Venezolanischer Präsident Chávez macht Krebserkrankung öffentlich

Seit Wochen wurde über den Gesundheitszustand des Präsidenten Venezuelas spekuliert, jetzt hat Hugo Chávez offen über eine Krebserkrankung gesprochen - ihm sei ein bösartiger Tumor entfernt worden, sagte der 56-Jährige in einer TV-Ansprache.


Caracas - Hugo Chávez wirkte ernst, als er vor die Kameras trat, die Anstrengungen der vergangenen Tage waren dem venezolanischen Präsidenten anzusehen: Nach wochenlangen Spekulationen über seinen Gesundheitszustand hat der 56-Jährige in einer Fernsehansprache über eine bösartige Tumorerkrankung gesprochen. Er habe sich während seines Kuba-Aufenthaltes einer Krebsoperation unterzogen. Er sei auf dem Wege der "vollständigen Genesung" betonte Chávez, der sich derzeit auf Kuba aufhält. Der Eingriff sei nach einer Operation wegen eines Beckenabzesses erfolgt. Er sei überzeugt davon, dass er sich voll erholen werde, sagte der linkspopulistische Präsident.

Es sei ein "fundamentaler Fehler" gewesen, dass er seine Gesundheit über Jahre hinweg vernachlässigt habe, sagte der sichtlich abgemagerte Chávez in dem nur 15 Minuten dauernden voraufgezeichneten Beitrag. Chávez äußerte sich nicht dazu, wann er in seine venezolanische Heimat zurückkehren werde. Die Opposition hatte den Aufenthalt in Kuba heftig kritisiert, da sie es für verfassungswidrig hielt, dass der Präsident das Land vom Ausland aus regierte.

Bisher hatte die venezolanische Regierung erklärt, Chávez habe sich in Kuba lediglich wegen eines Beckenabszesses operieren lassen. Der Eingriff hatte am 10. Juni stattgefunden, seitdem hatte Chávez sich nicht mehr öffentlich geäußert. Da Chávez als äußerst redselig bekannt ist, waren Spekulationen über eine mögliche schwere Erkrankung des venezolanischen Präsidenten aufgekommen.

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Venezuela: Der kranke Präsident
Erst vor wenigen Tagen hatte es Fernsehbilder gegeben, die Zweifel am Gesundheitszustand von Chávez zerstreuen sollten - auf ihnen war Chávez zusammen mit dem früheren kubanischen Staatschef Fidel Castro zu sehen, die beiden hätten zusammen mit Familienangehörigen "in Erinnerungen geschwelgt", hieß es dazu.

Einen für den 5. Juli in Venezuela geplanten Regionalgipfel hat die Regierung abgesagt. Chávez regiert sein Land seit 1999.

hen/Reuters/dapd/AFP



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johannes.kepler 01.07.2011
1. Es ist viel mehr
Zitat von sysopSeit Wochen wurde über den Gesundheitszustand des Präsidenten Venezuelas spekuliert, jetzt hat Hugo Chávez offen über eine Krebserkrankung gesprochen - ihm sei ein bösartiger Tumor entfernt worden, sagte der 56-Jährige in einer TV-Ansprache. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,771701,00.html
Wir Venezolaner haben es schon gesagt: laut Verfassung muss der Vizepräsident bei Krankheit des Präsidenten die Führung übernehmen. Das heisst, dass Elías Jaua zumindest eine Zeit Präsident sein muss. Das ist Verfassung, nicht "Meinung der Opposition". Der Präsident ist schwer krank. Aber davon mal abgesehen: es ist besorgniserregend, dass Chávez Bruder öffentlich erklärte, man müsse nicht nur den Wahlkampf, sondern den Waffenkampf benutzen, um an der Macht zu bleiben. Der Generalauditor, extrem pro-Chávez, der gerichtstlich verfügte, dass viele Oppositionelle nicht mehr Kandidaten sein können, ist vor kurzem gestorben. Er müsse nun ersetzt werden. Weil der Chavismus aber nicht mehr 2/3 der Nationalversammlung hat, will die Regierung die Stelle noch nicht besetzen. Zur Zeit gibt es darüber hinaus ein Verfahren gegen Globovisión, den einzigen Fernsehsender, der regierungskritisch ist (und den nur 30% der Bevölkerung sehen kann: die mit Kabel, Internet, Satellitenfernsehen oder in Caracas wohnend)
Incubus6 01.07.2011
2. +++
Natürlich mein Beileid. Aber mich wprde schon interessieren, ob eine imperialistische Behandlungsmethode gewählt hat. Dann kann er ja mal hinterfragen wie solche Fortschritte möglich sind
frubi 01.07.2011
3. .
Zitat von johannes.keplerWir Venezolaner haben es schon gesagt: laut Verfassung muss der Vizepräsident bei Krankheit des Präsidenten die Führung übernehmen. Das heisst, dass Elías Jaua zumindest eine Zeit Präsident sein muss. Das ist Verfassung, nicht "Meinung der Opposition". Der Präsident ist schwer krank. Aber davon mal abgesehen: es ist besorgniserregend, dass Chávez Bruder öffentlich erklärte, man müsse nicht nur den Wahlkampf, sondern den Waffenkampf benutzen, um an der Macht zu bleiben. Der Generalauditor, extrem pro-Chávez, der gerichtstlich verfügte, dass viele Oppositionelle nicht mehr Kandidaten sein können, ist vor kurzem gestorben. Er müsse nun ersetzt werden. Weil der Chavismus aber nicht mehr 2/3 der Nationalversammlung hat, will die Regierung die Stelle noch nicht besetzen. Zur Zeit gibt es darüber hinaus ein Verfahren gegen Globovisión, den einzigen Fernsehsender, der regierungskritisch ist (und den nur 30% der Bevölkerung sehen kann: die mit Kabel, Internet, Satellitenfernsehen oder in Caracas wohnend)
Sie machen ganz schön Stimmung gegen Chavez. Soweit ich weis hat Chavez, auch wenn ihre Beschuldigungen stimmen sollten, ziemlich viele Anhänger im Volk. Oder sehe ich das gänzlich falsch und er hällt sich nur mit der Unterdrückung der Opposition an der Macht? Bei Wikipedia steht, dass Chavez vorgänger ein korrupter Staatsführer war, der sich die eigenen Taschen gefüllt hat. Will man zu diesem Zustand zurückkehren? "Am 3. Dezember 2006 wurde Chávez bei den Präsidentschaftswahlen mit 62,89 Prozent der Stimmen aufs neue im Amt bestätigt. Es gab insgesamt 18 Kandidaten für das Amt. Der sozialdemokratische Gegenkandidat Rosales, Führer der Opposition gegen Chávez, musste mit 36,85 Prozent der Stimmen seine Niederlage eingestehen. Die Wahlbeteiligung war mit etwa 75 Prozent die höchste seit 1988.[10] Die von der Europäischen Union entsandten Beobachter gingen von einer reibungslosen Wahl aus. Im offiziellen Bericht zur Beobachtungsmission der EU wurde allerdings unter anderem die starke institutionelle Propaganda hauptsächlich für Präsident und Kandidat Chávez sowie die unausgeglichene Berichterstattung, zugunsten eines Kandidaten, sowohl in den öffentlichen als auch in den privaten Medien kritisiert. Außerdem sei auf Staatsangestellte Druck ausgeübt worden, für Chávez zu stimmen beziehungsweise an Wahlkampagnen für seine Wiederwahl teilzunehmen. Dies sei ein Verstoß gegen die internationalen Prinzipien der freien Stimmabgabe." Quelle Wikipedia Entweder ist diese Info total falsch, mein Wissen über Venezuela zu gering oder meine Einschätzung total daneben aber das hört sich alles nicht so fatal an wie sie es beschreiben.
Mardor 01.07.2011
4. ...
Zitat von frubiSie machen ganz schön Stimmung gegen Chavez. Soweit ich weis hat Chavez, auch wenn ihre Beschuldigungen stimmen sollten, ziemlich viele Anhänger im Volk. Oder sehe ich das gänzlich falsch und er hällt sich nur mit der Unterdrückung der Opposition an der Macht? Bei Wikipedia steht, dass Chavez vorgänger ein korrupter Staatsführer war, der sich die eigenen Taschen gefüllt hat. Will man zu diesem Zustand zurückkehren? "Am 3. Dezember 2006 wurde Chávez bei den Präsidentschaftswahlen mit 62,89 Prozent der Stimmen aufs neue im Amt bestätigt. Es gab insgesamt 18 Kandidaten für das Amt. Der sozialdemokratische Gegenkandidat Rosales, Führer der Opposition gegen Chávez, musste mit 36,85 Prozent der Stimmen seine Niederlage eingestehen. Die Wahlbeteiligung war mit etwa 75 Prozent die höchste seit 1988.[10] Die von der Europäischen Union entsandten Beobachter gingen von einer reibungslosen Wahl aus. Im offiziellen Bericht zur Beobachtungsmission der EU wurde allerdings unter anderem die starke institutionelle Propaganda hauptsächlich für Präsident und Kandidat Chávez sowie die unausgeglichene Berichterstattung, zugunsten eines Kandidaten, sowohl in den öffentlichen als auch in den privaten Medien kritisiert. Außerdem sei auf Staatsangestellte Druck ausgeübt worden, für Chávez zu stimmen beziehungsweise an Wahlkampagnen für seine Wiederwahl teilzunehmen. Dies sei ein Verstoß gegen die internationalen Prinzipien der freien Stimmabgabe." Quelle Wikipedia Entweder ist diese Info total falsch, mein Wissen über Venezuela zu gering oder meine Einschätzung total daneben aber das hört sich alles nicht so fatal an wie sie es beschreiben.
Ach so, und weil Sie mal eben schnell bei Wikipedia nachgelesen haben, meinen Sie jetzt, Sie könnten mit einem Venezolaner auf Augenhöhe über sein Land und dessen Regierung diskutieren? Na, Sie scheinen ja ein verkannter Komiker zu sein...
johannes.kepler 01.07.2011
5. Lukashenko ist selbst ohne Betrug noch populär
Zitat von frubiSie machen ganz schön Stimmung gegen Chavez. Soweit ich weis hat Chavez, auch wenn ihre Beschuldigungen stimmen sollten, ziemlich viele Anhänger im Volk. Oder sehe ich das gänzlich falsch und er hällt sich nur mit der Unterdrückung der Opposition an der Macht? Bei Wikipedia steht, dass Chavez vorgänger ein korrupter Staatsführer war, der sich die eigenen Taschen gefüllt hat. Will man zu diesem Zustand zurückkehren? "Am 3. Dezember 2006 wurde Chávez bei den Präsidentschaftswahlen mit 62,89 Prozent der Stimmen aufs neue im Amt bestätigt. Es gab insgesamt 18 Kandidaten für das Amt. Der sozialdemokratische Gegenkandidat Rosales, Führer der Opposition gegen Chávez, musste mit 36,85 Prozent der Stimmen seine Niederlage eingestehen. Die Wahlbeteiligung war mit etwa 75 Prozent die höchste seit 1988.[10] Die von der Europäischen Union entsandten Beobachter gingen von einer reibungslosen Wahl aus. Im offiziellen Bericht zur Beobachtungsmission der EU wurde allerdings unter anderem die starke institutionelle Propaganda hauptsächlich für Präsident und Kandidat Chávez sowie die unausgeglichene Berichterstattung, zugunsten eines Kandidaten, sowohl in den öffentlichen als auch in den privaten Medien kritisiert. Außerdem sei auf Staatsangestellte Druck ausgeübt worden, für Chávez zu stimmen beziehungsweise an Wahlkampagnen für seine Wiederwahl teilzunehmen. Dies sei ein Verstoß gegen die internationalen Prinzipien der freien Stimmabgabe." Quelle Wikipedia Entweder ist diese Info total falsch, mein Wissen über Venezuela zu gering oder meine Einschätzung total daneben aber das hört sich alles nicht so fatal an wie sie es beschreiben.
Sie beziehen sich nicht auf Caldera, der vor allem inkompetent war, sondern auf Carlos Andrés Pérez, der auch sehr korrupt war. Carlos Andrés Pérez war tatsâchlich sehr korrupt und wurde trotztdem vom selben Volk zweimal gewählt, so wie Caldera. Leider waren Erdölpreise für Carlos Andrés pérez bei der zweiten Amtszeit im Keller. Erdölpreise sind das Alpha und Omega der Popularität eines Präsidenten Venezuelas. Zur EU-Kommission: wenn Sie Englisch sprechen, können Sie selbst den Bericht eines Beobachters dieser Kommission hier lesen: http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/europe/article3319910.ece Im Grunde genommen: die Kommission hat aus ihren Hotelzimmern mit Kabelfernsehen die Wahlen bis vor dem Tag der Wahlen beobachtet. Toll, oder? Chávez hat tatsächlich noch Fans. Bei der Nationalwahlen 2010 haben 48% für seine Partei gestimmt, 52% dagegen. Und diese 52% haben nur 40% der Abgeordnetenplâtze bekommen, weil der Wahlrat kurz vor den Wahlen die Wahlkreise so umgestaltet hat, dass es für die Opposition noch schwieriger war, Stellen zu bekommen. Sie gehen aber nicht ein auf die klaren Aussagen, die ich erwähnt habe. Was meinen Sie über die Verfassung des Landes? Was über die Aussagen des Bruders?
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