ministerium für Finanzen wird Vassilis Rapanos führen. Rapanos war bisher Chef des größten Bankkonzerns der National Bank of Greece. Er gilt als einer der erfahrensten griechischen Finanzexperten und steht politisch den Sozialisten nahe.

Als in Griechenland die Obristenjunta herrschte (1967-1974), ging Rapanos in den Widerstand. Dafür wurde er 1969 festgenommen und verbrachte vier Jahre in griechischen Gefängnissen. Seitdem gilt er als linker Banker. Er steht den Sozialisten nahe, berichtete übereinstimmend die griechische Presse am Donnerstag.

Rapanos wurde 1947 auf der Dodekanes-Insel Kos geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften in Athen und Kanada und wurde anschließend Universitätsprofessor in Athen. Zudem war er Berater des Finanzministeriums und stellvertretender Leiter der griechischen Vertretung bei der Europäischen Union. Seit 2009 lenkte er die National Bank of Greece.

Am Donnerstagabend wurde die neue Regierung vereidigt. Das traditionelle christliche Zeremoniell im Präsidialgebäude führte der griechisch-orthodoxe Erzbischof Hieronymos II. an. "Wir werden es schaffen", sagte Antonis Samaras, dessen Regierung das Land aus der Finanzkrise führen soll. Die Regierung wird von den Konservativen (ND), den Sozialisten (Pasok) und der kleinen Partei Demokratische Linke (Dimar) unterstützt. Sie hat insgesamt 179 Abgeordnete im 300-köpfigen Parlament.

Unter den Ministern sind auch einige bekannte Persönlichkeiten, denen die Linke vertraut, wie der Jurist Antonis Roupakiotis (Justizminister) und der Professor für Verfassungsrecht, Antonios Manitakis (Minister für Verwaltungsreform) sowie der Umweltminister Evangelos Livieratos, ein enger Mitarbeiter des Sozialistenchefs Venizelos.

Außenminister wird der frühere Bürgermeister von Athen und jetzige Vizepräsident der Nea Dimokratia, Dimitris Avramopoulos. Das Verteidigungsministerium übernimmt der Konservative Politiker Panos Panagiotopoulos. Die neue Regierung setzt auf Wachstum und hat deswegen zwei Ministerien für die wichtigen griechischen Wirtschaftsbereiche Tourismus und Handelsschifffahrt eingerichtet.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso begrüßte die Bildung der neuen Regierung in Athen unter Ministerpräsident Samaras. Die breite Stimmenmehrheit der Koalition im Parlament sei "ein klares Signal für Griechenlands Entschlossenheit, seine Zusagen zu respektieren und im Euro zu bleiben", sagte der Portugiese am Donnerstag in Brüssel. Zudem kenne er Samaras schon lange und freue sich auf die Zusammenarbeit mit dem Freund des "Europäischen Projekts". Die Kommission werde sich zusammen mit den griechischen Behörden darum bemühen, das krisengebeutelte Land zurück auf den Wachstumspfad zu führen und Arbeitsplätze zu schaffen.

hen/dpa/dapd

insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Möglw. 21.06.2012
1. Furchtbar...
Diese Worthülsen "zurück auf den Wachstumspfad zu führen und Arbeitsplätze zu schaffen." lösen doch höchstens noch Fremdschäm-Reflexe, die neurologisch bewiesen sogar körperlich wehtun können, aus! So muss sich ein Personaler fühlen, der zum x-ten Male unbewiesene Behauptungen wie "teamfähig" liest... Solange Geld die heutige Funktion hat, muss Griechenland a. abwerten, da sie nirgends konkurrenzfähig sind, also raus aus dem Euro, und durch eine neue oder auch eine Parallelwährung den Export ankurbeln. b. neue Schulden machen, da sie es doch sehr vermutlich nicht hinbekommen, die mindestens 50Mrd aus der Schweiz zurückzuholen oder z.B. nach italienischem Vorbild eine schöne, effiziente Steuer-Software einzusetzen. Vgl. Euro-Krise: Supercomputer jagt Italiens Steuersünder - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/euro-krise-supercomputer-jagt-italiens-steuersuender-a-838125.html)
younan1821 21.06.2012
2. Korrupt
Sehr gute Herr Rapanos hatte ein zuletzt angegebenes Einkommen von knapp 420.000 und das bekommt man nicht als Universitätsprofessor. Er ist ein korrupter Mensch wie alle anderen in Griechenland und sie werden von Europa aus reinem Eigeninteresse unterstützt. Ob die Europäer eine korrupte Puppe mit einer anderen ersetzen, ist ihnen vollkommen egal. Griechenland ist sowieso zum deutschen Neoprotektorat degradiert, der Spiegel sollte sich lieber den Themen zuwenden mit denen er sich auskennt: Bauer sucht Frau und neoliberalem Geschwätz eine Plattform bieten.
SixEcho 21.06.2012
3. völlig ...
deplaziert so ein Spruch ... müssen wir in Zukunft wieder Schädelvermessungen machen? Dieses Niveau wird leider momentan öfters angetroffen ...
Klaschfr 21.06.2012
4. Versteckt
Zitat von sysopREUTERSEr wird eine zentrale Rolle im Kampf Griechenlands gegen die drohende Pleite spielen: Vasilion Rapanos wird neuer Finanzminister des hoch verschuldeten Landes. Er gilt als einer der erfahrensten Finanzexperten Griechenlands. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,840241,00.html
Und der soll als einer der erfahrensten Finanzexperten des Landes von allem nichts geahnt haben? Und wenn, hat er schöne geschwiegen!
mukkesucker 21.06.2012
5. ist das der Mann der uns das letzte Hemd nimmt?
Korruption siegt!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.